
Der Holodomor, die von Stalin künstlich erzeugte Hungersnot der Jahre 1932 und 1933, ist ein Fundament des nationalen Selbstverständnisses der Ukraine. Er wird als Genozid wahrgenommen, den Russlands gegenwärtiger Krieg in anderer Form fortführt. Die Londoner Fotografin Samara Pearce, deren Urgroßvater, der österreichische Chemieingenieur Alexander Wienerberger (1891 bis 1955), in Charkiw den Holodomor heimlich fotografiert hatte, besuchte nach Beginn der russischen Großinvasion in die Ukraine 2022 mit Wienerbergers Leica-Kamera das angegriffene Land, um dessen unabhängige Zeitzeugenschaft exemplarisch fortzusetzen. Die ukrainische Filmregisseurin Maryna Tkachuk, die die Britin in den Jahren 2023 und 2024 bei ihren Reisen begleitete, verarbeitete die Geschichte von Pearce und Wienerberger zu dem ebenso eindringlichen wie instruktiven Dokumentarfilm „Family Album“, der jetzt, im Rahmen einer noch bis zum 2. Juli geöffneten Ausstellung über den Holodomor an der Universität Potsdam, an der Filmuniversität Potsdam-Babelsberg gezeigt wurde.
