
Die Europäische Raumfahrtagentur ESA hat Grund zum Jubeln. Erstmals wird Europa mit einem eigenen Astronauten am Mondprogramm Artemis der NASA teilnehmen. In dieser Woche ernannte die amerikanische Raumfahrtbehörde Luca Parmitano als Mitglied der vierköpfigen Crew der Artemis-III-Mission. Der 49 Jahre alte Italiener wird als Pilot neben dem amerikanischen Astronauten und Kommandanten Randy Bresnik sowie den beiden Missionsspezialisten Frank Rubio und Andre Douglas in dem Raumschiff Orion sitzen, das im kommenden Jahr startet und in der Erdumlaufbahn zwei Wochen lang Andockmanöver mit zwei Mondlandefähren erproben soll. Verlaufen die Rendezvous während der Artemis-III-Mission erfolgreich, ist der Weg frei für eine Landung auf dem Mond. Was laut NASA frühstens in zwei Jahren der Fall sein könnte.
Neben Parmitano waren für die Artemis-III-Mission auch die deutschen ESA-Astronauten Alexander Gerst und Matthias Maurer im Gespräch. Die NASA entschied sich für den 49 Jahre alten ESA-Astronauten als Piloten, weil er der Einzige im europäischen Astronauten-Corps ist, der über eine einschlägige Erfahrung als Testpilot verfügt. Während seiner Zeit in der italienischen Luftwaffe flog Parmitano mehr als 40 Flugzeugtypen. Diese Expertise könnte ihm bei den kniffligen An- und Abdockmanövern in der Erdumlaufbahn zugutekommen.
Kühler Kopf zeigt Emotionen
Hinzu kommt Parmitanos Laufbahn als europäischer Astronaut, die vor 17 Jahren begann. Er flog für die ESA im Jahr 2013 und 2020 zur Internationalen Raumstation ISS, wo er insgesamt 366 Tage in 400 Kilometer Höhe verbrachte. Er absolvierte dabei insgesamt sechs Außenbordeinsätze, bei denen er 30 Stunden lang im All schwebte, gesichert nur an einer Versorgungsleitung. Während seines letzten Aufenthalts übernahm er das Kommando des Außenpostens.
Dass Parmitano, der am 27. September 1976 in Paternò auf Sizilien geboren wurde, in brenzligen Situationen einen kühlen Kopf bewahrt, hat er oft bewiesen, zuletzt im Jahr 2013, als bei seinem zweiten Weltraumspaziergang aufgrund eines defekten Filters der Helm mit Wasser volllief. Er brach den Außeneinsatz ab und kehrte zurück in die Station. Das Wasser gelangte in Augen, Ohren und Nase, aber Parmitano verlor nicht die Nerven.
Aber in Parmitano steckt auch ein weicher Kern. So stockte ihm für einen kurzen Moment die Stimme, als er sich nach der Bekanntgabe seiner Nominierung für Artemis III am Johnson Space Center in Houston auch bei seiner Frau und seinen Kindern bedankte. „Ihr seid die Energie, die meine Seele nährt, und eure Liebe ist der Funke, der jede Leidenschaft entfacht. Danke, Grazie!“
Dass ESA-Astronauten überhaupt die Möglichkeit bekommen, Teil der amerikanischen Mondmission zu werden, ist dem Umstand zu verdanken, dass Europa die Servicemodule für die Orion-Raumschiffe baut und liefert. Diese versorgen die Crews mit Wasser, Luft und allem weiteren Lebensnotwendigen. Schon in den Missionen Artemis-IV oder -V könnten Alexander Gerst oder Matthias Maurer mit an Bord der Orion sein.
