In diesen Wochen braucht es nicht viel, um in der National Basketball Association daran erinnert zu werden, dass am Persischen Golf Krieg herrscht. Und mehrere Länder sind betroffen. Zwar regnen die Bomben und Raketen der amerikanischen und israelischen Streitkräfte auf Ziele in Iran herab. Aber dort wehrt man sich – taktisch asymmetrisch – mit Angriffen auf Ziele in mehreren Nachbarstaaten. Betroffen unter anderem: der Flughafen von Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Hafenanlagen in Abu Dhabi. Kurioserweise sind dies genau die Namen, die NBA-Schiedsrichter zu Werbezwecken auf ihren Hemden und die Basketballer der New York Knicks als Werbeaufnäher auf ihren Trikots tragen.
Als der Kriegsherr Donald Trump am Montagabend zum dritten Spiel der Finalserie der Knicks gegen die San Antonio Spurs wie angekündigt im Madison Square Garden eintraf, dachten die meisten der 20.000 Knicks-Fans in der Halle sicher gar nicht über solche Zusammenhänge nach. Es genügte ihnen, den Mann persönlich auf dem riesigen Videowürfel unter dem Dach während des Absingens der Nationalhymne zu sehen, um einen ohrenbetäubenden Chor aus Buhrufen anzustimmen. Die Abneigung ist intensiv und wurde live Millionen von Amerikanern zu Hause auf ihren Bildschirmen serviert, die die Übertragung des Fernsehsenders ABC verfolgten.
Getrübte Stimmung bereits vor dem Spiel
Der aktuelle Unmut war vor allem von jener Frustration gespeist worden, die sich die Zuschauer eingehandelt hatten, nachdem sie seinetwegen genötigt worden waren, sich stundenlang durch die peniblen Einlasskontrollen zu quälen. Und die stellvertretend die Stimmung von Zigtausenden wiedergaben, die aufgrund einer weiträumigen Blockade der Zone rings um die Arena vertrieben worden waren und nicht wie gewohnt zu einer Watch Party gleich neben der Arena zusammenkommen konnten.
Die Freude rund um die Knicks ist in diesem Jahr besonders groß. Das Team hatte zum letzten Mal 1973 den NBA-Titel gewonnen und trotz enormer Investitionen von Teambesitzer James Dolan in die Gagen von Spielern und Trainern seit den Neunzigerjahren nicht mehr die Finalserie erreicht. Dass der geborene New Yorker Trump, der schon bei anderen Sportveranstaltungen in verschiedenen Teilen des Landes ausgebuht worden war, sein Interesse an dem Team wiederentdeckt hat, nachdem die Knicks in der Finalserie gegen die Spurs mit zwei Siegen in Führung gegangen waren, nötigt loyalen Basketballfans keinen Respekt ab. Die BBC zitierte in einem Bericht auf ihrer Website einen von ihnen, der Trump mit den für ihn aufgebotenen Sicherheitsmaßnahmen dafür verantwortlich machte, „den Vibe der Knicks abzumurksen“.
Viel Erfahrung mit Trumps narzisstischem Gehabe
Kein anderer Teil der Vereinigten Staaten hat so viel Erfahrung mit dem narzisstischen Gehabe von Trump und verfügt über entsprechend starke Antipathien. Hier hatte man seine Karriere als Immobilieninvestor, der seinen Namen auf Gebäude in seinem Besitz pflanzt, und als notorischen Pleitier aus nächster Nähe erlebt, aber das in den letzten Jahren verdrängt. Jetzt erinnerten sich die lokalen Medien daran, dass er einst als Teil seiner PR-Arbeit in eigener Sache häufiger Knicks-Heimspiele besucht hatte. Dort saß er am liebsten auf einem der Stühle unmittelbar am Spielfeldrand, um von den Fotografen der Klatschpresse abgelichtet zu werden.
Nach Ansicht von „New York Magazine“ war er schon damals „das Paradebeispiel für einen prominenten Mitläufer“, der sich vor allem dann blicken lässt, wenn die Mannschaft Erfolg hat.
Was am Montag nicht der Fall war. Das Team verlor die Begegnung gegen die Spurs 111:115 und wirkte nach 13-Play-off-Siegen in Folge erstmals nicht so durchschlagskräftig wie in den vorherigen Wochen.
Trump bringt seinen favorisierten Teams kein Glück
Natürlich hatten einige dafür als Erklärung den sogenannten „Trump-Fluch“ zur Hand. So hatte er auf dem Weg zum Super Bowl 2025 einen Sieg der von vielen favorisierten Kansas City Chiefs prognostiziert. Das Spiel gewannen die Philadelphia Eagles. Als er vor dem Endspiel des Vier-Nationen-Eishockeyturniers im Frühjahr des vergangenen Jahres die amerikanische Mannschaft mit einem Anruf anzufeuern versuchte, verlor das Team gegen die hoch motivierten Kanadier in der Verlängerung. Sein Abstecher zum Ryder Cup im letzten September brachte den amerikanischen Golfern ebenfalls kein Glück. Sie fielen weit zurück und konnten die Niederlage trotz einer eindrucksvollen Aufholjagd am entscheidenden dritten Tag nur kosmetisch verschönern.
Am Montag war er nach einem Helikopterflug aus New Jersey kommend in Manhattan gelandet und mit seiner Entourage in einem Konvoi zur Arena gefahren. Reporter, die ihn begleiteten, sahen New Yorker, die ihm den Stinkefinger zeigten und Schrifttafeln mit Texten wie „Trump muss weg“ hochhielten.
Das war er dann auch bald wieder. Und zwar gleich nach Spielschluss. Von den Buhrufen will der Präsident auch nichts bemerkt haben, lobte stattdessen die tolle Atmosphäre im Stadion in einem Interview. Das Wichtigste an der Aktion hatte ohnehin nichts mit dem Spiel selbst zu tun. Das war ein persönliches Dankeschön für James Dolan. Der hatte Trump in den letzten drei Präsidentschaftswahlkämpfen umgerechnet rund eine Million Euro gespendet und ihm die Arena für eine große Veranstaltung vor der Wahl 2024 überlassen.
