Erdoğan hat nun auch die Führung der größten Oppositionspartei in der Türkei an sich gerissen. Er nutzt eine Masche, die schon das DDR-Regime verwendete.
Für autoritäre
Herrscher, die nur das Beste für ihr Volk wollen, kann so eine richtige
Opposition eine ärgerliche Sache sein. Die politischen Opponenten nörgeln, blockieren
und wiegeln das Volk auf. Das stört den Herrscher beim Regieren. In der Türkei zieht
Recep Tayyip Erdoğan nun die Konsequenzen. Er reformiert nicht etwa die
siechende Wirtschaft oder den Nepotismus im Staat, sondern die Opposition.
Dafür trägt
der türkische Herrscher gerade die älteste Partei der türkischen Republik zu
Grabe, die Republikanische Volkspartei CHP. Erdoğan-hörige Richter haben gleich
mehrere Wahlen des CHP-Parteivorsitzenden Özgür Özel für ungültig erklärt. Erdoğan hat das Hauptquartier der CHP in Ankara von der Polizei stürmen lassen,
Özel aus seinem Büro vertreiben und einen Vorsitzenden nach Regime-Geschmack
einsetzen lassen. Es ist Kemal Kılıçdaroğlu, der gegen Erdoğan gleich mehrere
Wahlen verlor. Das hat er gut gemacht, findet Erdoğan. Seither betätigt sich der
glücklose Kandidat als Erfüllungsgehilfe für den Herrscher. Kılıçdaroğlu soll
nun die CHP in einen handzahmen Präsident-befiel-wir-folgen-dir-Verein umbauen.
