
Wie das Wahre, Schöne, Gute und der schnöde Mammon zusammenkommen, ist auf dem Kunstmarkt ein täglich neues und je nachdem äußerst kostspieliges Vergnügen: Geht es hoch her – etwa weil ein verloren geglaubtes Gemälde von Gustav Klimt wieder auftaucht –, werden Millionenbeträge fällig und macht das Werk Schlagzeilen. Das gilt auch in Österreich, einer im internationalen Vergleich kleinen Kunsthandelsnation auf Wachstumskurs und mit Ambitionen von der Größe seines kulturellen Erbes.
Der öffentlich-rechtliche Spartensender ORF 3 trägt dem seit rund einem Jahrzehnt mit der kurzweiligen Sendereihe „Wa(h)re Kunst“ Rechnung: Da treten Galeristen und Sammler, Künstler und Messeveranstalter vor die Kamera, erzählen von ihrem Tun und gewähren wohlkalkulierte Blicke hinter die Kulissen des Handels, auf dass das Publikum sage: ganz schön interessant und glamourös, diese Sache, also investitionswürdig.
Drittmittel der fragwürdigen Art
Nun aber machen die österreichische Tageszeitung „Der Standard“ und der Investigativpodcast „Die Dunkelkammer“ eine andere Rechnung auf. Für ihre Auftritte im gebührenfinanzierten Fernsehen sollen Vertreter namhafter Kunstgalerien wie Krinzinger und Nächst St. Stephan sowie renommierte Händler wie Wienerroither & Kohlbacher Beträge von bis zu 7200 Euro inklusive Mehrwertsteuer als „Produktionskostenzuschuss“ gezahlt haben – allerdings nicht an den ORF, sondern die mit der Herstellung der Sendereihe betraute Produktionsfirma Popup Media TV+ Film.
Trägt „Wa(h)re Kunst“ seinen doppeldeutigen Titel also in doppelter Hinsicht auch als käufliche PR-Plattform mit journalistischer Fassade? Die in Rede stehenden Tausenderbeträge mögen für umsatzstarke Kunsthandlungen eher kleines Geld im Vergleich mit Kosten für die Teilnahme an wichtigen Messen wie der TEFAF in Maastricht sein. Für die Produktionsfirma könnte das schon anders aussehen, wenn sie tatsächlich, wie vom „Standard“ kolportiert, nur 800 Euro als einmalige Ausstrahlungsgebühr für einen Beitrag von 25 Minuten erhalten sollte.
Lauter Erfolgsgeschichten
Von investigativem Elan ist „Wa(h)re Kunst“ jedenfalls definitiv nicht getrieben, das zeigte zuletzt die im September des vergangenen Jahres erstmals ausgestrahlte jüngste Episode: Da geht es um Erfolge und Sensationen am Kunstmarktplatz Wien, nicht etwa um die andauernden Kunstmessequerelen in der Stadt, einen Schmuggelverdacht um Klimts wiederentdecktes Bild des „Afrikanischen Prinzen“ oder einen Auktionsflop wie den schwierigen Verkauf von Klimts gehyptem Bildnis des „Fräulein Lieser“ im Kinsky.
„Der Standard“ zitiert eine Stellungnahme des ORF, nach der der Sender „weder die Aufgabe noch die Möglichkeiten“ habe, „die Finanzierung von Produkten zu hinterfragen, die er kauft“. Die fraglichen Sendungen seien „redaktionell … abgenommen“ worden – und damit gut. Besser sähe es aus, wenn das auch im Sender nicht das letzte Wort wäre.
