
Der kleine Feinkostladen an der Ecke ist verschwunden. Wenn so ein Lebenstraum in der Nachbarschaft zerplatzt, ist das nicht nur für die Inhaber bitter. In jüngster Zeit sind in Frankfurt allerhand gute Orte verschwunden. Oft, weil horrende Mietsteigerungen kommen, und oft auch, weil in Frankfurt die Gebäude gleich mit verschwinden. Dann kann man meist nichts machen.
Wenn es nur daran liegt, dass die Zahlen nicht stimmen, müssen in der Privatwirtschaft die Inhaber rechnen – aber auch diejenigen, die immer beteuern, dieser oder jener Ort sei so unglaublich wichtig. Und dann viel zu selten hingehen. Das, was Eva Demski „Frankfurter Amnesie“ nennt, das rasche Vergessen dessen, was vorher an einem Ort gewesen ist, setzt bei denen ein, die allenfalls die Fassade kannten und mit den Orten keine wesentlichen Erlebnisse verbinden. Die anderen bekommen Phantomschmerz. Im besten Fall entstehen für sie neue Orte, die ähnliche Qualität haben. Denn auch ein Einkauf oder eine Tasse Kaffee sind Möglichkeiten der Begegnung, des Austauschs.
Weder für das Feinkostlädchen noch für das Strandcafé an der Koselstraße, das eine Institution der Frankfurter Sponti-Szene war und am 29. Mai zum letzten Mal öffnet, haben sich Protestzüge und Politiker starkgemacht. Für die als älteste Lesbenbar Deutschlands bezeichnete und inzwischen geschlossene Bar „La Gata“ und den Club Voltaire aber schon, weil sie Schutz- oder Diskursräume seien.
Die Bezeichnung treibt die Emotionen hoch, im Nu werden Erwartungen regelrecht an die öffentliche Hand delegiert. Erst recht, wenn es sich um niedrigschwellige, sogenannte konsumfreie oder zumindest preisgünstige Räume handelt. Umso nötiger wird es auch in Zukunft sein, genau hinzusehen und dann zu fragen, ob und welches Eingreifen geboten ist. Über den Protest hinaus.
