Der Nachrücker für Pechvogel Lennart Karl war schon im WM-Camp angekommen, als seine Nationalmannschafts-Kollegen noch in Chicago einen letzten freien Tag vor dem Turnierstart genossen. Nach seiner überraschenden Nachnominierung kam Assan Ouédraogo schon am Sonntag in Winston-Salem an und checkte vor allen anderen im «The Graylyn Estate» ein.
Mit einem herzlichen «Welcome to Graylyn» wurde der 20-Jährige in dem feudalen Teamhotel empfangen. Später wurde der Fußball-Profi von RB Leipzig in einem Golfcart über die weitläufige Anlage chauffiert, die der komplette DFB-Tross um Bundestrainer Julian Nagelsmann erst heute beziehen wird.
Warum Ouédraogo? Und nicht El Mala?
Warum Ouédraogo? Und warum nicht einer wie der Kölner Shootingstar Said El Mala? Diese Fragen stellten sich viele Fans – und auch Experten. «Ja, es war auch für mich überraschend. Aber Julian Nagelsmann hat sich ganz sicher etwas dabei gedacht», sagte etwa Rekordnationalspieler Lothar Matthäus.
Wer die Fußball-Bundesliga nicht intensiv verfolgt, könnte sogar gerätselt haben: Assan, wer? Ouédraogo wurde ja durchaus selbst überrascht vom Anruf des Bundestrainers, der ihn kurz nach der Oberschenkelverletzung von Bayern-Youngster Karl im Spanien-Urlaub kontaktierte. «Als Julian Nagelsmann mir gesagt hat, dass ich nun dabei bin, musste ich den Moment erst einmal kurz verarbeiten und realisieren, bevor ich direkt meine Sachen gepackt habe», schilderte Ouédraogo den besonderen Moment in Marbella.
Sachen packen, Flugzeug in die USA besteigen, WM statt Urlaub – so schnell kann es gehen im Fußball-Business. «Es ist eine Riesenehre und macht mich sehr stolz, Deutschland bei der WM mitzuvertreten», sagte der Youngster.
Logische Wahl des Karl-Nachrückers für den Bundestrainer
Der Bundestrainer entschied sich nicht für einen naheliegenden Karl-Ersatz in Person des 19-jährigen El Mala oder des schon erprobten Stuttgarters Chris Führich. Sondern für Nagelsmann war die Wahl eindeutig. «Wir wollten unbedingt einen jungen Spieler mitnehmen und haben uns für den entschieden, der bei uns mit Lenny zusammen den besten Eindruck hinterlassen hat.»
Gemeint war Ouédraogo, der mit seinem Tempo, seiner Technik und seiner Power besticht, die er in der Offensive zentral und außen einbringen kann. Für ihn sprach dazu, dass er nach der Bundesliga-Saison noch mit seinem Verein auf einer Südafrika-Reise unterwegs war, inklusive Spiel. «Er ist total im Saft und im Rhythmus», erklärte Nagelsmann.
Die Nationalelf ist auch kein Neuland für den 1,92 Meter großen Profi, der beim FC Schalke 04 ausgebildet wurde und 2024 den nächsten Karriereschritt mit dem Wechsel nach Leipzig vollzog. Im letzten WM-Qualifikationsspiel gegen die Slowakei im vergangenen November feierte er ein 14-Minuten-Debüt, bei dem ihm im Leipziger Heimstadion prompt das Tor zum 6:0-Endstand glückte.
Tor beim Länderspiel-Debüt – Nummer 25 von Karl
Als Joker taugt er also schon mal. Das tolle Debüt sollte damals sein WM-Startschuss sein. Doch Ouédraogo hat in jungen Jahren auch schon viel Pech mit Verletzungen gehabt. Im WM-Jahr bremste ihn eine Blessur am Knie länger aus. Drum kann er mitfühlen mit Lennart Karl («Es tut mir sehr leid für ihn»), von dem er neben dem Kaderplatz auch die Trikotnummer 25 übernimmt.
Vielleicht kann Ouédraogo bei seinem WM-Traum Karl nacheifern. «Mit Assan bekommen wir einen Spieler dazu, der ähnlich wie Lenny einen klasse Einstand bei uns hatte», sagte Nagelsmann: «Er ist ebenfalls hochtalentiert und soll hier mutig und unbeschwert aufspielen.» Erster im WM-Camp war er schon mal.
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