
Der Respekt nimmt ab: eine Erfahrung, die auch Bahn-Mitarbeiter bestätigen. Wie Polizisten und Rettungskräfte erleben sie, dass die Uniform keinen Schutz bietet, sondern von manchen offenbar geradezu als Provokation gesehen wird. Nicht immer stimmt dabei das Bild, das man bei dieser Klage im Kopf hat. Einmal habe er eine Situation falsch eingeschätzt, berichtete am Montag ein Zugbegleiter. Ein Mann „60 plus“ ohne Fahrschein habe sich nicht ausweisen wollen und ihm einen Faustschlag versetzt.
Absolute Sicherheit kann es nicht geben, doch die Gefahr der Eskalation lässt sich deutlich verringern. Wenn Zugbegleiter zu zweit sind, steigt nicht nur die Hemmschwelle für Angreifer. Auch die Bahn-Mitarbeiter selbst können sich von vornherein sicherer fühlen und treten womöglich selbstbewusster auf. Doch gerade dieses Beispiel zeigt, dass mehr Sicherheit eine Kostenfrage ist.
Anfang des Jahres hat die Bahn angekündigt, die Zahl der 4000 Sicherheitskräfte in den Bahnhöfen um 200 zu erhöhen. Wenn künftig jedoch ein großer Teil der 5300 DB-Regio-Mitarbeiter in den Zügen zu zweit unterwegs sein soll, geht es um ganz andere Zahlen. Der Betriebsratsvorsitzende von DB Regio fordert daher einen eigenen Finanztopf, damit die Ausgaben für Sicherheit nicht zu Kürzungen bei den Verkehrsleistungen führen. Das allerdings könnte ein frommer Wunsch bleiben, wenn etwa mehr Personal und technische Ausstattung in den Ausschreibungen festgelegt werden sollten. Das wird den Preis für den Nahverkehr weiter erhöhen.
Schon deshalb werden auch technische Lösungen eine große Rolle spielen. Die Bodycams der Zugbegleiter sind so konstruiert, dass sich das Gegenüber auf einem kleinen Monitor sieht. Womöglich hält diese Art von Selfie manchen Aggressor von seiner Tat ab. Das wird aber vor allem dann der Fall sein, wenn er auch die Konsequenzen fürchten muss. Gleiches gilt für die Aufnahmen der Kameras in Zügen und Bussen. Sie können nur dann abschrecken, wenn klar ist, dass die Strafe auf dem Fuß folgt. Doch diese lässt oft lange auf sich warten.
Dass ein einzelner Täter ohne Hemmungen und unvermittelt zuschlägt, lässt sich mit keiner Technik verhindern. Sie kann aber dazu beitragen, dass die Zugbegleiter mit einem besseren Gefühl zur Arbeit gehen. Sie würden das vermutlich auch, wenn sie wüssten, dass sie nicht allein sind. Indem ihnen die übrigen Fahrgäste mit Fahrschein vermitteln, dass sie bei Übergriffen nicht einfach wegsehen.
