Ist Fronleichnam ein bundesweiter Feiertag?
Da Fronleichnam nur von Katholiken gefeiert wird, ist er kein bundesweiter Feiertag, sondern nur in den Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Saarland. In Sachsen und Thüringen gilt er nur für ein paar katholisch geprägte Gemeinden. Die aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen feiern das Fronleichnamsfest nicht. Fronleichnam fällt 2026 auf Donnerstag, den 4. Juni.
Katholiken feiern Fronleichnam auch als Abgrenzung zu Protestanten
Fronleichnam ist immer 60 Tage nach Ostern und zehn Tage nach Pfingsten, stets an einem Donnerstag. Der Name, abgeleitet vom althochdeutschen „vrone licham“, bedeutet übersetzt so viel wie „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“.
Vielerorts – so auch im Vatikan – wird das Fest aber am darauffolgenden Sonntag begangen.
Was Fronleichnam mit Gründonnerstag zu tun hat
Der katholische Feiertag steht in enger Verbindung mit Gründonnerstag: Am Donnerstag vor Ostern gedenken Christen des letzten Abendmahls Jesu mit seinen Jüngern. An Gründonnerstag soll Jesus der Bibel zufolge seinen Jüngern Brot und Wein gereicht haben und die Worte gesprochen haben, die Christen bei jedem Abendmahl wiederholen: „Dies ist mein Leib“ und „Dies ist mein Blut“. Damit gab Jesus seinen Jüngern zu verstehen, dass er durch die Feier des Abendmahls auch nach seinem Tod mit ihnen verbunden bleibt. An Fronleichnam wird genau das gefeiert: Jesu bleibende Gegenwart im Abendmahl, auch Eucharistie genannt.
Weil die Karwoche – und damit auch Gründonnerstag – aber still begangen wird und das Leiden Jesu im Mittelpunkt steht, verbietet sich eine farbenfrohe Festlichkeit. Also erinnert die katholische Kirche an einem anderen Tag – Fronleichnam – mit Prozessionen und Weihungen an ihre Überzeugung, dass Jesus für die Menschen gestorben ist, und an seine Gegenwart im Wein und im geweihten Brot, den Hostien.
Bei der Fronleichnamsprozession wird traditionell eine geweihte Hostie, die den Leib Jesu repräsentiert, in einer Monstranz, einem kostbaren Schaugerät, unter einem Baldachin von einem Priester getragen. Vor ihm werden Fahnen und Kreuze getragen. Dahinter folgen Ministranten, Geistliche, Kommunionkinder, Vertreter der weltlichen Obrigkeit und die Gläubigen. Entlang des Zuges werden die Anfänge aller vier Evangelien gelesen.
In einigen Gemeinden schmücken die Katholikinnen und Katholiken die Straßen festlich und verzieren sie mit Blumenteppichen.

Dieser Feiertag ist erst recht spät in den Kanon der katholischen Kirche aufgenommen worden. Historisch ist die erste Prozession für 1277 in Köln belegt, nachdem Papst Urban IV. das Fest 1264 für die gesamte Kirche festgeschrieben hatte. 1317 ordnete Papst Johannes XXII. den Donnerstag als Festtag an. Das Fest geht zurück auf eine Vision der Augustinernonne Juliana von Lüttich im Jahr 1209; sie wurde später heiliggesprochen.
Fronleichnam fehlt laut Luther die biblische Grundlegung
Mit einer Prozession wurde Fronleichnam erstmals in den 1270er-Jahren in Köln begangen. In der Reformation entwickelte sich das Fest zu einem konfessionsscheidenden Merkmal. Martin Luther bezeichnete es 1527 als „allerschädlichstes Jahresfest“, dem die biblische Grundlegung fehle. Der Gegensatz hat sich inzwischen abgeschwächt: Auch auf evangelischen Kirchentagen gab es in den vergangenen Jahren mehrfach gemeinsame Fronleichnamsprozessionen.
