Keine Sekunde dauert es, da liegt das Flugzeug auf der Nase. Während am Flughafen Frankfurt eine Lufthansa-Maschine auf einer Parkposition stehend für den Start nach Los Angeles vorbereitet worden ist, hat sich am Donnerstagmittag um 12.45 Uhr an der Boeing 787-9 das Bugrad plötzlich eingeklappt. Das Flugzeug senkte sich nach vorne und schlug auf dem Bauch auf.
Wie ein Lufthansa-Sprecher mitteilte, haben sich zum Zeitpunkt des Vorfalls Crewmitglieder und Mitarbeiter der Bodenabfertigung an Bord befunden. Mehrere von ihnen seien verletzt worden. Sie werden nach Angaben der Fluggesellschaft derzeit medizinisch versorgt. Die Fluggäste seien noch nicht eingestiegen gewesen.
Von dem Unfall zeugen mehrere Fotos und eine Videoaufnahme, die schon Minuten nach dem Zwischenfall im Internet geteilt wurden. Die Frankfurter Polizei und der Flughafenbetreiber Fraport haben den Vorfall bestätigt.
Auf Fotos von der Unfallstelle ist zu sehen, wie beim Aufprall die Klappen des Bugfahrwerks nach außen gedrückt werden, die rechte Klappe reißt ab. Die beiden Triebwerke mit ihren markentypischen Sägezähnen scheinen vorn den Boden zu berühren. Auf der linken Seite der Maschine ist ein Tankwagen zu erkennen, ob die Betankung noch im Gange war, ist nicht bekannt. Der Schlauch für die Kerosinzuführung aus dem Boden ist noch verbunden. Ein Mitarbeiter steht unmittelbar rechts vorne neben dem Flugzeug und hat großes Glück, nicht getroffen worden zu sein.
Die allgemein als Dreamliner bekannte Boeing mit dem Taufnamen Herne und der Kennung D-ABPQ ist dem Vernehmen nach nur rund ein Jahr alt. Sie wurde im Januar an die Lufthansa ausgeliefert. An Bord ist die neue Kabine namens Allegris.
Über die Ursache und die Höhe des Schadens könne man noch keine Angaben machen, sagte ein Polizeisprecher. Die Lufthansa kündigte weitere Informationen an. Es sei ein Krisenstab eingerichtet worden.
Vergleiche mit Vorfall in London
In Luftfahrtkreisen wird an einen früheren Vorfall während der Coronapandemie erinnert, freilich ist der Vergleich Spekulation. Eine Boeing 787-8 mit Erstzulassung 2013 und der Registrierung G-ZBJB sollte wegen der bestehenden Einschränkungen einen reinen Frachtflug von London Heathrow nach Frankfurt durchführen. Während der Vorbereitungen am Boden arbeitete ein Wartungsteam an drei Fehlermeldungen im Zusammenhang mit den Bugradtüren. Um ein bestimmtes Wartungsverfahren (Dispatch Deviation Guide) durchzuführen, wurde der Fahrwerkhebel im Cockpit betätigt, mit aktiviertem Hydrauliksystem.

Fatalerweise war ein Sicherungsbolzen in die falsche Bohrung gesteckt worden, nämlich in die Apex Pin Bore statt in das dafür vorgesehene Downlock Pin Hole. Dadurch war das Bugfahrwerk nicht gesichert. Als der Techniker den Fahrwerkhebel nach oben bewegte, fuhr das Bugfahrwerk ein. Die Flugzeugnase schlug auf den Boden auf.
Es kam damals zu Beschädigungen am Bug, an einer Tür sowie den vorderen Triebwerksgondeln. Zwei Personen erlitten leichte Verletzungen.
Die britische Unfalluntersuchungsbehörde stellte in ihrem Bericht im November 2022 fest, das Design der Bugfahrwerk-Verriegelungseinheit begünstige eine hohe Fehleranfälligkeit. Die beiden Bohrungen lagen zu nah beieinander und waren nicht ausreichend unterscheidbar, sodass eine Verwechslung beim Einsetzen des Sicherungsbolzens leicht möglich war.
Es wurde eine Lufttüchtigkeitsanweisung (Airworthiness Directive) herausgegeben. Diese verpflichtete die Betreiber aller betroffenen B787-Varianten, eine Einsatzhülse zu installieren, also die „falsche“ Bohrung baulich zu blockieren, sodass der Sicherungsbolzen physisch nur noch in die korrekte Öffnung eingeführt werden kann.
Ob und wieweit dies für den jetzigen Vorfall in Frankfurt zutrifft, wird die eingeleitete Untersuchung zeigen.
Solange das Flugzeug am Gate festliege, werde es zu Störungen im Flugverkehr kommen, teilten Fraport und Polizei mit. Andere Maschinen würden durch das festliegende Flugzeug und die nun nötige Untersuchung am Ein- und Ausparken gehindert, zudem könne das Gate nicht genutzt werden, so der Polizeisprecher. Die Maschine hätte um 13.50 Uhr abheben sollen.
