
Bundesbankpräsident Joachim Nagel wird mit der ranghöchsten Auszeichnung Frankreichs geehrt. In einer Feierstunde in der französischen Botschaft in Berlin wurde er am Freitag mit dem Orden der Ehrenlegion ausgezeichnet. Der frühere französische Notenbankchef François Villeroy de Galhau, der jetzt Ehrengouverneur der Banque de France ist, überreichte die die Auszeichnung. Es gibt sie in mehreren Klassen, Nagel wird „Ritter“.
Die Verleihung des Ordens würdige Nagels Engagement für die deutsch-französische Zusammenarbeit, teilte die Bundesbank mit. Die Ehrung sei „ein Symbol für die Partnerschaft zwischen Deutschland und Frankreich sowie für die Bedeutung der gemeinsamen Werte und der Kooperation in Europa“.
Napoleon und seine Absicht
Nagel, der gerade 60 Jahre alt geworden ist, ist seit Januar 2022 Präsident der Bundesbank. Der gebürtige Badener hatte sich besonders für die Zusammenarbeit mit Notenbanken in anderen Ländern eingesetzt, mit Frankreich ebenso wie mit Italien und Spanien. Es gab gemeinsame öffentliche Auftritte mit den dortigen Notenbankchefs und gemeinsame Interviews; auch im EZB-Rat bemühte Nagel sich oftmals um Lösungen im Konsens. Nagel wurde auch schon als ein möglicher Kandidat für die Nachfolge von EZB-Präsidentin Christine Lagarde gehandelt.
Der Orden der „Légion d’Honneur“ wurde im Jahre 1802 von Napoleon in der Absicht gestiftet, militärische und zivile Verdienste, ausgezeichnete Talente und große Tugenden zu belohnen und damit seine Macht als erster Mann im Staat durch Loyalität der Ausgezeichneten zu stärken. Als ziviler und militärischer Verdienstorden stand und steht die Ehrenlegion allen Personen ohne Rücksicht auf Rang oder Stand offen. Wem der Orden verliehen wird, entscheidet heutzutage in Ermangelung eines Kaisers der französische Staatspräsident.
Mit der Aufnahme in die Legion ist bis heute ein Ehrensold verbunden. Allerdings wurde seit dem Ende des 19. Jahrhunderts keine Anpassung an die Inflation mehr vorgenommen, sodass die regelmäßigen Zahlungen sich je nach Klasse des Ordens nur auf wenige Euro im Jahr belaufen.
Zu den frühen Trägern des Ordens gehörte im Jahr 1808 der deutsche Dichter Johann Wolfgang von Goethe. Im Laufe der Zeit wurden sehr unterschiedliche Menschen damit geehrt, vom früheren Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) über den Filmproduzenten Walt Disney bis hin zum Entertainer Harald Schmidt. Der verstorbene F.A.Z.-Herausgeber Günter Nonnenmacher war Offizier der Ehrenlegion. Dem russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin wurde das Großkreuz des Ordens 2006 verliehen; später wurde über eine Aberkennung diskutiert.
