Norwegen will unter den atomaren Schutzschirm Frankreichs kommen. Der norwegische Ministerpräsident Jonas Gahr Støre reiste am Mittwoch nach Paris, um mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron ein entsprechendes Verteidigungsabkommen zu unterzeichnen. Bisher sind die Nato-Länder Europas unter dem atomaren Schutzschirm der USA. Seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump gibt es aber Zweifel, ob die US-Regierung die Europäer etwa in einem Konflikt mit Russland wirklich schützen würde. Norwegen ist nach Polen und Litauen, die ebenfalls an Russland grenzen, das jüngste Land, das Frankreichs Schutz in Anspruch nehmen will.
Macron bezeichnete Norwegen als »wichtigen geografischen und strategischen Partner«. Der norwegische Beitritt bringe einen Mehrwert. »Sie haben zugestimmt, dass Norwegen sich dem anschließt, was wir als vorgelagerte nukleare Abschreckung bezeichnet haben«, sagte Macron. Der Schritt erfolge angesichts des Bewusstseins, dass Europa für seine eigene Sicherheit stärker selbst sorgen müsse. Das Verteidigungsabkommen enthält auch eine Beistandsklausel im Falle eines Angriffs.
Støre sagte am Mittwoch der norwegischen Nachrichtenagentur NTB, der Schritt erfolge angesichts der sicherheitspolitischen Lage in Europa. Dazu gehöre die massive Aufrüstung Russlands, auch im nuklearen Bereich sowie der Umstand, dass die russische Regierung einen umfassenden Krieg gegen ein anderes europäisches Land führe. In Friedenszeiten würden jedoch keine Atomwaffen in Norwegen stationiert, fügte er hinzu.
Norwegen ist traditionell eng mit den USA verbunden
Die Entscheidung ist bemerkenswert, da das Nato-Mitglied Norwegen sicherheitspolitisch traditionell eng an die USA gebunden ist. Das Land mit 5,6 Millionen Einwohnern gehört nicht der Europäischen Union an und teilt in der Arktis eine Grenze mit Russland. Frankreich hatte im März angeboten, seinen Schutzschirm auf andere europäische Länder auszuweiten. Ein Angriff auf Norwegen könnte damit künftig einen französischen atomaren Gegenschlag auslösen.
Bundeskanzler Friedrich Merz hatte im April mitgeteilt, er wolle die Abhängigkeit von den USA abbauen und dabei auch über einen atomaren Selbstschutz der Europäer reden. Im Hintergrund gibt es Überlegungen, wie man den Schutz der EU und Europas verstärkt zusammen mit den Atommächten Frankreich und Großbritannien organisieren kann.
Russland und die USA sind mit jeweils mehr als 5.000 Sprengköpfen die größten Atommächte der Welt. Nach Angaben der US-amerikanischen Wissenschaftler-Vereinigung FAS verfügt China über etwa 500, Frankreich über rund 290 und Großbritannien über 225 Sprengköpfe.
