
Auf dem Grundstück stand einmal ein Bürohaus. 2018 wurde es abgerissen, heute steht dort ein Hotel: In Frankfurt-Sachsenhausen, an der Kennedyallee, gegenüber dem „The Florentin“ in der ehemaligen Villa Kennedy, ist vor ein paar Monaten das „Kennedy 89“ eröffnet worden. Die Immobilie gehört einem privaten Entwickler, das Haus wird als Franchise-Objekt der Hyatt-Hotels-Marke „The Unbound Collection“ betrieben. Der Bau mit einer auffälligen dreieckigen Grundform ist 13 Stockwerke hoch, zum Hotel gehört ein Restaurant mit eigenem Eingang im Erdgeschoss, es heißt Eighty Nine, und ein Besuch dort lohnt sich.
Das Essen im Eighty Nine ist levantinisch mit regionalen Akzenten (Gurkensalat mit Radieschen-Sumach-Zwiebeln, Chili-Knusper und Sieben-Kräuter-Joghurt), es ist aromenstark, optisch und geschmacklich farbenfroh und herzhaft auf eine sehr frische Art.
Die levantinische Küche umfasst Gerichte aus der östlichen Mittelmeerregion, zugerechnet werden ihr Traditionen und Gerichte aus Israel und Libanon, aus Syrien, Jordanien, auch aus der Türkei. Viele Speisen sind mit Kichererbsen und Linsen, Pistazien und Nüssen zubereitet, süße Früchte spielen eine Rolle, Rosenblätter, Petersilie, Koriander und Knoblauch. Unverzichtbar sind Mezze, die zum Aperitif geteilt oder in größerer Anzahl als Vorspeisen bestellt werden. Restaurants mit solchem Essen sind selten, solche vor allem, die mit hochwertigen Zutaten umgehen. Ein Lokal dieses Zuschnitts war zuletzt ein Pop-up im damaligen Kempinski-Hotel vor den Toren Frankfurts, das ist Geschichte.
Das Eighty Nine dagegen ist sehr lebendig, mit einem jungen, sehr freundlichen Team und einer ansprechenden Karte. Seit der Eröffnung des Lokals vor ein paar Monaten ist sie überarbeitet worden, ebenso wie einige der Gerichte darauf überarbeitet worden sind. Andere sind ausgetauscht worden, wieder anderes wie etwa der mit vielen Zitrusnoten zubereitete Rosenkohl wird einem womöglich noch einmal begegnen, wenn das Gemüse wieder Saison hat.
Falafel mit Rhabarber: passt
Zu dem, was bei dieser Art Küche wahrscheinlich jeder erwartet, gehört Hummus. Im Eighty Nine wird es mit Nussbutter und einer mit Harissa gewürzten Aprikosensoße serviert, beides passt gut zum Kichererbsenmus. Auch gut: das Baba Ghanoush mit einem schönen, leichten Rauchgeschmack von den gerösteten Auberginen, mit ein bisschen Bärlauchöl und mit gerösteten Pinienkernen obenauf.
Nicht die geringste Leistung eines Restaurants und seiner Küche ist es, heute, morgen und übermorgen auf demselben Niveau Qualität zu bieten. Bezogen auf das Eighty Nine: Hoffentlich werden dort noch lange Kombinationen wie die petersiliensatten Falafel mit Rhabarbersoße, Tahina-Joghurt und eingelegtem japanischem Rettich serviert oder Ideen geboren wie die, gegrillte rote Trauben neben eine Burrata zu legen und die Kugel mit ihrem cremigen Inneren mit Koriandersaat und Hibiskus-Honig auf Radicchioblätter zu betten (Tipp: neben den Mezze auch alle anderen Gerichte als Option zum Teilen verstehen, es ist alles üppig bemessen).
Gute Hauptgerichte: die gegrillte Aubergine auf einem Tomaten-Paprika-Ragout mit Sauerampfer, in Hibiskussud eingelegten Zwiebeln und Zitronenjoghurt, das gebratene Wolfsbarschfilet mit Jakobsmuscheln und Rosen-Harissa-Soße (Gerichte bis etwa 47 Euro).
Gute Weinauswahl, zugewandte Beratung, Fazit: für Falafel-Fans, die Lust auf mehr als Streetfood haben.
Restaurant Eighty Nine im Hotel Kennedy 89, Stresemannallee 28 in Frankfurt. Telefon: 069/25 62 12 34. Öffnungszeiten: täglich von 18 Uhr an. https://eightynine.de/
