Für den Gastgeber hätte es kaum besser laufen können: ein verdienter Finalsieg über den wohl größten Konkurrenten, eine mitreißend segelnde Frauen- und Nachwuchs-Crew sowie eine beeindruckende Kulisse mit besten Bedingungen im „Golf der Engel“ vor der Küste von Sardiniens Hauptstadt Cagliari. Nach der ersten offiziellen Vorregatta am Pfingstwochenende und gut ein Jahr vor dem Start in die offizielle Qualifikationsrunde für den in Neapel stattfindenden 38. America’s Cup ist in Italien die Vorfreude bei Fans, Fachleuten und dem gesamten Luna-Rossa-Team bereits riesig.
„Das ist mein erster Sieg in dieser grauen Uniform und ein tolles Gefühl. Wir haben als Team gezeigt, was wir draufhaben. Und das ist sehr zufriedenstellend“, sagte Luna-Rossa-Skipper Peter Burling nach dem Start-Ziel-Sieg im finalen Match Race gegen die Cup-Verteidiger aus Neuseeland, als er und seine Crew sich im Hafen von Cagliari von tausenden Zuschauern feiern ließen.
Die Schweizer bringen ihre Yacht zum Kentern
Der 35 Jahre alte Burling war erst im vergangenen Jahr nach drei zum Teil beeindruckend herausgesegelten Triumphen mit dem Team New Zealand zu den stets in dezentem grau-rot gehaltenen und von Prada-Chef Patrizio Bertelli finanzierten Italienern gewechselt. Als Nachfolger des mitunter glücklos segelnden Australiers Jimmy Spithill soll der Neuseeländer nun die Leichtigkeit zurück an Bord der Luna-Rossa-Yacht bringen und sie im nächsten Sommer vor heimischer Kulisse bestenfalls zum ersten italienischen Sieg in der dann 175-jährigen Geschichte des ältesten und und traditionsreichsten Segelwettbewerbs der Welt führen.
Den ersten Schritt zum größtmöglichen Erfolg haben Burling und seine Crew nun gemacht und fast hätte es sogar einen italienischen Doppelsieg gegeben: So war das von Margherita Porro angeführte Frauen- und Nachwuchsteam von Luna Rossa an den ersten beiden Renntagen auf ihrem foilenden und nahezu über das Mittelmeer fliegende AC40-Monohull derart unbekümmert und stürmisch unterwegs gewesen, dass die Crew das Gesamtklassement am Sonntagmorgen sogar noch anführte. Ein Frühstart sowie mehrere kleine Strafen sorgten dann allerdings dafür, dass die Crew das Finale gegen das eigene und eigentliche America’s-Cup-Team schließlich nur knapp verpasste.
Durchwachsene Bilanz für die Franzosen und Briten
Zufrieden mit ihrer Performance in Cagliari dürften auch die Franzosen vom La-Roche Posay Racing Team mit ihrem vierten Platz in der Gesamtwertung sein. Ein eher durchwachsenes Fazit ziehen dagegen das Tudor-Team aus der Schweiz sowie die Briten um ihren Skipper Dylan Fletcher als sechst- sowie acht- und damit letztplatzierte Crews. Während die Schweizer ziemlich schwach in die insgesamt acht Rennen starteten, ihre AC40-Yacht sogar einmal zum Kentern brachten und sich in den drei Renntagen vor Cagliari nur schrittweise steigerten, hatte die Yacht von GB1 immer wieder mit technischen Problemen zu kämpfen und kam so überhaupt nur in drei Rennen über die Ziellinie – dann allerdings jeweils einmal als erstes, zweites und drittes Boot.
Die nächste Standortbestimmung auf dem Weg zum 38. Cup steht für die Teams dann Ende September in Neapel an. Dort werden dann aller Voraussicht nach auch die Yachten der Teams aus den Vereinigten Staaten und Australien an den Start gehen. Beide Syndikate hatten ihre Kampagnen erst im vergangenen Monat offiziell gestartet und sich noch nicht in der Lage gesehen, ein konkurrenzfähiges Boot samt einer auf allen Positionen passend besetzten Crew in Cagliari an den Start zu bringen.
Nichtsdestotrotz ist die angekündigte Teilnahme der beiden Länder in einem Jahr für das Prestige und den sportlichen Wert der nun mit insgesamt sieben Teams ausgetragenen 38. Ausgabe der Regatta von ungemeiner Bedeutung. Haben doch sowohl Crews aus den Vereinigten Staaten sowie aus Australien in der Vergangenheit bereits mehrfach Cup-Geschichte geschrieben und sich auch für den Wettbewerb in Neapel viel vorgenommen – auch, wenn beide Teams im Sommer 2027 wohl nicht zu den Favoriten zählen werden. Auch in dieser Hinsicht könnte es für die gastgebenden Italiener kaum besser laufen.
