Eine Marke lebt nicht von Strategiepapieren allein. Das weiß auch Audi-Chef Gernot Döllner. Die Formel 1 mag Sichtbarkeit schaffen, einen Mythos ersetzt sie nicht. Während der Ingolstädter neue Designsprache Radical Next mit dem für 2027 angekündigten Concept C als TT-Nachfolger Gestalt annimmt, sorgen sie jetzt mit einem limitierten Supersportwagen für offene Münder.
Statt sich in eine Standardnomenklatur mit R an vorderster Stelle einzufügen, trägt er den Namen von Tazio Nuvolari, jener Rennfahrerlegende, die für Auto Union Grand-Prix-Geschichte schrieb. Das Projekt entstand in Rekordzeit binnen etwa eines Jahres, heißt es. Im Winter 2024 stellte sich ein kleiner Entwicklerkreis die Leitfrage: Wofür soll Audi künftig stehen?

Die Antwort gibt der Nuvolari mit einigen Superlativen. Er ist das erste kaufbare Modell mit neuer Designsprache, der stärkste Straßen-Audi mit 1001 PS, der schnellste Ringkämpfer mit 350 km/h Höchstgeschwindigkeit und einer Beschleunigung von weniger als 2,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Zugleich ist er der erste Supersportwagen der Marke mit Hybridantrieb und der erste Ingolstädter mit Vollcarbonkarosserie.

Tief in die Technikkiste gegriffen
Unter der Außenhaut arbeitet eine modifizierte Variante des Antriebs aus dem Lamborghini Temerario mit jenem vier Liter großen V8-Biturbo samt drei Elektromotoren und einer 7,3 kWh kleinen Batterie. Hinzu kommt der weiterentwickelte Allradantrieb Quattro Predictive Ride samt 6D-Sensor und elektrisch angetriebener Vorderachse. Carbon-Keramik-Bremsen aus dem Rennsport, Zentralverschlussräder sowie ein passives Fahrwerk mit einstellbarer Zug- und Druckstufe wie im GT3-Rennwagen komplettieren das Paket.

Während viele Supersportwagen mit zerklüfteter Aggressivität aufwarten, wirkt der Nuvolari beinahe zurückhaltend. Die Karosserie erscheint geschlossen und fast monolithisch. Erst auf den zweiten Blick zeigen sich aktive Aerodynamik, versteckte Luftkanäle und Formel-1-inspirierte Lösungen zur Reduzierung des Luftwiderstands. Besonderen Wert legten die Entwickler auf die Materialität.
Sichtbares Metall ist tatsächlich Metall. Die Audi-Ringe am Heck sind aus dem Vollen gefräst und direkt in die Karbonstruktur integriert. Auch der Innenraum verzichtet auf die üblichen Klischees. Statt Krawall herrscht eine überlegene Ruhe. Schalter rasten mit jener Präzision ein, die Audi einst groß machte, viele Bedienelemente bestehen aus massivem Metall.
Gebaut wird der Nuvolari in einem deutsch-italienischen Fertigungsverbund zwischen Neckarsulm, Sant’Agata Bolognese und Modena. Ein R8-Nachfolger ist er nicht. Die Auflage ist auf 499 Exemplare limitiert, der Preis startet bei 600.000 Euro.
Bestellstart ist im vierten Quartal, die ersten Auslieferungen folgen Anfang kommenden Jahres. Vielleicht ist das die eigentliche Botschaft des Autos: Der Nuvolari soll keine Lücke im Modellprogramm schließen, sondern eine im Selbstverständnis der Marke.
