Im Obergeschoss eines Gründerzeithauses im Erfurter Süden führen die Aktivisten von «Widersetzen» ein Gespräch, das nach ihren Angaben typisch dafür ist, wie sie an vielen, aber nicht an allen Haustüren empfangen werden: Es geht um Protest gegen den geplanten AfD-Bundesparteitag Anfang Juli in der Thüringer Landeshauptstadt. Die junge Frau, die ihre Tür öffnet, sieht die AfD und ihr Weltbild kritisch. Wird sie protestieren? «Ob ich daran teilnehmen würde, weiß ich nicht, aber ich finde die AfD schrecklich.»
Kurz zuvor hatten die Aktivisten Michel Schlichtenberger und Lola Mehring keinen Erfolg. Ein Mann winkte ab, als er ihr Anliegen hörte. Insgesamt zeigten sich die beiden mit dem Verlauf der Aktion jedoch zufrieden. Sie würden oft Zustimmung zu ihren politischen Positionen erhalten, wenn sie es schafften, mit Menschen über die AfD ins Gespräch zu kommen, sagen Schlichtenberger und Mehring.
«Ich bin auch schon mal zum Kaffee eingeladen worden», erzählt Schlichtenberger am Samstag am Rande eines Haustür-Aktionstages. Solche Situationen ermöglichten intensive Gespräche. «Und wenn so was passiert, dann nehmen wir uns auch die halbe Stunde Zeit.» An einer Haustür bedroht worden sei er noch nie. Er wisse auch von keinem anderen Mitglied des Bündnisses, das schon einmal in eine bedrohliche Situation gekommen sei.
Ziviler Ungehorsam geplant
Nach Angaben des Bündnisses waren am Samstag etwa 70 Aktivisten im Stadtgebiet von Erfurt unterwegs, um mit Menschen darüber zu sprechen, dass „Widersetzen“ den AfD-Bundesparteitag verhindern will. Insgesamt hofft das Bündnis im Vorfeld des Parteitages an 60.000 Haustüren in Erfurt klingeln zu können, um für ihre Position zu werben. Bis Samstag sei bereits an insgesamt etwa 6.500 Türen geklingelt worden, so Schlichtenberger.
Der Plan des Bündnisses: Durch zivilen Ungehorsam soll es den AfD-Delegierten unmöglich gemacht werden, zu ihrem Bundesparteitag auf dem Messegelände in Erfurt zu kommen. Nach Angaben des Bündnisses wollen die Aktivisten dabei auf den Einsatz von Gewalt verzichten. «Wir stehen für eine gewaltfreie Sitzblockade», sagt Mehring. «Wir suchen keine Konfrontation mit der Polizei.»
AfD kritisiert die Aktion
Die AfD kritisiert die angekündigten Blockaden auf den Wegen zu ihrem Bundesparteitag scharf. Der Thüringer AfD-Bundestagsabgeordnete Torben Braga forderte Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Erfurt unter anderem wegen des Verdachts auf möglichen Landfriedensbruch sowie Nötigung gegen die Organisatoren der Proteste. Die Behörde lehnte das ab.
Vor wenigen Tagen hatte der AfD-Landtagsabgeordnete und Jurist Sascha Schlösser erklärt, er habe bei der Staatsanwaltschaft Erfurt Strafanzeige und Strafantrag gegen Verantwortliche von «Widersetzen» gestellt. «Es kann nicht sein, dass die Staatsanwaltschaft in Kenntnis der Blockadepläne nicht ermittelt und konsequent prüft, wer diese Aktionen plant, finanziert und öffentlich dazu mobilisiert», erklärte er.
Die angekündigten Proteste von „Widersetzen“ gegen den AfD-Bundesparteitag sind nur eine Form des möglichen Widerstands gegen das Treffen. Nach Angaben der Stadtverwaltung Erfurt haben zahlreiche zivilgesellschaftliche Gruppen und Einzelpersonen zu Demonstrationen und Kundgebungen am ersten Juli-Wochenende im Stadtgebiet aufgerufen. Gerechnet werde mit tausenden Demonstranten.
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