Wirtschaftlich betrachtet ergibt es keinen Sinn, dass Friedrich Becker ein paar Hundert Liter seines Spätburgunders für einen Roséwein opfert. Der Pfälzer Winzer zählt gemeinsam mit seinem gleichnamigen Vater zu den deutschen Winzerkoryphäen. Seit den 1980ern verlassen hervorragende Spätburgunder den Beckerschen Weinkeller, nur 200 Meter von der französischen Grenze entfernt, in den vergangenen Jahren gehörten sie zu den besten Rotweinen der Welt.

Doch neuerdings brennen die Beckers eben auch für Rosé.

Rosé aus Deutschland ist erst mal nichts Neues, auch wenn bis Anfang der 2000er die alte Bezeichnung Weißherbst vorherrschte. Die rosa Weine, die besonders bei warmen Temperaturen beliebt sind, werden aus roten Trauben hergestellt. Aber anders als beim Rotwein überspringen die Winzer die sogenannte Maischegärung, bei der das helle Fruchtfleisch mit den dunklen Schalen vermengt und mehrere Tage gemeinsam vergoren wird – so kommt die Farbe in den Rotwein. Weil Rotwein aber eine Diva ist und die Maische das Aroma unreifer oder angefaulter Trauben aufsaugt, pressen viele Winzer ihre zweit- oder drittbesten Trauben direkt nach der Lese und keltern daraus Rosé. Der ist verzeihlicher und wurde bis vor zehn Jahren fast ausschließlich so hergestellt.