Trotz der schwankenden Beliebtheitswerte glaubt Ole-Jørgen Schulsrud-Hansen nicht daran, dass die Monarchie in Norwegen gefährdet ist. Der 28-jährige Historiker arbeitet für den norwegischen Sender TV2 als Königshauskommentator und hat ein Buch über die norwegischen Kronprinzen geschrieben. »Norweger neigen zu einem schlechten Gedächtnis, wenn es um die Königsfamilie geht. Wir vergessen das Negative und konzentrieren uns auf das Positive«, sagt er der ZEIT.
Es sei der Königsfamilie gelungen, Høibys Verfehlungen als die einer Privatperson darzustellen, nicht als die eines Mitglieds der Königsfamilie. »Ich war überrascht, dass auch die Medien in der Berichterstattung zum Prozess die Monarchie kaum thematisiert haben«, sagt Schulsrud-Hansen. Im Privaten würde die Familie trotzdem weiter zu Høiby stehen, auch Kronprinz Haakon.
Høiby sei als Kind so etwas wie »das Symbol der modernen Monarchie« in Norwegen gewesen, sagt Schulsrud-Hansen, als Kronprinz Haakon in Mette-Marit eine alleinerziehende Mutter heiratete und »der blonde, blauäugige Herzenschmelzer« Høiby Teil der royalen Familie wurde. Mit der Geburt von Prinzessin Ingrid Alexandra im Jahr 2004 sei Høiby allerdings etwas aus dem Fokus der Öffentlichkeit geraden, weil diese im Gegensatz zu ihm Teil der Thronfolge ist.
Von Kronprinz Haakon perle negative Berichterstattung rund um seine Familie ab »wie Wasser von einer Gans«, sagt der Experte. Haakon sei weiterhin äußerst beliebt, obwohl er zugegeben habe, von den Verbindungen Mette-Marits zu Jeffrey Epstein gewusst zu haben. Der 52-jährige Kronprinz wird die Nachfolge seines Vaters Harald V. als König antreten, der bereits 89 Jahre alt ist.
Auch Mette-Marit sei es gelungen, ihr öffentliches Bild schnell wieder aufzubessern. »Trotz ihres Gesundheitszustandes hat sie viele repräsentative Aufgaben übernommen, das dürfte geholfen haben.« Seit der akuten Verschlechterung ihres Zustandes sei das Mitleid in der Öffentlichkeit groß. Sie leidet an der unheilbaren Krankheit Lungenfibrose. Kürzlich wurde bekannt, dass sie wegen ihres stark verschlechterten Zustandes auf die Warteliste für eine Lungentransplantation gekommen ist.
Mit Material der Nachrichtenagenturen Reuters und dpa
