
Es war Montagnachmittag, als Bartosz K. und Zolmai K. am 18. Mai durch die Innenstadt von Görlitz streiften und nach Diebesgut suchten. Der 27 Jahre alte Pole und der 33 Jahre alte Afghane interessierten sich laut der Polizei für Fahrräder und Schrott – aber auch für Buntmetalle, also zum Beispiel Kupferleitungen.
Immer wieder versuchten Bartosz K. und Zolmai K. an diesem Nachmittag, Haustüren in der Görlitzer Innenstadt zu öffnen, um in Flure oder Keller zu gelangen – in der James-von-Moltke-Straße 21 schafften sie es schließlich. Sie verschwanden in dem Mehrfamilienhaus. Was sie dort genau machten, ist unklar. Sicher ist aber, dass dieses Haus wenig später, am 18. Mai gegen 17 Uhr, explodierte. Tagelang wurde danach nach Überlebenden gesucht, zwei Touristinnen aus Rumänien und ein 48 Jahre alter Bulgare konnten nur noch tot geborgen werden.
Drei Wochen später haben die Staatsanwaltschaft und die Polizei Görlitz am Sonntagabend mitgeteilt, dass gegen die beiden mutmaßlichen Buntmetalldiebe wegen des Verdachts des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion mit Todesfolge in Tateinheit mit fahrlässiger Tötung ermittelt werde. Zur Erfüllung dieses Tatbestandes komme es „rein auf den physikalischen Vorgang der Explosion an“, er könne also auch bei Gasexplosionen erfüllt sein. Der Verdacht ist, dass die Männer Rohrleitungen in dem Gebäude „beschädigt und/oder manipuliert“ haben.
Kellerräume konnten noch nicht begangen werden
Zur Festnahme der Verdächtigen haben laut der Polizei die Ermittlungen in diesem Fall geführt. Allerdings säßen sie nun „nicht wegen der hier verfahrensgegenständlichen Tat“ in Untersuchungshaft, sondern „in anderer Sache“. Das könnte daran liegen, dass die Beweisaufnahme in einem völlig zerstörten Gebäude schwierig ist. Die Kellerräume – oder das, was davon übrig ist – konnten bisher noch gar nicht begangen werden.
Deswegen setzen die Ermittler jetzt auf Hinweise aus der Bevölkerung oder Aufnahmen aus Überwachungskameras, die mehr über das Verhalten der Verdächtigen an diesem Tag verraten. Zeugen müsste es eigentlich geben: Die James-von-Moltke-Straße ist viel befahren, sie verbindet das Stadtzentrum von Görlitz mit den südlich gelegenen Stadtteilen. In der Nähe des eingestürzten Hauses befindet sich außerdem eine Bushaltestelle.
In der MDR-Sendung „Kripo Live“ wurden am Sonntag bereits Bilder aus Überwachungskameras gezeigt, die Zolmai K. wenige Stunden nach der Explosion an zwei verschiedenen Stellen in Görlitz zeigen: Er fuhr im Dunkeln auf einem Fahrrad durch Görlitz, hatte ein Fahrradschloss um den Hals, einmal trug er Brille und Kappe, auf einem anderen Bild nur noch die Kappe. Von Bartosz K. gibt es keine entsprechenden Aufnahmen.
Für hilfreiche Hinweise wurden 5000 Euro ausgelobt
Die Ermittler haben aber Fotos von beiden Männern und Personenbeschreibungen veröffentlicht. Sie weisen auch darauf hin, dass die Verdächtigen die Grenze nach Polen überschritten haben könnten. Görlitz liegt direkt neben der polnischen Stadt Zgorzelec. Für Hinweise, die zur Verurteilung der Täter führen, wurde eine Belohnung von 5000 Euro ausgelobt.
Wie die Polizei am Montagnachmittag mitteilte, war Zolmai K. bereits am 21. Mai festgenommen worden, Bartosz K. erst am 29. Mai. Die Ermittler fragen in ihrem Fahndungsaufruf, wer zwischen dem 18. und 29. Mai 2026 Kontakt zu den Verdächtigen hatte. Die Haftbefehle wurden demnach wegen Eigentumsdelikten erlassen. Möglich waren sie nach Angaben der Ermittler auch, weil „die beiden Beschuldigten ohne festen bzw. gemeldeten Wohnsitz sind bzw. waren“. Fragen zum Aufenthaltsstatus des afghanischen Verdächtigen beantwortete die Polizei bislang nicht.
