
Es gibt erfahrene Juristen, die eine Kindesentführung für keine große Sache halten. So zumindest konnte man jüngst Gerhard Strate verstehen. Strate ist bekannt dafür, prominente Unternehmer zu verteidigen und Fälle prominent zu machen, die er erfolgreich neu aufrollen lässt. Vor einigen Wochen äußerte sich Strate in einem Podcast zum Fall Christina Block. Gefragt, was ein gerechtes Ende im Verfahren gegen Block wäre, sagte er: „Man sollte es einstellen wegen Geringfügigkeit.“
Anwalt Strate hat streng genommen nichts zu tun mit dem Fall, der seit fast elf Monaten in Hamburg verhandelt wird. Sein Mandant ist nicht angeklagt, muss sich nicht seit 53 Verhandlungstagen vor dem Landgericht verantworten. Aber sein Mandant heißt Eugen Block. Und ist damit der erste von vielen Gründen, weshalb ganz Deutschland auf diesen Fall schaut. Die Tochter des Unternehmers, der für seine „Block House“-Restaurants bekannt ist, steht vor Gericht.
Christina Block soll den Auftrag erteilt haben, zwei ihrer eigenen Kinder zu entführen, damals zehn und 13 Jahre alt. Boulevardmedien ergötzen sich besonders an solchen Konstellationen: Eine ausreichend bekannte Person begeht mutmaßlich eine Tat, die ihre Privatsphäre betrifft. Im Fall Block laufen sich die Schlagzeilen gegenseitig den Rang ab: Angebliche Geheimagenten aus Israel entführen in der Silvesternacht 2023 zwei Kinder aus der Obhut ihres Vaters. Dieser Vater wird der Pädophilie beschuldigt – aber die vermeintlichen Beweise sind Fälschungen. Die Männer fesseln und knebeln die Kinder und schleppen sie durch einen Wald. Sie halten das für legal. Mit dabei: ein Fitnesstrainer, der einst bei „Germany’s Next Topmodel“ mitmachte und zeitweise in einer Beziehung mit einer Hamburger Richterin gewesen sein soll. Vor der Entführung werden die Kinder monatelang beschattet.
Ein Sportmoderator, ein Hafenchef und ein früherer BND-Präsident
Es gibt noch mehr gefundenes Fressen: Eugen Blocks Name ist nicht der einzige, der im Prozess immer wieder aufkommt. Christina Blocks jetziger Lebensgefährte ist Gerhard Delling, der Fernsehmoderator, der mit Günter Netzer jahrelang die „Sportschau“ verkörperte. Auch er steht vor Gericht, wegen Beihilfe. Jens Meier, der Geschäftsführer des Hamburger Hafens, hat als Zeuge vor Gericht ausgesagt, er soll Kontakte vermittelt haben. Und immer wieder fällt der Name eines ehemaligen Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes: August Hanning.
Seit der Entführung in der Silvesternacht 2023 sind wenige Wochen vergangen, in denen es in der Öffentlichkeit um den Fall Block ruhig geblieben ist. Mit Geringfügigkeit, wie Strate meint, haben die Geschehnisse aus Sicht der Staatsanwaltschaft nichts zu tun. Die Vorwürfe lauten: schwere Entziehung Minderjähriger, gefährliche Körperverletzung, Freiheitsberaubung und die schwere Misshandlung von Schutzbefohlenen. Mit Block und Delling angeklagt sind fünf weitere Personen, darunter Andreas C., ein Anwalt der Block-Familie, und Tal S., einer der mutmaßlichen Entführer aus Israel.
Macht es einen Unterschied, wenn eine berühmte Person im Kern solcher Vorwürfe steht? Block bestreitet die Taten – und wehrt sich gegen die Vorwürfe, was ihr zusteht. Sie hat dafür Mittel, die der Durchschnittsangeklagte vor Gericht nicht hat. Zum Beispiel Béla Anda, einst Regierungssprecher von Gerhard Schröder, den sie als PR-Berater engagiert hat. Und Strate, der öffentlich für ihren Vater spricht, wie jüngst in dem Podcast „Der Fall Block – ein echter Krimi“. Strate kauft Christina Block ihre Schilderung der Ereignisse zwar nicht ganz ab, aber seine Botschaft ist deutlich: Der Prozess ist aus seiner Sicht geradezu unnötig – und wird unnötig in die Länge gezogen. Ähnlich sieht das Hanning, der jüngst auch gegenüber der F.A.Z. äußerte: „Zehn Tage hätten dafür ausgereicht.“
Nach all den Monaten Verhandlung gibt es zwei Versionen der Geschichte, weshalb zwei Kindern Gewalt angetan wurde. Die erste geht so: Zwei der vier gemeinsamen Kinder von Block und ihrem früheren Mann Stephan Hensel lebten seit August 2021 beim Vater in Dänemark, weil der sie nicht wie abgesprochen nach einem Besuchswochenende zurück zur Mutter nach Hamburg gebracht hatte. Deshalb gibt es auch eine Anklage gegen Hensel, die noch anhängig ist. Block durfte in der Folge keinen Kontakt zu ihnen haben (Hensel bestreitet das). Sie war verzweifelt und wollte die Kinder zurück, die damals nach deutscher Rechtslage bei ihr leben sollten. Hensel verhielt sich paranoid, „entfremdete“ die Kinder und isolierte sie (auch das bestreitet er).
Welchen Auftrag hatte die israelische Sicherheitsfirma?
Block vertraute sich Mitarbeitern der israelischen Firma Cyber Cupula an, die sie nur engagiert haben will, um die Sicherheit im Hotel der Block-Gruppe zu überprüfen. Im Herbst 2023 war sie in großer Sorge wegen Unterlagen, die Cyber Cupula ihr besorgt hatte: Sie unterstellten Hensel Pädophilie. Sie ging zur Polizei, aber der deutsche Staat half ihr nicht. Eine von Cyber Cupula zusammengestellte Gruppe holte die Kinder in einer Nacht-und-Nebel-Aktion eigenmächtig zurück. Ohne dass Block davon wusste. Und ohne dass sie eine gewaltsame Entführung gewollt hätte. Als eine Mitarbeiterin sie informierte, sie solle kommen, ihre Kinder seien in Sicherheit, fiel sie aus allen Wolken.
Die andere Version der Geschichte lautet: Als die Kinder noch bei Christina Block lebten, wurde sie ihnen gegenüber gewalttätig (sie bestreitet das). Von strenger Erziehung und Schlägen auf den Hinterkopf ist die Rede (sie bestreitet das). Deshalb wollten die Kinder nach dem Besuchswochenende im August 2021 nicht zurück zu ihrer Mutter. Die dänischen Behörden nahmen die Gewaltvorwürfe ernst und vollstreckten einen Beschluss nicht, wonach die Kinder zurück zur Mutter sollten. Das Haus, in dem sie gemeinsam mit Hensels neuer Frau leben, ließ Block in der Folge von Privatdetekteien beschatten.
Die Kinder bekamen von der dänischen Polizei Alarmknöpfe für den Notfall. Schon im November 2022 versuchten Männer im Auftrag Blocks, die Kinder zu entführen und zur Mutter zurückzubringen (Block bestreitet das). Die Pädophilievorwürfe wurden bewusst gefälscht, um Hensel und auch seinen Anwalt für Familienangelegenheiten zu verleumden. In Gesprächen mit Cyber Cupula ging es schon Anfang 2023 um die Kinder und wie man sie am besten nach Deutschland zurückhole (Block bestreitet das).
In der Silvesternacht 2023 wurde Hensels Befürchtung, die Kinder könnten entführt werden, Wirklichkeit. Auf Geheiß von Block (sie bestreitet das) griffen mehrere maskierte Männer Hensel an, als er mit den Kindern das Feuerwerk am Hafen beobachtete. Die Maskierten zogen die Kinder in ein Auto und fuhren bis kurz vor die Grenze. Dann brachten sie die Kinder zu Fuß durch den Wald nach Deutschland. Weil sie sich wehrten, fesselten und knebelten die Männer sie mit Panzertape. In einem Wohnmobil fuhren sie die Kinder zu einem Hof in Süddeutschland. Dort traf am 1. Januar 2024 nach Absprache mit den mutmaßlichen Entführern auch Block ein. Am nächsten Tag fuhr sie mit den Kindern zurück nach Hamburg.
Plötzlich tauchen die mutmaßlichen Entführer wieder auf
Für die 32. Große Strafkammer geht es seit Monaten darum, in diesen beiden Versionen Tatsachen zu finden, von denen sie überzeugt ist. In Verfahren, denen ein Sorgerechtsstreit zugrunde liegt, wo Emotionen meist viel Platz einnehmen, ist das ohnehin nicht leicht. In diesem Fall gibt es zahlreiche Menschen, die etwas zu sagen haben – und sich Schuld zuschieben, nicht nur Hensel und Block. Als die Staatsanwaltschaft im April 2025 Anklage erhob, waren fast alle Israelis abgetaucht, die an der „Rückholung“ beteiligt gewesen sein sollen. Aber als Block sie im Prozess beschuldigte, im Alleingang ohne ihre Anweisung die Kinder entführt zu haben, tauchten sie wieder auf.
Ein Donnerstag Ende Mai, Verhandlungstag 52. Ingo Bott, Blocks Verteidiger, ist an der Reihe. Er befragt die Israelin Keren T., die für Cyber Cupula arbeitete. Sie gilt als einst enge Vertraute von Christina Block. Keren T. soll beschreiben, welche Rolle sie in dem Sicherheitsunternehmen spielte, dessen Mitarbeiter die Kinder entführt haben soll.
Bott: „Hatten Sie einen Arbeitsvertrag mit Cyber Cupula?“
T.: „Ja“
Bott: „Haben Sie den noch?“
T.: „Das weiß ich nicht.“
Die Einundfünfzigjährige verzieht ihr Gesicht zu einem großen hilflosen Lächeln, als hätte Bott sie dazu aufgefordert, ein quantenphysikalisches Problem zu lösen. T. sagt dann, sie sei eine Art Managerin gewesen, verantwortlich unter anderem für Personal.
Bott: „Mit was war denn Ihre E-Mail signiert?“
T.: „In der E-Mail meinen Sie?“
Bott: „Ja.“
T.: „Ich erinnere das nicht.“
Keren T. spricht Englisch, gut zu hören ist nur die Übersetzung einer Dolmetscherin. Wie alle anderen mutmaßlichen Entführer, die bislang ausgesagt haben, widerspricht T. Block und sagt: Die Mutter wusste und wollte, dass ihre Kinder „zurückgeholt“ werden. Nur den genauen Zeitpunkt habe ihr die Gruppe nicht gesagt – damit diese Information nicht versehentlich in falsche Hände gerate und die Mission scheitere.
Bott befragt T. an diesem Tag stundenlang. Wer wissen will, warum dieser Prozess nicht nur zehn Tage gedauert hat, wie etwa Hanning sich das gewünscht hätte, findet im Gerichtssaal eine offensichtliche Antwort. Allein an der Stirnseite sitzen sieben Personen, vier Richter und drei Schöffen. Drei Staatsanwälte sind mit dem Verfahren beschäftigt, meistens sind zwei anwesend. Hensel ist Nebenkläger und hat einen Anwalt, auch die beiden Kinder werden von einer Anwältin vertreten, eine Kinderpsychiaterin ist ebenfalls geladen. Jeder der sieben Angeklagten hat einen oder mehrere Verteidiger. Und alle diese Personen dürfen einzelnen Zeugen ausführliche Fragen stellen.
„Freies Geleit“ für die Zeugenaussagen
Zeugen wie Keren T. sagen deshalb häufig tagelang aus. Auch ihr Chef David B., mutmaßlicher Architekt der Entführung, kam für den Prozess mehrmals aus Israel angereist, seine Befragung ist noch nicht abgeschlossen. Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt in einem abgetrennten Verfahren gegen die Israelis. Für ihre Vernehmung und für ihre Aussage im Gericht hat sie ihnen „freies Geleit“ gewährt – die internationalen Haftbefehle gegen die meisten von ihnen wurden ausgesetzt.
Manche der schmallippigen Antworten von T. dürften Ingo Bott gefallen. Wer angibt, seine E-Mail-Signatur nicht zu wissen, zeichnet kein sonderlich professionelles Bild von sich. Am Tag zuvor aber musste Bott sich anhören, wie T. sich gut an die Anwesenheit von Christina Block bei einem Treffen Ende Dezember 2023 mit den mutmaßlichen Entführern im Hotel der Familie Block, dem Grand Elysée, erinnert. In diesem Hotel waren mehrere Cyber-Cupula-Mitarbeiter monatelang untergebracht, ihre Rechnung in Höhe von mehr als 200.000 Euro wurde nie beglichen. Bei dem Treffen Ende Dezember sollen einige der mutmaßlichen Entführer maskiert gewesen sein. Block sagt: Bei diesem Treffen war sie nicht dabei.
Die Vorsitzende Richterin: „Was wurde bei dem Teammeeting so besprochen?“
Keren T.: „Es gab ein Briefing, das war sehr kurz. Dann kam Christina rein, vielleicht für ein oder zwei Minuten, um dem Team zu danken und zu sagen, dass der Plan gesetzlich okay war nach dem deutschen Stand. Und sie sagte ‚Viel Glück‘.“
Die Aussagen der Israelis, an welchem Tag dieses Treffen stattgefunden hat und wer alles daran teilnahm, gehen auseinander. Danach, so schildert es T., soll Block ihr eine Tüte mit einem Pulli, einem Kissen und einem Teddybären gegeben haben, durch deren Geruch die Kinder erkennen sollten, dass ihre Mutter hinter der Aktion stecke. Ob es die Tüte ist, mit der Block auf Überwachungsaufnahmen des Hotels zu sehen ist, ist unklar: T. wird ein Bild gezeigt, die Tasche darauf erkennt sie aber nicht.
„Happy New Year!“ als Code für die geglückte Entführung?
Keren T. bekräftigt an diesem Tag im Gericht, dass es einen „Code“ gegeben habe. Block habe gewusst: Wenn T. ihr in der Silvesternacht eine Nachricht mit „Happy New Year!“ schickt, dann wären die Kinder in Sicherheit. Eine solche Nachricht schickte Keren T. ihr am frühen Morgen des 1. Januar.
Aus Sicht von Blocks Verteidiger aber gab es keinen „Code“. Ingo Bott spielt eine Aufnahme von T.s polizeilicher Vernehmung ab. Darin sagt sie auf Englisch nach einer Suggestivfrage des Dolmetschers: Ihre Nachricht hätte keinen Sinn gehabt, wenn sie kein Code gewesen wäre, denn dann hätte Block ihr einfach ein frohes Jahr zurückgewünscht. Bott lässt Keren T. Blocks tatsächliche Antwort um 2.39 Uhr in dieser Nacht vorlesen. Sie lautet „To you too!“, also „Dir auch!“.
Ob dieser Widerspruch Block angesichts der zahlreichen anderen Zeugenaussagen entlastet, ist fraglich – auch wenn es sich bei der Gruppe um David B. wohl um ein wenig eingespieltes Team handelte. Jonathan C., der schwedische und israelische Wurzeln hat, in Hamburg lebte und bei Formaten wie „Germany’s Next Topmodel“ mitmachte, stieß kurz vorher dazu – weil er Deutsch spricht, wie Keren T. sagt. Damit die Kinder jemanden hätten, der sie verstehe.
Mutmaßlich hat Jonathan C. aber mehr gemacht, als nur mit den Kindern zu reden. Zumindest laut Tal S., dem einzigen mutmaßlichen Entführer aus Israel, der in Untersuchungshaft sitzt und schon im Verfahren gegen Block angeklagt ist. Tal S. hat Jonathan C. vor Gericht beschuldigt, Hensel stärker als nötig attackiert und geschlagen zu haben. Auch C. war abgetaucht – und soll noch vor Gericht aussagen. Schriftlich hat er sich an die Hamburger Staatsanwaltschaft gewandt und auch mit Medien gesprochen. Gewalt gegen Hensel will er nicht „gesehen“ haben. Ihm sei gesagt worden, dass er Kinder retten würde. Er und alle anderen dachten, sie täten etwas Gutes. Es habe geheißen, die Aktion sei mit „deutschen Offiziellen“ abgesprochen, es gäbe eine Kooperation. Ihm seien auch Dokumente gezeigt worden.
Vermutlich meint Jonathan C. Gerichtsbeschlüsse. Denn nach einem deutschen Urteil sollte Hensel die Kinder an die Mutter herausgeben. Dänemark ist das einzige Land in der EU, das sich vorbehält, Gerichtsentscheidungen anderer EU-Länder in Sorge- und Umgangsrechtsfragen selbst noch mal zu prüfen. Die dänischen Behörden vollstreckten die deutschen Beschlüsse nicht, weil sie nach den Gewaltvorwürfen der Kinder Anhaltspunkte für eine Kindeswohlgefährdung sahen. Wenige Tage nach der Entführung entschied das Oberlandesgericht Hamburg, dass die Kinder zum Vater zurückgebracht werden müssen. Inzwischen liegt das Sorgerecht bei Hensel.
Auch der Familienanwalt ist mitangeklagt
Geht es um die rechtliche Lage, fällt im Prozess immer wieder noch ein weiterer Name: Andreas C., der mitangeklagte Familienanwalt der Blocks und enge Vertraute Eugen Blocks. Laut Keren T. soll er versichert haben, dass die Gruppe nichts Illegales tue. Anwalt C. bestreitet die Vorwürfe und lässt sich vor Gericht nicht ein. Sein Anwalt Marko Voß befragt Keren T. am 53. Verhandlungstag.
Voß: „Hat Herr Dr. C. Ihnen erklärt, es werde keine rechtlichen Konsequenzen geben, wenn die Kinder gefesselt werden?“
T.: „Nein.“
Voß: „Hat Herr Dr. C. Ihnen erklärt, es werde keine rechtlichen Konsequenzen geben, wenn die Kinder Klebetape um den Kopf bekommen?“
T.: „Nein.“
Das sei in der Silvesternacht aber offenkundig passiert, so Voß. Wie komme T. auf die Idee, dass sein Mandant die Gruppe getäuscht habe? Sie seien falsch beraten worden, sagt T. „Es wurde uns gesagt, in Deutschland würde alles in Ordnung sein.“
Von der Seitenlinie macht derweil August Hanning seinem Unmut Luft. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn, weil er in den mutmaßlichen früheren Entführungsversuch im Jahr 2022 verstrickt sein soll – und in den Versuch, Hensel mit gefälschten Pädophilievorwürfen zu diskreditieren. Hanning hat mehrere Rechtsmittel gegen die Ermittlungsbehörden eingelegt, mit keinem hatte er bislang Erfolg.
Die Vorwürfe entbehrten jeder Grundlage, sagte Hanning der F.A.Z. Block habe er zweimal kurz beraten. Den mutmaßlichen Entführer David B. habe er über israelische Freunde kennengelernt. B. selbst hatte vor Gericht gesagt, es habe eine „Geschäftserklärung“ zwischen beiden gegeben. Nach Informationen der F.A.Z. hat David B. Unterlagen an Hanning geschickt, die zwei Personen Pädophilie unterstellen, damit Hanning diese an die zuständigen deutschen Behörden weiterleitet. Hanning will das getan haben, ohne deren konkreten Inhalt und einen Zusammenhang zum Fall Block zu kennen. Laut David B. hat ein russischer Hacker ihm die Dateien aus dem Darknet beschafft.
Auch der Name Eugen Block fällt im Prozess immer wieder. „Der Patriarch war die ganze Zeit involviert“, sagt David B. über ihn vor Gericht. Keren T. berichtet von Druck, den „Herr Block“ auf Familienanwalt Andreas C. ausgeübt habe, die Kinder müssten unbedingt zurück nach Deutschland. C. sei der „Fixer“ für die Blocks.
Die Ermittlungen gegen Eugen Block hatte die Staatsanwaltschaft eingestellt. Sein Anwalt Strate sagt: „Eugen Block ist eine Legende, deshalb hat man es auch nicht gewagt, ihn anzuklagen.“ Was Strate nicht sagt: Die Ermittlungen gegen ihn könnten jederzeit wieder aufgenommen werden.
Die langen Befragungen der israelischen Zeugen, die seinen Mandanten und dessen Tochter im schon laufenden Verfahren immer wieder belasten, hält Strate für „Zeitverschwendung“. Sein Wunsch, das Verfahren solle doch „möglichst bald beendet werden“, könnte in wenigen Wochen wahr werden. Zwar sind Termine bis Dezember angesetzt. Jüngst aber sagte die Vorsitzende Richterin: Aus Sicht der Kammer könne der Prozess im August zu Ende gehen.
