
Das Jahr startete nostalgisch. Erst fluteten Rückblenden ins Jahr 2016 die sozialen Medien, dann ließ die Serie „Love Story: John F. Kennedy Jr. & Carolyn Bessette-Kennedy“ den Stil der Neunziger wieder aufleben. Die Fortsetzung von „Der Teufel trägt Prada“ weckte schließlich Erinnerungen an den Chic der Nullerjahre.
Dass Nostalgie nicht nur die Mode fest im Griff hat, zeigten die Reaktionen auf das 2025 angekündigte Comeback der Diddl-Maus. Die stets gut gelaunte Comicfigur war ein Liebling vieler Kinder der Neunziger – und eine stilistische Herausforderung für so manche Eltern. Ende Juli kommt sie nun zurück, heißt es auf der Diddl-Website. Auch wer kein Fan war, fühlt sich beim Anblick der Maus in die Zeit von einst zurückversetzt.
Frösche gegen Dinos, Einhörner gegen Eisbecher
Die Rückschau weckt eine weitere Kindheitserinnerung: jene an Sticker, die man in Alben sammelte. Da glitzerten Flamingos und Ballettschuhe, Dinosaurier und Pferde kamen mit Filzbezug daher, Musikinstrumente funkelten ebenso wie Obst. Diese Miniaturen klebte man in Alben voller Seiten mit leicht glitschiger, sehr funktionaler Oberfläche: Frösche konnten gegen Dinos, Einhörner gegen Eisbecher getauscht und immer wieder umgeklebt werden.
Schreibwarenläden widmeten den Sticker-Rollen ganze Abteilungen, in denen man seine Sammlung kuratierte (und die elterliche Geduld strapazierte). Wenn eine Geschäftsidee den kindlichen Sinn für Ästhetik schulte, dann diese. Es gab Vertreter des Eklektizismus, die glitzernde Eisbecher neben filzige Dinosaurier klebten. Die Minimalisten schufen derweil Farb- oder Themenwelten: Rosa Flamingos klebten sie nur neben andere Tiere oder Objekte im selben Farbton, etwa Ballettschuhe. So entstanden unzählige kindliche Versionen des Designer-Moodboards.
Heute werden Sticker allenfalls in Bücher geklebt, um Bilder zu ergänzen. Die Albumseite, die wie eine leere Leinwand gefüllt werden kann, ist offenbar passé. Dabei zeigt eine Mini-Umfrage unter Kolleginnen mit Sticker-Vergangenheit, wie viel Begeisterung die Erinnerung an einzelne Seiten im eigenen Album und die Haptik der Sticker bis heute weckt.
Immerhin: Auf Plattformen wie Etsy und Ebay findet man eine große Sticker-Auswahl. Das Angebot an Alben ist überschaubar – und kostspielig: Das Exemplar aus der eigenen Kindheit von der Marke Sandylion etwa kostet auf Etsy heute 95 Euro. Der Anblick weckt dennoch große Gefühle. So groß, dass auch das erwachsene Ich sich wieder zum Sammeln verführen lassen würde.
