
Markus Krösche ist immer auf der Suche. Daher bedeutet es für den Sportvorstand der Frankfurter Eintracht keinen großen zusätzlichen Stress, zum zweiten Mal in diesem Jahr einen neuen Cheftrainer verpflichten zu müssen. Selbst wenn der Zufriedenheitsfaktor mit dem Chefcoach noch hoch ist, werden Augen und Ohren offengehalten, falls irgendwann einmal Handlungsbedarf entstehen sollte. So stieß Krösche vor längerer Zeit auf Albert Riera. Die Eintracht-Fans werden Krösche diesmal ein glücklicheres Händchen bei seiner Entscheidung wünschen.
Da alle in der Branche Augen und Ohren offen halten und den Mund nicht immer halten, werden die Namen der Trainer in den Medien schon länger gehandelt, über die sich Krösche schon mal informierte: Mike Tullberg, früherer Coach von Borussia Dortmund und aktuell in Dänemark beim FC Midtjylland unter Vertrag, Matthias Jaissle aus der RB-Leipzig-Schule, derzeit bei Al-Ahli, Alexander Blessin, Trainer des Bundesliga-Absteigers FC St. Pauli, der frühere Eintracht-Trainer Adi Hütter, aktuell vereinslos, Domenico Tedesco, zuletzt bei Fenerbahçe entlassen, früher bei RB Leipzig und Schalke 04 verantwortlich. Auch Christian Eichner wird als Kandidat gehandelt, nachdem er sich entschloss, den Zweitligaverein Karlsruher SC zu verlassen.
Sorgt Markus Krösche diesmal für keine Überraschung?
Ob es jemand von ihnen wird? Völlig offen, in der Vergangenheit war Krösche immer für Überraschungen gut. Es ist aber nach den jüngsten Erfahrungen damit zu rechnen, dass es auf eine konservativere Lösung hinauslaufen wird, mit einer höheren Wahrscheinlichkeit auf Erfolg. Zwei Kernkompetenzen muss der neue Chef besitzen, Mannschafts- beziehungsweise Menschenführung sowie die Bereitschaft und die Fähigkeit, junge Spieler zu entwickeln.
Die vergangene Saison in Frankfurt hat gezeigt, aber es gibt auch viele andere Beispiele: Taktische Raffinesse, individuelle Klasse der Spieler sind wichtige Details, aber das Ganze wird erst zum großen Erfolg, wenn die Grundlagen stimmten: eine positive Grundstimmung, Teamgeist, gegenseitiger Respekt, Disziplin. Bayern München und Paris St-Germain sind die besten europäischen Mannschaften in dieser Spielzeit, weil sie besser harmonieren als Real, Arsenal oder Manchester City.
Krösche sucht einen Trainer, der gerne gegen den Satz anarbeitet, Qualität lässt sich nicht trainieren, und der die Gabe besitzt, eine große Gruppe so zu führen, dass jeder Einzelne zur Einsicht gelangt, dass die Gemeinschaft wichtiger ist als die persönliche Befindlichkeit. Darin bestand das größte Manko während der vergangenen Spielzeit, da Riera diese Rolle wegen seiner Persönlichkeit nicht ansatzweise ausfüllen konnte und weil kein anderer da war außer Krösche, Menschliches und Zwischenmenschliches zu moderieren oder zu lösen.
Sollte die Eintracht keinen ausgesprochenen Menschenfänger als Trainer verpflichten können, wäre es eine gute Idee, eine Persönlichkeit mit dieser Eigenschaft zusätzlich hereinzuholen. Im aktuellen Organigramm ist niemand in der Lage, Krösche vor Micromanagement zu bewahren und dessen ausgeruhten Blick auf das große Ganze zu erhalten.
