Wenn an diesem Donnerstag die Fußballweltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada beginnt, werden in Deutschland vielerorts Fußballfans gemeinsam die Spiele verfolgen. Anders als bei der Heim-Europameisterschaft 2024 wird es jedoch beispielsweise in Frankfurt keine zentrale Fanzone in der Innenstadt mit riesigen Leinwänden geben. Stattdessen wird es Public-Viewing-Angebote in Gastronomiebetrieben, auf Veranstaltungsflächen oder im Deutsche-Bank-Park geben.
Das Eröffnungsspiel zwischen Mexiko und Südafrika wird am 11. Juni um 21 Uhr deutscher Zeit in Mexiko-Stadt angepfiffen. Das Finale steht am 19. Juli zur gleichen Anfangszeit in New Jersey an. Da die Spielorte in verschiedenen Zeitzonen liegen, werden die restlichen Partien in Deutschland zu sehr unterschiedlichen Uhrzeiten angepfiffen. Insgesamt wird es während des Turniers mehr als ein Dutzend verschiedene Anstoßzeiten geben. Der früheste Anpfiff erfolgt aufgrund der Zeitverschiebung von sechs Stunden zur amerikanischen Ostküste um 18 Uhr deutscher Zeit, der späteste um 6 Uhr morgens, wenn es an der Westküste des Ausrichterkontinents 21 Uhr am Vorabend ist.
Für die deutsche Nationalmannschaft beginnt das Turnier am Sonntag (19 Uhr MESZ) mit dem Gruppenspiel gegen Curaçao in Houston. Es folgen Begegnungen mit dem Team der Elfenbeinküste am 20. Juni in Toronto (22 Uhr) sowie gegen Ecuador am 25. Juni in New Jersey (22 Uhr). Die weiteren Spieltermine hängen vom Abschneiden des Teams in der Gruppenphase ab.
Allgemeinverfügung entlastet Gastronomen
Die Anstoßzeiten stellen Städte, Gastronomen und Veranstalter vor besondere Herausforderungen auch bei den deutschen Vorrundenspielen, weil sie eigentlich die nächtlichen Ruhezeiten stören würden. Um öffentliche Übertragungen dennoch zu ermöglichen, hat die Bundesregierung eine Sonderverordnung beschlossen. Sie schafft während der Weltmeisterschaft Ausnahmen von den üblichen Lärmschutzregelungen.
Das Land Hessen unterstützt die bundesweite Sonderregelung ausdrücklich und verweist auf die besondere gesellschaftliche Bedeutung großer Fußballturniere. Gemeinsame Übertragungen stärkten das Gemeinschaftsgefühl. Gleichzeitig müsse ein Ausgleich zwischen dem öffentlichen Interesse und dem Ruhebedürfnis der Anwohner geschaffen werden.
Auch Frankfurt greift diese Vorgaben auf. Das Ordnungsamt hat eine Allgemeinverfügung erlassen, die vom 11. Juni bis zum 19. Juli gilt. Für genehmigte Außenflächen von Gaststätten wird der Beginn der Nachtruhe verschoben. In den Nächten von Freitag auf Samstag sowie von Samstag auf Sonntag gilt die Nachtzeit erst ab 1 Uhr. In allen übrigen Nächten beginnt sie um Mitternacht.

Damit können mehr als 40 der insgesamt 104 Spiele auch in Biergärten, Sommergärten und auf Außenterrassen live übertragen werden, ohne dass für jede einzelne Veranstaltung eine gesonderte Genehmigung beantragt werden muss. Nach Angaben des Ordnungsamtes soll dadurch zusätzlicher Verwaltungsaufwand vermieden werden. Die Regelung gilt ausschließlich für die Liveübertragung der Spiele. Nachberichterstattung oder zusätzliche Unterhaltungsprogramme fallen nicht darunter.
Nicht erlaubt sind während der Veranstaltung besonders laute Fanartikel wie Vuvuzelas, Gasfanfaren oder Bongos. Außerdem müssen die Betreiber weiterhin auf die Einhaltung der vorgeschriebenen Emissionswerte achten und Rücksicht auf Anwohner nehmen.
Kroaten oder Türken müssen in der Nacht schauen
Ungeklärt ist freilich, wie es sich mit den rund 50 Spielen zu tatsächlich nächtlichen Stunden verhält. Beim deutschen Team würde sich die Frage spätestens im Fall des Gruppensiegs in der Vorrundengruppe E stellen, da das folgende Sechzehntelfinalduell an einem Montag erst um 22:30 Uhr angepfiffen würde. Mit Verlängerung und Elfmeterschießen könnte das Spiel bis 1.30 Uhr in der Nacht zum Dienstag dauern. Eine noch weitergehende Sonderregelung dürfte wahrscheinlich sein.

Komplizierter dürften allerdings die Spiele mit Beteiligung jener Nationalmannschaften sein, die auf eine große fußballbegeisterte Fan-Community in Deutschland bauen dürfen, die zudem gerne in größeren Gruppen gemeinsam die Spiele verfolgt: Marokko, Kroatien und die Türkei spielen stets in der Nacht oder in den frühen Morgenstunden. Sollte das bei den vergangenen Weltmeisterschaften aufstrebende marokkanische Nationalteam gewinnen, dürften nach Abpfiff der jeweils um Mitternacht begonnenen Spiele im Erfolgsfall Autokorsos unvermeidlich sein. Kroaten würden ebenfalls weit nach Mitternacht hupend durch die Straßen fahren. Die türkischen Fans hingegen würden nach Anstoßzeiten um vier, fünf und sechs Uhr in den frühen Morgenstunden den Berufsverkehr durch Begleitmusik beleben. Der Anstoß der ersten Vorrundenpartie gegen Australien am Sonntag fällt dabei offiziell gar nicht mehr in die Nacht. die endet in Frankfurt offiziell um sechs Uhr in der Frühe. Die Sonntagsruhe schränkt die Freiheit allerdings in diesem Fall wiederum ein.
Sollten gastronomische Betriebe oder auch Fußballvereine Freiluftveranstaltungen zu solchen Zeiten planen, müssten sie jeweils Sondergenehmigungen beantragen. Der Frankfurter Polizei waren auf Anfrage noch keine solchen Vorhaben bekannt.
Für eine große Gruppe an Anhängern mit ausländischen Wurzeln wird die WM derweil abermals zu einer besonderen Herausforderung: Der viermalige Weltmeister Italien fehlt zum dritten Mal in Serie. Die vielen Tifosi in Deutschland dürften immerhin nicht unter Schlafmangel leiden in den kommenden Wochen, wenn sie sich nicht beispielsweise mit der deutschen Elf solidarisieren.
