
Nicht mal ein Hotdog sei für 4,50 Dollar an den meisten Spielorten der Fußball-Weltmeisterschaft in Nordamerika zu bekommen, klagt Willie Walsh, der Präsident des Weltluftfahrtverbands IATA. Ihm geht es dabei aber nicht um Imbisspreise in Stadien, sondern um die Luftfahrt. Denn auf ebendiese 4,50 Dollar sinke der Betrag, den eine Airline in diesem Jahr im Durchschnitt an einem Passagier verdiene. Ursprünglich war der Verband von höheren Profiten ausgegangen, dann kamen der Irankrieg und dessen Auswirkungen auf Kerosinpreise dazwischen. Walsh hat die Gewinnprognose für die Branche deshalb auf der Jahrestagung der Internationalen Luftverkehrs-Vereinigung (IATA) in Rio de Janeiro halbiert.
Die Fluggesellschaften der Welt werden demnach in diesem Jahr in Summe 23 Milliarden Dollar statt 45 Milliarden Dollar im Vorjahr verdienen, obwohl die Umsätze um 9,4 Prozent auf fast 1,2 Billionen Dollar steigen. Doch der Kerosinpreis liegt um 70 Prozent höher, und für die nicht durch Hedging-Kontrakte abgesicherten Mengen müssen Fluggesellschaften den höheren Preis direkt zahlen. Der Verband kalkuliert damit, dass Airlines in diesem Jahr 350 Milliarden Dollar für Treibstoff ausgeben. 2025 waren es 252 Milliarden Dollar. „Ein Teil der Mehrkosten wird zwar durch Preisanpassungen und Effizienzsteigerungen aufgefangen, doch dies reicht nicht aus, um die Rentabilität auf dem Niveau des Vorjahres zu halten“, sagt Walsh.
Laut IATA-Prognose können die Fluggesellschaften durch Ticketverkäufe im laufenden Jahr mit 9,2 Prozent mehr Einnahmen von ihren Passagieren rechnen. Durchschnittspreise legen um sieben Prozent zu. Auch die Zahl der Reisenden steigt, was zu einer Auslastung der Flüge von 84 Prozent führen soll, womit ein Rekord erreicht würde.
Dass teures Kerosin die Branche nicht insgesamt in die Verluste stürzt, wertet Walsh als Zeichen für deren „Widerstandsfähigkeit“. Es bleibe aber „kaum noch ein Puffer für den Fall, dass weitere Kosten oder Steuern steigen“. Europa kommt im IATA-Ausblick kurzfristig besser weg, der Gewinn je Passagier soll mit 7,50 Dollar deutlich über dem globalen Mittel liegen. Europäische Airlines profitierten zuletzt davon, dass Reisende mehr Direktflüge nach Asien anstelle von Umstiegen am Persischen Golf gebucht hätten.
Außerdem zahlt es sich aus, dass in Europa eine stärkere Absicherung gegen Kerosinpreisschwankungen üblich ist. Laut IATA haben Gesellschaften in Europa für 70 Prozent ihres diesjährigen Treibstoffbedarfs Hedging-Kontakte abgeschlossen, in anderen Weltregionen wurde teils nur ein Drittel des Bedarfs abgesichert. Allerdings mahnt der Verband für Europa: „Höhere Kosten werden sich niederschlagen, sobald die Absicherungsgeschäfte auslaufen.“
