Die Foo Fighters sind eine Band, die aus dem Tod geboren wurde. Hätte sich Nirvana-Frontmann Kurt Cobain 1994 nicht das Leben genommen, hätte Nirvana-Schlagzeuger Dave Grohl vielleicht nie im Alleingang seine eigenen Songs aufgenommen und schließlich unter dem Namen Foo Fighters herausgebracht. Mit der gleichnamigen Platte und Stücken wie „This Is a Call“ oder „I’ll stick around“ legte Grohl vor nunmehr 31 Jahren den Grundstein für jene Band, die schon seit einiger Zeit verlässlich die größten Stadien dieser Welt füllt.
Die Foo Fighters selbst hätte aber ein Tod vor wenigen Jahren komplett zerstören können. Nach einem Konzert im Frühjahr 2022 wurde der Schlagzeuger Taylor Hawkins mit einer Mischung aus Drogen und Medikamenten im Blut leblos in einem Hotel in Bogotá aufgefunden. Mit Hawkins verlor die Band nicht nur ihren Rhythmusgeber, sondern vor allem Grohl einen Seelenverwandten. Es wäre also nicht verwunderlich gewesen, wenn dieser Verlust das Ende der Band bedeutet hätte. Hat er aber nicht. Stattdessen haben die Foo Fighters nun das zweite Album der Post-Hawkins-Ära herausgebracht.
Es sei nun eine andere Band, sagt Grohl
Während der Plan, das dann schließlich 2023 erschienene „But Here We Are“ zu machen, noch mit Hawkins gefasst wurde, ist „Your Favorite Toy“ nun gänzlich ohne ihn entstanden. Wobei Dave Grohl nicht müde wird zu betonen, dass der Schlagzeuger im Geiste immer noch bei allem dabei sei, was die Band so anpacke – auch wenn inzwischen der frühere Nine-Inch-Nails-Drummer Ilan Rubin hinter den Trommeln sitzt.
Grohl hat aber auch gesagt, die Foo Fighters seien ohne Hawkins eine andere Band. Und das hört man auf „Your Favorite Toy“ nun anders als auf „But Here We Are“ ganz deutlich. Auch wenn Superlative immer ein Geschmäckle haben, hier sind sie mal angebracht: Es ist das komplexeste, frischeste und überraschendste Foo-Fighters-Album seit dem nun auch auch schon fast 20 Jahre alten „Echoes, Silence, Patience & Grace“.
Zwischen Britpop und Metal
Vor allem ist es ein Ritt durch die Geschichte der harten Gitarrenmusik der vergangenen knapp fünf Jahrzehnte: Die Foo Fighters bedienen sich in den zehn Songs an vielen Stilrichtungen, von Punk bis Hardcore, von Britpop bis Achtzigerjahre-Gitarrenpop und ganz am Ende sogar an Metal. Diese Anleihen sorgen dafür, dass sich die Band neu findet und erfindet. Denn die Rückgriffe tun ihr gut, auch wenn das neue Album deutlich sperriger daherkommt als die letzten Veröffentlichungen. Bei manchen Songs erschließt sich der Reiz erst im zweiten oder dritten Durchlauf. Der eine Riesenhit lässt sich auch nicht gleich ausmachen.

Auf der anderen Seite war die Überband Foo Fighters womöglich auch schon einen Tick zu lang im blankgewienerten Stadionrock unterwegs, und sich dauerhaft selbst zu kopieren, muss doch irgendwann in Langweile enden – bei den Musikern selbst, aber auch bei Fans. Ganz untreu sind sich die Foo Fighters aber nicht geworden. Das liegt zum einen an Grohl, dessen Stimme nach wie vor zwischen Singen und Schreien changiert. Es zeigt sich aber auch am nicht verlorengegangenen Talent zur großen musikalischen Geste.
Exemplarisch verdeutlicht dies der Titel „Caught In The Echo“. Gleich zu Beginn übernimmt die Gitarre mit einem markanten Riff die Kontrolle über den Song und lockt auf eine falsche rhythmische Fährte. Nach dem schon etwas eingängigeren Refrain erfolgt mittendrin dann ein Bruch, und das Stück biegt in eine völlig andere Richtung ab, um im großen Finale zu enden. Und das dürfte sich dann doch auch auf großen Bühnen gut machen – so ganz vom Stadionrock mit Mitgrölgarantie lassen wollen die Foo Fighters offensichtlich nicht. In eine ähnliche Kategorie fallen „If I Only Knew“ oder „Child Actor“.
Spannend bleibt die Frage, wie viel vom neuen Album auf der anstehenden Tour zu hören sein wird, die auch im Berliner Olympiastadion haltmacht. Zu viele Hits haben die Foo Fighters Jahrzehnten hervorgebracht, und nicht wenige Fans werden jeden einzelnen von ihnen vehement einfordern – das Verlangen nach Nostalgie ist dann doch häufig größer als der Überdruss. Mit Blick auf „Your Favorite Toy“ wäre aber zu hoffen, dass die Band den Mut hat, große Teile davon ebenfalls auf der Setliste unterzubringen.
Foo Fighters: „Your Favorite Toy“. Sony Music
