
Die Stadt Usingen ist eine heimliche Perle des Hochtaunuskreises. Im ländlichen Norden gelegen, 35 Kilometer entfernt von Frankfurt und schlechter erreichbar als der Vordertaunus, lohnt die einstige Residenzstadt jeden Ausflug. Das Rathaus ist ein Fachwerkbau, das Gymnasium ein Schloss, und auch die Kirchen sind besonders. Zudem weiß der Bürgermeister Fördergeld aus Hessen sinnvoll und beständig zu nutzen, für die Sanierung historischer Bauten und die Neugestaltung von Durchgangsstraßen wie Gassen.
Jetzt will auch der Landkreis in Usingen bauen. Ihm gehört das Prinzenpalais. Im Mittelalter war der Bau ein Adelshof, in der Barockzeit muss er ein Schmuckstück gewesen sein. Später zogen eine Gaststätte und eine Poststation ein. Seit 1888 saß die Kreisverwaltung des historischen Kreises Usingen im Palais, weshalb es jetzt dem Hochtaunuskreis gehört. Nach zwölf Jahren Leerstand bröckelt die Fassade.
Die S-Bahn soll auch den Gemeinden im Umland nutzen
Für Usingen ist es gut, dass nun etwas geschehen soll. Der Kreis plant, nach einer Sanierung ein Haus der Kultur aus dem Palais zu machen. Einziehen sollen Volkshochschule und Kulturamt. Das würde die Stadt aufwerten. Zu hoffen ist, dass es den beiden Institutionen künftig gelingt, mit klugen Veranstaltungsideen reichlich Leben in die Mauern einziehen zu lassen. Es ist noch zu früh, um im Detail über ein Café und andere Wohlfühlelemente nachzudenken. Aber der Gedanke, das Prinzenpalais zu einem Treffpunkt für Gäste von nah und ferner zu machen, sollte in der Planung zentral sein.
Wenn es gut läuft, können die Besucher, die in ein paar Jahren des Kreises wegen nach Usingen kommen, mit der S-Bahn anreisen. Bisher hält in der Perle des Hintertaunus nur die Taunusbahn. Aber der Bau der Oberleitungen ist beschlossen. Er wird nicht nur die Stadt aufwerten, sondern auch den Gemeinden im Usinger Land nutzen. Es tut sich also einiges im Norden. Das gilt auch im Kleinen. In der Usinger Schafferei etwa, einem zuvor leer stehenden Ladenlokal, finden Seniorensingen und Eltern-Baby-Treffs, Näh- und Englischkurse statt.
Vielleicht kommt dieses Grundgefühl auch dem Förderverein für das Prinzenpalais zugute. Der Landrat will damit Geld und Zustimmung für die Pläne sammeln. Jedenfalls ist es richtig, dass der Kreis für das Vorhaben, das knapp zehn Millionen Euro kosten könnte, möglichst wenig öffentliches Geld ausgeben will.
