
Bedrohungen und Körperverletzungen sind unter den Übergriffen auf hessische Lehrer die häufigsten Delikte. Die Zahl der Verletzungen des Persönlichkeitsrechtes durch Bildaufnahmen ist im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2024 von vier auf zehn gestiegen. Auch sexuelle Übergriffe spielen eine Rolle.
Das geht aus der Antwort des Kultusministeriums auf eine parlamentarische Anfrage des stellvertretenden Vorsitzenden der FDP-Fraktion Moriz Promny hervor. Demnach wurden 2023 insgesamt 118 Delikte von Schülern gegen Lehrer registriert. Im darauffolgenden Jahr stieg die Zahl auf 216. Für 2025 verzeichnet die polizeiliche Kriminalstatistik 164 „Straftaten zum Nachteil von Lehrkräften“.
Die absoluten Fallzahlen seien im Verhältnis zu den 860.000 Schülern und 67.000 Lehrkräften an mehr als 2000 Schulen „vergleichsweise gering“, schreibt der Staatssekretär im Kultusministerium, Manuel Lösel. Aber selbst wenn die Vorgänge im Verhältnis zur Größe des hessischen Schulsystems überschaubar seien, führe dies nicht dazu, dass die Notwendigkeit einer speziellen Prävention und der Unterstützung für Opfer an Bedeutung verliere.
Der Rückgang der Zahlen von 2024 sei erfreulich, aber nicht so stark wie der vorherige Anstieg, konstatiert der Fragesteller Promny. „Der Trend ist nicht gut.“ Für 2025 verzeichnet die Statistik 78 Bedrohungen und 57 Körperverletzungen. Insgesamt fünfzehnmal kam es zu Beleidigungen, übler Nachrede und Verleumdung „auf sexueller Grundlage“. Einmal hält die polizeiliche Kriminalstatistik „Nötigung im Straßenverkehr“ fest.
Aggressivität im Kindesalter
Die Fälle werden nicht schon erfasst, sobald sie bekannt werden, sondern erst nach dem Abschluss der polizeilichen Ermittlungen, aber vor dem Abschluss eines Strafverfahrens.
Das Kultusministerium verfügt auch über eine Aufstellung zum Alter der Täter. Im Jahr 2025 handelte es sich in 88 Fällen um Jugendliche, 53 Schüler befanden sich im Kindesalter, 38 waren schon erwachsen. Frankfurt und Wiesbaden sind die Städte, in denen in den zurückliegenden drei Jahren die meisten Übergriffe registriert wurden.
Lehrkräfte, die Gewalterfahrungen in der Schule gemacht haben, können eine spezielle psychologische Beratung in Anspruch nehmen. Sie reicht von Gesprächen zur Verarbeitung des Ereignisses über die Stärkung im Umgang mit solchen Belastungen bis hin zu Informationen über externe Hilfeangebote.
Neues Kompetenzzentrum
Die Schulleiter verfügen über einen „Handlungsleitfaden für Schulen bei Gewalterfahrungen von Lehrkräften“. Er soll dazu führen, dass sie nach solchen Vorfällen gemeinsam mit dem zuständigen staatlichen Schulamt effektiv handeln. Daneben werden Lehrkräften beispielsweise Fortbildungen zu Themen wie Konfliktbewältigung, Resilienz, Deeskalation oder soziales Lernen angeboten.
Gegenwärtig wird das hessische „Kompetenzzentrum Gesunde Schule“ eingerichtet. Zusammen mit dem Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin am Universitätsklinikum Frankfurt bündelt es erstmals Angebote zur Gesundheitsförderung von Lehrkräften und schulischem Personal in Hessen. „Das Kompetenzzentrum wird im Jahr 2026 sukzessive seine Tätigkeit aufnehmen“, kündigt Lösel an.
Um die Prävention von Gewalt und sexuellem Missbrauch zu stärken, entwickeln alle Schulen einschlägige Schutzkonzepte. Schon seit 2002 gibt es ein ressortübergreifendes Netzwerk gegen Gewalt. Es soll gesellschaftliche Kräfte mobilisieren und Akteure der Gewaltprävention in Hessen miteinander vernetzen.
Lehrer können außerdem an der Kampagne „Gewalt-Sehen-Helfen“ teilnehmen. Das Programm wurde vor 20 Jahren durch die Stadt Frankfurt am Main in Kooperation mit dem dortigen Polizeipräsidium entwickelt. Es soll die Gesellschaften in den Themen Gewaltprävention, Konfliktmanagement und Zivilcourage stärken.
