Ein Eisenbahnabteil der dritten Klasse, im Vordergrund sitzt eine junge Frau, eine Träne rinnt ihre rechte Wange hinab; hinter ihr steht, weit über ihre Sitzlehne gebeugt, ein zudringlicher Mann mittleren Alters, der auf sie einredet und sich um ihr Unbehagen nicht zu kümmern scheint.
1874 hat der Maler Berthold Woltze dieses Bild auf der Berliner Kunstausstellung präsentiert. 150 Jahre später ist es zum Internet-Meme geworden. Seit dem Höhepunkt der MeToo-Debatte um das Jahr 2020 kursiert es in den sozialen Netzwerken, immer wieder taucht es von Neuem auf, wird es weitergereicht und neu kommentiert. Der lästige Kavalier, unter diesem Titel ist es heute bekannt. Es ist das Werk eines Vergessenen. Und es erzählt mehr, als auf den ersten Blick zu erkennen ist.
