Infolge eines russischen Raketenangriffs auf die ukrainische Hauptstadt Kyjiw ist die Hauptkirche des zum Weltkulturerbe zählenden Höhlenklosters in Brand geraten. »Nach operativen Informationen gibt es ernsthafte Schäden auf dem Gelände des Höhlenklosters«, schrieb der Militärgouverneur der Dreimillionenstadt, Tymur Tkatschenko, bei Telegram. Er warf Russland vor, bewusst »das Herz eines der größten christlichen Heiligtümer« angegriffen zu haben. Das Außenministerium kündigte an, bei der Unesco eine »unmittelbare und angemessene Antwort auf diese Staats-Barbarei« erwirken zu wollen.
In sozialen Netzwerken kursierende Bilder zeigten Flammen im Dachbereich der Mariä-Entschlafens-Kathedrale mit ihren vergoldeten Kuppeln. Sie liegt auf dem Klostergelände, das zum ukrainischen Staatseigentum gehört. Metropolit Epiphanius, das Oberhaupt der Orthodoxen Kirche der Ukraine, verurteilte den Angriff als russisches Verbrechen »gegen die Menschlichkeit, gegen die Geschichte, gegen das Christentum«.
Die russische Armee griff Kyjiw in der Nacht mit Raketen an. In der Innenstadt waren zunächst knapp zwei Dutzend Explosionen mutmaßlich von der Flugabwehr zu hören, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtete. Bürgermeister Vitali Klitschko zufolge gab es in drei Stadtteilen Einschläge. Zwei Menschen wurden getötet. Es gab Stromausfälle und weitere Brände.
Das jahrhundertealte Kyjiwer Höhlenkloster ist eine der bedeutendsten religiösen Stätten des Lanes. Es beherbergt in einem verzweigten unterirdischen Höhlensystem auch mumifizierte Überreste von Geistlichen. Seit 1990 zählt das Kloster zum Weltkulturerbe und steht unter dem Schutz der UN-Kulturorganisation Unesco.
Auf dem Gelände der weltberühmten Pilgerstätte am Fluss Dnipro, deren Ursprünge bis ins 11. Jahrhundert zurückgehen, befinden sich mehrere Museen. Der sogenannte untere Teil wird trotz staatlichem Druck weiterhin von der ukrainisch-orthodoxen Kirche genutzt, die sich bis zum russischen Einmarsch von 2022 als Teil des Moskauer Patriarchats sah, sich inzwischen jedoch von Moskau lossagte.
Weitere Angriffe in Charkiw, Drohnen in Russland
Auch aus anderen ukrainischen Regionen wurde heftiger Beschuss gemeldet. In Charkiw seien fünf Rettungskräfte infolge der Luftangriffe getötet und vier weitere Menschen verletzt worden, berichtete das Nachrichtenportal Kyiv Independent unter Berufung auf Gouverneur Oleh Synjehubow. In Dnipro habe es mindestens einen Verletzten gegeben, hieß es.
Auch in Russland gab es Tote. Nach Angaben des Gouverneurs des russischen Gebietes Tula, Dmitri Miljajew, wurden in der Nacht drei Menschen infolge ukrainischer Drohnenangriffe getötet. Drei weitere seien verletzt worden, teilte er auf Telegram mit. Die Stadtverwaltung von Moskau teilte mit, es seien mehrere anfliegende Drohnen abgeschossen worden. Zu möglichen Schäden oder Verletzten wurde zunächst nichts bekanntgegeben.
