In Niedersachsen haben Umweltaktivisten gegen den symbolischen
Spatenstich zum Bau der Autobahn 20 demonstriert. Nach jahrelangen Planungen und rechtlichen Auseinandersetzungen haben
die Bauarbeiten für den ersten Abschnitt der sogenannten Küstenautobahn offiziell begonnen. Beim symbolischen Spatenstich
bezeichnete Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) die
Küstenautobahn als das »wichtigste Infrastrukturprojekt
Norddeutschlands«.
Die A20 soll die bestehenden Verkehrsachsen im Raum
Hamburg entlasten und die deutschen Häfen an Nord- und Ostsee besser
miteinander verbinden. Das Projekt ist seit Jahren umstritten. Umweltschützer kritisieren, dass
der Bau neuer Autobahnen falsche Verkehrspolitik sei, und fürchten um
Naturflächen wie etwa Moore am Rand der geplanten Strecke.
Umweltschützer kritisieren Auswirkungen auf Moore und Klima
»Der Bau der A20
zerstört Moore und heizt das Klima an«, sagte Anna
Fuchs, Mobilitätsreferentin der Umweltschutzorganisation Robin Wood. Der Organisation zufolge läuft die 214 Kilometer
lange Strecke durch Niedersachsen und Schleswig-Holstein zu etwa 80
Prozent durch kohlenstoffhaltige Moor- und Marschböden. Der Bau
widerspreche »den Klimaschutzgesetzen des Landes Niedersachsen und des
Bundes«.
Die Organisation fordere »die Bundesregierung
auf, öffentliches Geld nicht in den Bau von noch mehr Autobahnen,
sondern in das Schienennetz zu investieren und damit ihren
Verpflichtungen zum Schutz von Klima und Umwelt gerecht zu werden«, sagte Fuchs.
Der erste niedersächsische Abschnitt soll zwischen Westerstede an der A28 und Jaderberg an der A29 nahe Oldenburg entstehen und 13 Kilometer lang sein. Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) sprach von einem »Signal des Aufbruchs«. »Die A 20 sorgt für mehr Mobilität der Bürgerinnen und Bürger,
erleichtert den Transport von Waren, löst logistische Herausforderungen
und befördert den Tourismus«, sagte der SPD-Politiker.
Projekt wird mehrere Jahre Bauzeit beanspruchen
Die Kosten für den ersten Bauabschnitt werden nach Angaben der Autobahn GmbH auf rund 340 Millionen Euro geschätzt. Nach vorbereitenden Arbeiten entlang der Trasse, die bereits im Mai in Wiefelstede begonnen haben, soll Ende 2028 mit dem eigentlichen Straßenbau gestartet werden.
Insgesamt soll die A20 in Niedersachsen mehr als 100 Kilometer lang werden. Der zweite Bauabschnitt befindet sich noch im Planfeststellungsverfahren. In Schleswig-Holstein sind von den geplanten 112 Kilometer bislang rund 39 Kilometer fertiggestellt. Dort erfolgte Ende Mai der Spatenstich für einen weiteren knapp zehn Kilometer langen Abschnitt bei Bad Segeberg.
Der Weiterbau war 2013 vom Bundesverwaltungsgericht wegen unzureichender Berücksichtigung des Fledermausschutzes gestoppt worden. Nach einer Einigung zwischen dem Land Schleswig-Holstein und dem Umweltverband BUND wurden zusätzliche Schutzmaßnahmen sowie eine mit 14 Millionen Euro ausgestattete Fledermausstiftung vereinbart.
Küstenautobahn schon lange umstritten
Auch in Niedersachsen war das Projekt lange umstritten. Nachdem der BUND eine Klage gegen einen Änderungsbeschluss zurückgezogen hatte, besteht seit 2025 Baurecht für den ersten Abschnitt. Gegen einen späteren Abschnitt zwischen Bremervörde und Elm kündigte der Verband jedoch weitere rechtliche Schritte an.
Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Swantje Michaelsen bezeichnete die A20 als besonders klima- und umweltschädliches Autobahnprojekt und forderte stattdessen mehr Investitionen in das deutsche Schienennetz. Unterstützung erhält das Vorhaben dagegen von den Industrie- und Handelskammern der Region. Sie sehen in der A20 einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung, zur Energiewende und zur Verbesserung der Infrastruktur.
