
„Sie sind unter uns“, heißt es auf der Website der amerikanischen Regierung in neongrünen Leuchtbuchstaben. „Aliens wandeln in unserer Mitte, leben in unseren Nachbarschaften und begegnen uns im Alltag.“ Dazu rieseln vor dem schwarzen Hintergrund kleine Punkte vom Bildschirmrand, die aussehen wie Sterne. Die Optik erinnert an die Science-Fiction-Reihe „Star Wars“, die in fremden Galaxien spielt. Tatsächlich aber ist „alien.gov“ eine Website, die Festnahmen von Migranten in den Vereinigten Staaten auflistet, am Donnerstag freigeschaltet von der Regierung Donald Trumps.
Der Bezug auf die Außerirdischen stammt von der Nutzung des Begriffs „Alien“, der im Englischen auch eine Person bezeichnet, die nicht Bürger des eigenen Landes ist. Die Regierung spricht im Falle von Migranten ohne gültige Aufenthaltserlaubnis von „illegal aliens“. Die Website treibt diese Doppeldeutigkeit nun auf die Spitze.
Festnahmen auf „Alien Arrest Map“ dokumentiert
Dort steht: „Sie haben in den gleichen Geschäften eingekauft, sind in die gleichen Klassen gegangen wie unsere Kinder und haben scheinbar normale Leben gelebt.“ Mit einer Ausnahme – „Sie gehören nicht hierher“. Millionen seien „im Schutze der Dunkelheit“ gekommen und hätten sich sofort „unter die Leute gemischt“. Erst Trump habe auf die Gefahren durch „Aliens“ hingewiesen.
Am Ende des Textes steht ein Tracker, der am Freitag 3,1 Millionen „Sichtungen“ von Migranten ohne Aufenthaltserlaubnis verzeichnete. Nach Angaben der Regierung haben im ersten Jahr von Trumps Präsidentschaft drei Millionen Einwanderer das Land verlassen; 675.000 sind demnach abgeschoben worden, gut zwei Millionen sollen das Land freiwillig verlassen haben.
Auf einer „Alien Arrest Map“ auf der Website sind die Festnahmen im ganzen Land dokumentiert, mit der Zahl in der jeweiligen Region, dem Datum, den angeblichen Vergehen, den Herkunftsländern der Personen und der Frage, ob es Verbindungen zu einer kriminellen Bande gegeben habe.
Entmenschlichende Rhetorik gegenüber Migranten durch Trump und seine Regierung ist nicht neu. Den Begriff der „Invasion“, der auch auf der Website wieder erwähnt wird, hat er vielfach verwendet. Im Wahlkampf sprach der Präsident von Einwanderern ohne gültige Papiere als „Ungeziefer“ und „Tieren“.
Wer will, kann einen „Alien“ melden
Doch die „Alien“-Website dürfte ein neuer Vorstoß sein, um in einer Zeit schlechter Umfragewerte und hoher Benzinpreise wegen des Irankriegs auf die Erfolge der Regierung hinzuweisen. Fünf Monate vor den Kongresswahlen im Herbst, bei denen die Republikaner ihre knappen Mehrheiten in beiden Kammern verteidigen müssen, stehen sie unter Druck: Niedrigere Lebenshaltungskosten für Amerikaner waren neben der Migration ein Kernthema Trumps im Wahlkampf.
Darauf kann sich die Partei dieser Tage nicht berufen, auch wenn der Präsident behauptet, nach einem Ende des Krieges würden die Treibstoffpreise schnell wieder fallen. Stattdessen soll offenbar die Einwanderung wieder in den Vordergrund treten: Schon in einer Kabinettssitzung in dieser Woche hatte Trump seine Ausführungen mit dem Hinweis darauf begonnen, wie erfolgreich er gegen illegale Migration vorgegangen sei.
Gegenüber dem Sender Fox News nannte eine Quelle aus dem Weißen Haus die neue Website ein „einzigartiges“ Projekt. Es solle darauf hinweisen, dass die „durchlässigen Grenzen der vorherigen Regierung“ nicht nur Amerikaner in Grenzgebieten, sondern viele Bürger im Land in Gefahr gebracht haben. Trump macht seit jeher seinen Vorgänger Joe Biden für die hohe illegale Einwanderung verantwortlich.
Wer will, kann auf der Website über einen Link zur Einwanderungspolizei ICE auch gleich einen „Alien“ melden. Dazu heißt es, es bestehe kein Grund zur Sorge, sollte man die „Entführung eines Aliens“ beobachten – dieser sei in guten Händen. Er würde „sicher an seinen Herkunftsort“ zurückgebracht.
