
Es war ein Witz unter Präsidenten. „Ich stelle Ihnen einen jungen Spieler vor, der gerade dabei ist, seinen ersten Profi-Vertrag zu unterschreiben“, sagte Jean-Pierre Rivère, Präsident des OGC Nizza, als er am Freitagabend, kurz vor dem Anpfiff des französischen Pokal-Endspiels, mit Emmanuel Macron sprach, dem Staatspräsidenten Frankreichs. Jeden Spieler seiner Mannschaft, die an diesem Abend in Paris gegen den Racing Club de Lens antrat, stellte Rivère einzeln vor – und löste dabei bei besagtem „Jugendspieler“ einen veritablen Lachanfall aus.
Denn Dante, 42 Jahre alt und am Freitag in seinem 342. Pflichtspiel für die Azuréens im Einsatz, ist so ziemlich das Gegenteil von einem Spieler, der am Anfang seiner Laufbahn steht. Das Pokalfinale, das er mit Nizza letztlich 1:3 verlor, war das erste von insgesamt drei Spielen, das der Brasilianer in der letzten Woche seiner mehr als 20 Jahre langen Spielerkarriere noch bestreiten will. Denn auf das Finale folgen zwei weitere Endspiele. In den Relegationsspielen gegen die AS Saint-Etienne am Dienstag und Freitag gilt es für Dante den ersten Abstieg seiner Profilaufbahn zu vermeiden.
Dante, ehemals Profi in der Bundesliga bei Borussia Mönchengladbach (2009–2012), Bayern München (2012–2015) und beim VfL Wolfsburg (2015–2016), nimmt dabei nach wie vor eine zentrale Rolle in Nizzas Team ein. Er ist Stammspieler, Abwehrchef und ein Vorbild für die Jüngeren. Dass sein Engagement bei dem Klub insgesamt nun zehn Jahre lang gedauert hat, hätte wohl niemand geglaubt, als ihn Lucien Favre im Sommer 2016 an die Côte d’Azur lockte. Erst vor wenigen Monaten hatte er dann aber mitgeteilt, dass er seine Karriere, die er 2002 beim brasilianischen Klub Juventude begonnen hatte, im Sommer 2026 beenden würde.
Trainerschein in der Länderspielpause
„Ich musste mich festlegen, auch damit der Verein die Zukunft planen kann“, sagte er zuletzt. „Ein Jahrzehnt im Verein – das ist eine schöne Zahl. Das Wichtigste ist, dass ich mich noch motiviert fühle und in der Lage bin, meinen Beitrag zu leisten. Ich wollte immer schon auf dem höchsten Level aufhören.“
Dante will unbedingt verhindern, dass er auf den letzten Metern doch noch das erste Mal mit seiner Mannschaft absteigt. Selbst bei Mönchengladbach, das 2011 zur Winterpause nur 10 Punkte auf dem Konto hatte, schafften er und sein Team einst noch die Wende. Dante hatte damals eine Wette abgeschlossen: Er, berühmt auch für seine voluminöse Lockenpracht, würde sich den Kopf rasieren, wenn die Mannschaft den Klassenverbleib schaffen würde.
Nun steht Dante vor der letzten Herausforderung seiner Laufbahn. „Ich will mich auf keinen Fall mit dem Abstieg in die Ligue2 verabschieden, das wäre der Horror“, sagte Dante. „Es ist klar, dass ich sehr bewegt sein werde, wenn wir am Ende den Klassenverbleib sichern.“ Dabei scheint seine Zukunft in der Fußballbranche auch so schon gesichert. In den vergangenen zwei Jahren hat Dante jeweils während den Länderspielpausen in Cardiff seinen Trainerschein gemacht.
Nun wird mit großer Wahrscheinlichkeit nach München zurückkehren und dort die U 23 des FC Bayern übernehmen, wo er Holger Seitz beerben soll. Sein Ziel: eine Trainerlaufbahn, die am Ende mindestens genauso lange und erfolgreich wird wie seine Spielerkarriere. In Dantes Fall ist das nämlich gar nicht so einfach.
