Mr. James, hätten Sie sich je träumen lassen, zu diesem Zeitpunkt Ihrer Karriere noch mal die Hauptrolle in einer romantischen Komödie wie „Solo Mio“, die jetzt im Kino läuft, zu spielen?
Mit 60 Jahren? Das hätte ich mir im Leben nicht vorstellen können. Aber ich liebe das Rom-Com-Genre, deswegen bin ich unglaublich happy über diese Gelegenheit. Mein allererster Kinofilm „Hitch – Der Date-Doktor“ war auch schon eine romantische Komödie, und überhaupt bin ich Fan von Filmen wie „Pretty Woman“. Heute gibt es solche Geschichten ja leider nicht mehr so oft im Kino zu sehen, deswegen war ich umso begeisterter, dass „Solo Mio“ in den USA durchaus gut gelaufen ist.
War das Projekt Ihre Idee?
Sagen wir es mal so: Meine Mitstreiter fragten mich, wo ich meinen nächsten Film drehen will. Und weil ich gerade mit meiner Familie einen wunderbaren Urlaub in Rom verbracht hatte, kam mir der Gedanke, dass ein Dreh in Italien doch etwas Nettes sein könnte. Davon ausgehend, haben wir dann eine Idee entwickelt für eine Geschichte über die Liebe, die Spaß macht und bei der das Publikum mitgehen würde. So kamen wir darauf, dass unser Held seiner Freundin in Rom das Ja-Wort geben will, dann aber am Altar sitzen gelassen wird.
Was gefiel Ihnen denn an der Ewigen Stadt so gut?
Wo soll ich anfangen? Das Essen, die Kultur, die Kirchen! Den Vatikan zu sehen, war für mich etwas sehr Besonderes. Aber ganz allgemein dieses Nebeneinander von alt und neu, hier das Kolosseum und dort die schicken Modegeschäfte. Jeden Abend Wein trinken und italienischen Liedern lauschen – das hätte für mich noch ewig weitergehen können. Ganz zu schweigen davon, dass die Menschen dort einfach phantastisch sind. Wir haben mit einer italienischen Crew gedreht, was ein Segen war. Und dass wir Nicole Grimaudo für die weibliche Hauptrolle fanden, erwies sich als echter Glücksgriff.
Die Chemie zwischen Ihnen beiden ist für eine romantische Komödie natürlich entscheidend. Was macht das Genre für Sie noch aus?
Geschichten, die im Kern darum gehen, ob zwei Menschen zusammenkommen oder nicht, sind natürlich nichts Neues und schon Hunderte Male erzählt worden. Deswegen brauchen solche Filme im Idealfall einen irgendwie neuen Ansatz und eine gewisse Portion Drama, die sie zu mehr machen als bloß zu einer Komödie. Am Ende steht und fällt vermutlich alles mit den Figuren. Wenn sich auch das Publikum in diese beiden verliebt, dann ist man auf der sicheren Seite.
Wenn Sie – wie bei „Solo Mio“ – nicht nur Hauptdarsteller, sondern auch Ko-Autor und Mit-Produzent sind, ist die Verantwortung fürs Gelingen des Projekts natürlich deutlich größer!
Stimmt, und das kann stressig sein. Aber letztlich ist mir das so fast lieber, als wenn ich bloß als Schauspieler vor der Kamera stehen würde. Denn wenn dann etwas schiefgeht bei einer Produktion, ist man ziemlich machtlos. Wenn man noch ein paar mehr Fäden in der Hand hält, kann man zumindest sein Bestes tun, die Sache zu retten. Wobei das in diesem Fall zum Glück gar nicht nötig war.
Mit Andrea Bocelli und Ed Sheeran tauchen gleich zwei berühmte Sänger in „Solo Mio“ auf. Wie kam es dazu?
Bocelli ist einfach der Größte! Ich konnte mir keinen Film vorstellen, der in Italien spielt, und nicht irgendwie auch mit Andrea Bocelli zu tun hat. Wir waren uns mal bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung für eine seiner Stiftungen begegnet, daher kannte ich ihn ein wenig. Den Wunsch, einmal mit ihm zu arbeiten, hatte ich also schon länger, aber Andrea übertraf dann all meine Erwartungen. Er ließ uns sogar im Haus seiner Kindheit drehen. Wobei ich mich noch bei ihm entschuldigen muss: Gemeinsam mit ihm zu singen, das hätte ich ihm nicht antun dürfen.
Und Ed Sheeran? Ist das jemand, den Sie selbst gern hören, oder eher Ihre Kinder?
Sowohl als auch! Wir waren schon alle zusammen bei einem Sheeran-Konzert. „Photograph“ oder „Perfect“ sind in meinen Augen ikonische Popsongs und wie gemacht für eine romantische Komödie. Das Ende des Films haben wir wirklich um diese Lieder herum konstruiert. Ed ist einfach ein cooler Typ, den finde ich richtig gut.

Apropos ikonisch: Ihre legendärste Schöpfung ist bis heute die Sitcom „King of Queens“, die kaum irgendwo so beliebt war wie in Deutschland. Wie mühsam ist es, auch fast 20 Jahre nach deren Ende noch damit assoziiert zu werden?
Ich fürchte mich jetzt schon vor dem Tag, an dem mich niemand mehr auf „King of Queens“ ansprechen wird. Bis heute kann ich nicht fassen, wie erfolgreich diese Serie war. Und gerade den deutschen Fans bin ich für ihre Liebe unendlich dankbar. Mindestens so sehr wie dem Mann, der meine deutsche Stimme war, denn der hat einen großartigen Job gemacht.
Aber wenn man auch andere Rollen spielen will, kann es doch auch ein Fluch sein, in einer solchen Schublade festzustecken, oder?
Klar, das ist manchmal kniffelig. Man freut sich darüber, dass die Zuschauer eine Figur so sehr lieben, aber als Schauspieler will man natürlich auch Rollen spielen, die damit nichts zu tun haben. Insgesamt ist mir das aber ganz gut gelungen, denke ich. Deswegen habe ich auf „King of Queens“ nie etwas kommen lassen.
Viele erfolgreiche Serien aus den Neunzigerjahren werden gerade zu neuem Leben erweckt. Könnten Sie sich das für „King of Queens“ auch vorstellen?
Eigentlich würde ich nichts lieber tun, als die Serie noch einmal zurück auf den Bildschirm zu bringen. Und wir hätten das auch schon längst gemacht, wäre nicht Jerry Stiller gestorben, der darin meinen Schwiegervater spielte. Jerry war einzigartig und unersetzbar. Ohne ihn kann ich mir „King of Queens“ einfach nicht vorstellen.
Haben Sie den Eindruck, dass sich unser Humorverständnis sehr verändert hat in den 35 Jahren, die Sie inzwischen als Komiker unterwegs sind?
Ach, ich glaube, dass ein guter Witz immer noch ein guter Witz ist. Das Drumherum verändert sich immer, es gibt neue Themen, und es entstehen neue Konventionen. Auch die Art und Weise, wie Witze erzählt werden, ist immer im Fluss. Aber wenn ein Witz funktioniert, wenn er uns unvermittelt trifft und vielleicht den Horizont erweitert oder alte Vorstellungen aufbricht, dann tut er das heute genauso wie früher. Es ist ja nicht so, dass die Leute heutzutage plötzlich keinen Humor mehr haben.
Lassen Sie uns zum Abschluss noch einmal den Bogen zurück zur Liebe schlagen. Sie und Ihre Frau Steffiana feiern dieser Tage den 22. Hochzeitstag und haben vier gemeinsame Kinder. Was ist das Geheimnis für eine lange, glückliche Beziehung?
Puh, gute Frage. In jeder Beziehung gibt es ja Aufs und Abs, und jedes Paar ist anders. Aber meine Antwort lautet ganz schlicht: Gott. Wir zumindest wären als Ehepaar heute nicht so glücklich, wie wir es sind, wenn wir nicht Gott in unserem Leben hätten.
