
Zinssorgen lösen Verkaufswelle an der Wall Street aus
Ein überraschend starker US-Arbeitsmarktbericht hat am Freitag die Zinssorgen der Anleger neu entfacht und eine Verkaufswelle an der Wall Street ausgelöst. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 1,4 Prozent tiefer auf 50.867 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 gab 2,6 Prozent auf 7384 Zähler nach und beendete damit eine neunwöchige Gewinnserie. Der Index der Technologiebörse Nasdaq stürzte um 4,2 Prozent auf 25.709 Punkte ab.
Im Mai wurden nach Angaben des Arbeitsministeriums 172.000 neue Stellen und damit mehr als doppelt so viele wie von Analysten erwartet geschaffen. Die Arbeitslosenquote verharrte bei 4,3 Prozent. Die robusten Daten werteten Börsianer als Zeichen für eine starke Wirtschaft, sie machten jedoch zugleich Hoffnungen auf baldige Zinssenkungen durch die US-Notenbank (Fed) zunichte. An den Finanzmärkten wird nun sogar eine Wahrscheinlichkeit von knapp 43 Prozent für eine Zinserhöhung im Dezember eingepriesen.
Zusätzlich belasteten schwindende Hoffnungen auf eine rasche Lösung im Iran-Krieg die Stimmung, da eine anhaltende Blockade der Straße von Hormus die Energiepreise und damit die Inflation weiter anheizen könnte.
Besonders hart traf es die in den vergangenen Wochen stark gestiegenen Technologie- und Halbleiterwerte. Der Philadelphia-Halbleiterindex brach so stark ein wie seit März 2020 nicht mehr, wodurch mehr als eine Billion Dollar an Börsenwert vernichtet wurden. „Nach der Rekordjagd der letzten neun Wochen bei Aktien, insbesondere bei Technologie- und Halbleiterwerten, sind heute einfach alle Dämme gebrochen“, sagte Ryan Detrick, Chef-Marktstratege der Carson Group. Ohsung Kwon, Aktienstratege bei Wells Fargo, erklärte, die Marktreaktion sei eher durch Gewinnmitnahmen als durch fundamentale Daten getrieben. Der Halbleitersektor sei stark überkauft gewesen, das Ende des Bullenmarktes sei dies jedoch nicht.
Unter den Einzelwerten gaben die Papiere des nach Marktwert größten Unternehmens Nvidia um 6,2 Prozent nach. Die Aktien der Konkurrenten Intel, Micron, AMD und Broadcom rutschten zwischen 7,9 und 13,3 Prozent ab. Auch Kryptowerte gerieten unter Druck: Coinbase und MicroStrategy verloren im Sog eines Kursrückgangs der Cyberdevise Bitcoin von 4,1 Prozent rund sieben Prozent an Wert. Unterdessen teilte S&P Global mit, die Aufnahmekriterien für seine wichtigsten Indizes nicht zu ändern. Damit ist ein schneller Einzug des Raumfahrtunternehmens SpaceX von Elon Musk in den S&P 500 nach dem geplanten Börsengang faktisch ausgeschlossen.
Abseits des Technologiesektors sorgten Unternehmenszahlen für deutliche Kursbewegungen. Die Aktien von Lululemon brachen um 8,6 Prozent ein. Der Sportbekleidungshersteller hatte seine Jahresgewinnprognose gesenkt und für das zweite Quartal Ergebnisse in Aussicht gestellt, die deutlich unter den Erwartungen der Wall Street lagen.
Gegen den Trend legten die Papiere von Cooper Companies um 8,6 Prozent zu. Der Hersteller von Kontaktlinsen hatte mit seinen Ergebnissen für das zweite Quartal die Schätzungen der Analysten übertroffen.
