Auf die Fürstin Lucie Pückler wartete keine Familiengrablege und schon gar kein Tumulus. Der alte Branitzer Dorffriedhof auf dem Vorparkgelände, wo sie am 13. Mai 1854 bestattet wurde, war seit einigen Jahren aufgelassen. Vielleicht war dieser Ort ihre Wahl, denn der Weg nach Cottbus führte dort vorbei. Vielleicht war es ihr aber auch einerlei.
Fürst Hermann von Pückler, der weithin bekannte Schriftsteller und Gartenkünstler, von 1817 bis 1826 Ehemann, dann Ex-Gatte, aber weiterhin Lebenspartner der Verstorbenen, hatte sein Branitzer Anwesen bereits im August 1853 verlassen und der Fürstin überlassen. Das Zusammenleben der beiden an einem Ort funktionierte nur in kurzen Zeiträumen. Sie mochten und schätzten einander, aber sie ertrugen einander besser aus der Ferne.
Als sie im Sterben lag, bekundete der Fürst gerade Heinrich Heine in Paris seine Wahlverwandtschaft. Sie würde noch lange leben, er könne und wolle dieses Frühjahr nicht nach Branitz kommen, schrieb er ihr im März 1854, „und damit Punktum“.
„In einer Zeit des Unglaubens und der Freigeisterei“
Die Leichenpredigt für Lucie hielt der neue Cottbuser Superintendent Ebeling, ein „wahrer Pietist, dem die verewigte Frau Fürstin nicht fromm genug war“, so einer der Zuhörer. Ebeling meinte, die Fürstin sei in einer „Zeit des Unglaubens und der Freigeisterei“ aufgewachsen und habe „die damals empfundenen Eindrücke“ nie überwinden können, sei also „nicht so fromm und ehrfürchtig gewesen, wie es sein sollte“. Die angereisten ehemaligen Untertanen der Fürstin aus Muskau waren derart entrüstet über die Rede, dass sie Ebeling danach „ihren Unwillen“ vermittelten und das Gerede darüber bis zum Fürsten hallte.

Zwar wurde Lucie privilegiert geboren, aber auch sie musste sich ihre Unabhängigkeit, soweit das für Frauen jener Zeit überhaupt möglich war, erst erringen. Vor allem die für sie so wichtige „Unabhängigkeit des mütterlichen Willens und die unbeschränkte Disposition des Vermögens“. Auf diesem Weg half ihr ein Freund, und der hieß nicht Pückler, sondern Jean-Baptiste Bernadotte (1763–1844), Marschall Napoleons, seit 1810 Kronprinz von Schweden und Begründer des dort noch heute regierenden Königshauses.
Die „Zeit des Unglaubens und der Freigeisterei“, in die sie als Gräfin Lucie Anna Christine Wilhelmine von Hardenberg-Reventlow am 9. April 1776 hineingeboren wurde, war vor allem eine Zeit fundamentaler sozialer und politischer Umbrüche. Das waren Folgen der Französischen Revolution und von Napoleons Aufstieg, der Europa radikal veränderte.
Das Politische privat, das Private politisch
Was Lucie in jungen Jahren lernte, war vor allem, dass das Politische privat und das Private sehr politisch sein konnte und dass sich dadurch auch für Frauen bestimmte Handlungsspielräume ergaben. Persönliche Beziehungen, Familiendynamiken, Liebes‑ und Freundschaftsverhältnisse prägten häufig Staats‑ und Machtentscheidungen – eben weil Politik nicht in durchsichtigen Institutionen, sondern im engen Kreis von Hof, Familie und vertrauten Beratern verhandelt wurde. Außerdem reisten persönliche Berichte, Anekdoten, Klatsch und Kommentare in Salons, Vorzimmern und privater Korrespondenz schneller als offizielle Akten.
Wo lernte sie das? Wenn es einen Stempel gab, den sie trug, war es der: „Tochter des preußischen Staatskanzlers“. Karl August von Hardenberg (1750–1822) trat dieses Amt 1810 an. Er stammte aus einem Uradelsgeschlecht in Nörten bei Göttingen und heiratete 1774 die 15-jährige Christiane von Reventlow (1759–1793). Sie kam aus einer der wichtigsten dänischen Adelsfamilien und galt als reichste Erbin der nordischen Länder. Das lebenslustige Paar hatte einen lockeren Umgang mit Geld und lebte in Hannover, Hardenberg war dort Kammerrat.

Der Sohn Christian wurde 1775 geboren, ein Jahr später folgte Lucie. Wie ihr Bruder wurde sie standesgemäß erzogen, was neben guter Ausbildung durch Privatlehrer die weitgehende Abwesenheit der Eltern bedeutete. Sie gingen, als Lucie fünf war, an den Londoner Hof, von dem aus dank der Personalunion auch Kurhannover regiert wurde. Hardenberg spekulierte darauf, Leiter der Deutschen Kanzlei zu werden. Doch der Plan endete in einem Fiasko: Die Stellung blieb ihm verwehrt, seine Reformvorschläge für Hannover wurden ignoriert, und zu allem Überfluss erregte seine attraktive Ehefrau das Interesse des britischen Thronfolgers.
Der Skandal zwang Hardenberg, seinen Abschied zu nehmen. 1789 ließen sich Lucies Eltern scheiden, was für die Mutter offenbar den Verlust eines Großteils ihrer Erbansprüche und ein zurückgezogenes Leben fern ihrer Kinder zur Folge hatte. Für den Vater brachte die Vermögensauseinandersetzung einen großen Schuldenberg. Lucies Bruder Christian – laut Vertrag als Erbe der dänischen Güter vorgesehen – lebte nach der Scheidung hauptsächlich in Dänemark, Lucie abwechselnd bei ihren Großmüttern Anna von Hardenberg, die als Witwe nach Gera gezogen war, und Ida Lucie von Thienen auf Sierhagen und Wensin in Holstein, das zu Dänemark gehörte. Lucie war kein stilles Kind, eher temperamentvoll, aufbrausend und energisch. Noch in späten Jahren entschuldigte sie das mit ihrem „Hardenberger Naturell“.
Hardenbergs Vorstellungen effizienter Staatsverwaltung
Ihr Vater wurde 1790 Chef der neuen preußischen Provinz Ansbach-Bayreuth, regierte damit als eine Art „Vize-König“ in Franken. Dort konnte er seine Vorstellungen von einer effektiven Staatsverwaltung umsetzen. Lucie weilte immer häufiger bei ihm in der Residenz Ansbach oder auch in der Eremitage bei Bayreuth, die er als Sommersitz nutzte. Ihr Vater war klug, humorvoll und besaß Taktgefühl, was ihn zu einem beliebten Gesprächspartner machte, außerdem war er ein guter Erzähler. Nürnberg, Aschaffenburg oder Schwetzingen bereiste Lucie mit ihm und seiner aktuellen Geliebten, die bald Ursache für eine zweite Scheidung wurde.
Der Vater suchte nach einer guten Partie für die Tochter. Er wurde unweit von Ansbach fündig. Im März 1795 lernte Lucie den Reichsmarschall und Rittmeister Carl Theodor von Pappenheim (1771–1853) kennen, der gerade aus dem ersten Koalitionskrieg gegen Frankreich zurückkam.

Sie heirateten am 26. Juni 1796 in Ansbach und fuhren dann in sein Schloss in Pappenheim an der Altmühl. Im März 1797 wurde die Tochter Adelheid geboren, im April 1798 die Tochter Ida. Mit beiden reiste Lucie für ein halbes Jahr nach Holstein, hauptsächlich an den Hof in Eutin. Nach der Rückkehr starb im August 1800 plötzlich die kleine Ida. Zwei Monate später bekam Lucie einen Sohn, Carl Arthur starb nach drei Monaten. Die Eheleute stritten oft, wohl auch, weil Pappenheim chronisch untreu war. Hardenberg notierte im Herbst 1802 „schlimme Szenen“. Eine Lösung wurde gefunden: Lucie zog im November in das einige Kilometer von Ansbach entfernte Schloss Dennenlohe, das Pappenheim dafür erwarb.
Kontakt zu Marschall Bernadotte
Lucie genoss ihre Freiheit und lebte selbstbestimmt, wenn auch mit diplomatischen Verpflichtungen. So empfing sie in Dennenlohe im Juni 1803 gemeinsam mit ihrem Vater, mittlerweile preußischer Außenminister, das Königspaar Friedrich Wilhelm III. und Luise, das auf Antrittsreise durch Franken war. 1806 sah die Lage anders aus. Ansbach‑Bayreuth war Durchzugsgebiet französischer Truppen, und im Schloss Dennenlohe gaben sich Napoleons Truppenführer ein Stelldichein: Oudinot, Gérard, Davout, Eblé, Lefebvre und Bernadotte. Letzterer befehligte die französischen Truppen im Raum Ansbach, wo Lucie ihn am 13. März erstmals traf. Sie sprach offenbar die Probleme durch die Besatzung an, denn er bestätigte ihr kurz darauf in einem Brief: „Ich werde mich um die Last, die auf diesem kleinen Land Pappenheim liegt, kümmern. Ich schreibe an den Marschall, dessen Truppen diesen Landstrich belagern.“
Bis August war er mehrfach bei ihr zu Gast in Dennenlohe, es entstand ein enges Vertrauensverhältnis. Ab 1807 wurde Bernadotte Gouverneur der Hansestädte und Oberbefehlshaber an der Nordsee. Lucie lebte ab dieser Zeit im dänischen Altona mit ihrer Tochter Adelheid und der als Gefährtin für Adelheid aufgenommenen Pflegetochter Helmine Lanzendorfer, die 1798 als Kind eines Pappenheimer Kutschers geboren worden war. Christian berichtete an den Vater, sie logiere „sehr geschmackvoll eingerichtet“ und lebe „in der französischen Gesellschaft“. Bernadotte besuchte sie ab und an.
Napoleon hatte Preußen in die Knie und Lucies Vater ins Exil gezwungen. 1808 durfte Hardenberg nach Berlin zurückkehren, im Gepäck das Konzept für eine „Revolution von oben“, die mit grundlegenden Reformen einhergehen sollte. Am 4. Juni 1810 ernannte ihn der König zum Staatskanzler, ein neues Amt mit einer außergewöhnlichen Machtfülle.
Korrespondenz mit Bernadotte, nunmehr Karl XIII. von Schweden
Noch fabelhafter war das Schicksal Bernadottes. Den Advokatensohn aus Pau wählte der schwedische Reichstag zum Kronprinzen, weil der schwedische Monarch Karl XIII. selbst keinen eigenen Erben hatte. Gesucht wurde eine Persönlichkeit, die Schweden im neuen europäischen Machtgefüge verankern und mit Frankreich umgehen konnte. Bernadotte war Napoleon schon länger aus politischen Gründen ein Dorn im Auge. Als ihn das schwedische Angebot erreichte, sah er darin eine Chance, nicht nur einen neuen Thron, sondern eine eigene politische Basis zu gewinnen – außerhalb von Napoleons direkter Kontrolle. Napoleon stimmte zu, weil er sich Einfluss im Norden erhoffte.
Lucie blieb in Altona, Bernadotte unterschrieb seine Briefe jetzt mit Charles Jean. Sie war seine „Kundschafterin“, wie es der gut informierte Karl August Varnhagen von Ense als Gerücht überlieferte. Im September 1810 bat Bernadotte: „Mache mir so viele Freunde, wie es dir möglich ist. Lass mich alles erfahren, was mich interessieren könnte, aber vor allem vermeide alles, was wem auch immer eine Angriffsfläche bieten könnte. Die Menschen sind so böse und so neugierig, dass man ihnen nie eine schwache Seite zeigen darf.“

Die Korrespondenz lief meist über Vertraute, auch Chiffren fanden Verwendung. Der Inhalt war eine Mischung aus liebevoller Zuwendung, Freundschaftsbeweisen und einem Austausch über die politischen Fragen der Zeit – mit durchaus romantischen Zügen: „Ich warte voller Ungeduld auf ein paar Zeilen, geschrieben von deiner schönen Hand und diktiert von deinem vorzüglichen Herzen. Sag mir alles, was du willst, was du hörst, was du denkst und was du ahnst, denn ich habe ein absolutes Vertrauen […]. Liebe mich ein wenig, und strafe das alte Sprichwort Lügen, dem nach diejenigen, die nach ganz oben gekommen sind, kaum Freunde haben. Ich meinerseits weiß, dass ich nie aufhören werde, dein Freund zu sein.“
Lucie liebte den klugen Taktiker nicht wenig, empfing ihn zwischendurch auf dem Gut Hasselburg in Holstein, sorgte sich um ihn und schrieb ihm ihre Einschätzungen der politischen Großwetterlage: „Der Ehrgeiz des [russischen] Kaisers ist nun das zentrale politische Thema; jeder schaudert beim Gedanken an diesen Ehrgeiz und die damit verbundenen Mittel. Die Engländer, deren Aufmerksamkeit diesem Thema am stärksten gilt, sind sehr aktiv, intrigieren und schmieden Komplotte auf allen Seiten. Österreich ist wachsam und auf der Hut; Preußen vertraut auf seine alte und beständige Freundschaft, wenn auch nicht ohne Sorge angesichts der räumlichen Nähe.“
Informationen und Schmeicheleien
Weil er sich an öffentlicher Kritik störte, tröstete sie ihn: „Sie, mein lieber Prinz, wurden zu sehr beneidet, als dass man Ihnen nicht schaden wollte, und seit Leipzig [Völkerschlacht bei Leipzig 1813; gemeint ist Bernadottes zögerliche Kriegführung] wurde viel Kritik an Ihnen geübt. Für die Zeit davor sprechen Ihnen alle, die fair denken, Gerechtigkeit aus. Schließlich besitzen Sie solchen Geist, solche Mittel und einen so glänzenden militärischen Ruf, dass Sie sich über alle erheben und Generäle wie P. und andere als eine Schafherde betrachten müssen, die eine Staubwolke aufwirbelt, die der Wind bald verwehen wird.“
Seine Dankbarkeit bewies Bernadotte im August 1815, als er Lucie 200.000 preußische Ecus (Taler) übersenden ließ und dazu schrieb: „Diese Summe verhilft Ihnen zumindest zu einer Unabhängigkeit, in der ich Sie wissen möchte. Ich habe in Ansbach Schulden gemacht, die ich jetzt abzahle. […] Ohne mich jemals von der zärtlichen Verbindung losmachen zu wollen, von der Sie mir so viele Beweise geliefert haben.“
So wurde die Tochter des Staatskanzlers finanziell unabhängig und entschied sich für einen Neuanfang in Preußen. Nach einigen Monaten in Frankfurt am Main zog sie im Februar 1816 nach Berlin. Sie traf dort Graf Hermann von Pückler (1785–1871) und verlobte sich mit ihm. Er vermittelte wohl den Kontakt zum Fürsten Heinrich zu Carolath-Beuthen, der am 1. Juli 1817 Lucies Tochter Adelheid heiratete. Das Diner ihnen zu Ehren gab Hardenberg, der sich über die Verbindung seiner Enkelin mit dem „so angesehenen als allgemein gerühmten Mann“ freute.
Der flamboyante Fürst Pückler
Ob er sich über den unbekannten Grafen Pückler auch freute? Lucie sah vermutlich Entwicklungspotential: zum einen in dem geistreichen und humorvollen, aber unsicheren und etwas eitlen Mann. Zum anderen in seinem umfangreichen Landbesitz: die Standesherrschaft Muskau in dem nun preußischen Teil der Oberlausitz, nicht weit entfernt von der Tochter in Carolath. Schon als Verlobte investierte sie in Schloss und Park. Die Schönheit „verlandschafteter“ Gärten liebte sie seit Langem.
Aber nicht nur die Parkomanie teilte das Paar, auch die Leidenschaft für Oper, Theater, französische Literatur, kostbare Raumausstattungen und höchste Kochkunst. Die Vernunftehe schloss echte Zuneigung nicht aus, beide waren sich sehr zugeneigt – sie wurde seine „Schnucke“, er war ihr „Lou“. Sie sei zufrieden, schrieb sie Bernadotte, dem sie für „all ihr Glück und Reichtum bis zum Lebensende“ dankbar war und der ihr zur Hochzeit gratuliert hatte. Weil ihr neuer Gatte sich gern mit Orden schmücken wollte, sandte ihr Bernadotte den Nordstern-Orden.

Hardenberg vermittelte kurz vor seinem Tod 1822 die Erhebung in den Fürstenstand. Als Fürstin regierte sie nun die Standesherrschaft und bezeichnete sich manchmal selbstironisch in ihren Briefen an Pückler als „Staatsgänslerin“, was auch auf die besondere Aussprache im ehemals sächsischen Muskau anspielte. Als die finanziellen Reserven knapp wurden, begründete Lucie 1823 das Bad in Muskau. Kaum war es eröffnet, schlug ihr der Gatte vor, sich scheiden zu lassen. Er hoffte, in England eine neue reiche Braut zu finden, um zu dritt weiter in Muskau zu leben. Ihr überliefertes schriftliches Einverständnis, als nachträgliches Geburtstagsgeschenk formuliert und mit „Todesurteil“ betitelt, zeigt Lucies brillantes rhetorisches Können in der Mischung aus Richterin, Verurteilter, Klägerin und mütterlicher Freundin.
Sie sorgte vor der offiziellen Scheidung 1826 durch kluge Verträge, die ihr Sondervollmachten einräumten, für die Sicherung ihrer Investitionen und für Handlungsfreiheit in Muskau während Pücklers Abwesenheiten. Während einer Englandreise 1826 bis 1829 empfing sie beinahe täglich Briefe von ihm, bei deren Lektüre ihr die Idee zur Veröffentlichung kam. Die „Briefe eines Verstorbenen“ wurden zum Welterfolg und Pückler zum gefeierten Schriftsteller.
Redakteurin und PR-Agentin
Während seiner nächsten, über Jahre dauernden „Orientreise“ war Lucie auch seine Presseagentin. Ihr Vater hatte als erster preußischer Politiker bewusst die Presse zur öffentlichen Meinungsbildung eingesetzt. Sie wusste, wie entscheidend das war. „Nicht eine Schattenseite“ sollte das Werk ihres Freundes treffen. Auf Gerüchte reagierte sie sofort.
Seit 1833 residierte sie in den Wintermonaten am Pariser Platz Nummer 5 in Berlin. Es konnte passieren, dass man statt einer kleinen Gesellschaft überraschend „eine Assemblee von hundert Personen“ vorfand. Alexander von Humboldt und Karl August Varnhagen von Ense gehörten zu den Stammgästen, ebenso der französische Gesandte Charles-Joseph Bresson. Wurde Pückler in der Presse angegriffen, lancierte sie Gegendarstellungen. Gleichzeitig ließ sie selbst Meldungen und werbende Texte für Muskau und seinen Besitzer veröffentlichen. Dabei half ihr der Muskauer Dichter Leopold Schefer (1784–1862), mit dem sie auch Pücklers eingehende Manuskripte redigierte.
Verkauf von Muskau
1839 schrieb sie an Pückler „Briefe der Gestorbenen“, denn sie hatte erfahren, dass er noch auf der Rückreise aus dem Orient ihr Muskau verkaufen wollte. Durch engen Kontakt zum Königshaus, in die Spitzen der Gesellschaft und zu den wichtigsten Ministern und Räten, die oft ihrem Vater die Karriere zu verdanken hatten, war Lucie bestens vernetzt und nutzte sofort ihre Kontakte, um das zu verhindern. Als es 1845 schließlich doch so weit war, traf sie das tief. Dennoch handelte sie und kümmerte sich um Vertragsverhältnisse, Personalfragen und Verkäufe.
An ihren Lou schrieb sie weiterhin und bewältigte im Schreiben ihre Trauer, ihre Wut und auch Hilflosigkeit, ohne Ratgeberrolle und Selbstbewusstsein zu verlieren: „Die Welt kenne ich und den Wert, den man auf ihre Teilnahme legen kann, die Besorgnis, die man mit Recht für ihren Neid, ihre Mißgunst, ihre kalte Grausamkeit hegen darf. Nichts, was in meiner Seele vorgeht, und nichts, was darin begraben bleiben muß, werde ich ihr preisgeben. Dein Wille ist der Meinige, deine Zufriedenheit mein Lebensziel.“
Branitz, Pücklers altes Familiengut, erschien zunächst nur als Notlösung für die gewaltige Muskauer Umzugsmasse. Weitsichtig argumentierte Lucie aber bald Pückler gegenüber für einen Neuanfang, Branitz habe zwar „Mängel, doch auch schöne Vorzüge – und in keiner Gegend hättest du und deine Niederlaßung, eine solche enthusiastische Freude erregen können“. Etwas „selten Liebliches“ könne hier entstehen, und „Cottbus schwärmt für die Idee“.

Pückler lehnte ab, also schuf sie die Grundlagen – und lockte weiter. Widerwillig ließ er sich dann Lucie zuliebe darauf ein und fand schließlich doch Gefallen an der neuen Aufgabe. Ohne ihre Hartnäckigkeit und Energie gäbe es diese Kunstlandschaft nicht, was der Fürst auch anerkannte: „Man kann übrigens alles, was in Branitz geschieht, im vollsten Sinn Deine Schöpfung nennen, denn ohne Deinen Wunsch und Anregung wäre es mir nie im Traume eingefallen, hier mein Talent leuchten zu lassen. Ruhm und Verantwortung gehören deshalb Dir.“
Den Ruhm blieb er ihr allerdings schuldig. Auf ihrem Grab im Vorpark ließ er 1857 ein Kreuz mit der Inschrift „Ich gedenke Deiner in Liebe“ errichten. Warum er die Fürstin nicht wie geplant in die Landpyramide im Park überführen ließ, die 1862 fertig war, ist nicht bekannt. Seiner Biographin Ludmilla Assing diktierte Pückler ein eher unscharfes, teils negatives Bild Lucies. Erst der Erbe von Branitz, Heinrich von Pückler, ließ sie 1884 in die Seepyramide im Park umbetten, sodass das Paar seitdem wieder vereint ist.
Literarisch setzte der Fürstin der jungdeutsche Schriftsteller Heinrich Laube das schönste Denkmal. Sie hatte ihm einst eine Muskauer „Festungshaft“ verschafft und ihn damit vor dem Berliner Kerker gerettet. Er beschrieb sie 1845: „Auf der Abendseite des Schlosses wohnte die Herrin, deren Walten im verborgenen Innern Segen verbreitete, die großherzige Tochter Hardenberg’s, das schönste Bild poetischer Aristokratie, welches ich mein Lebelang gesehen, einer Aristokratie, welche nicht auf Ausschließlichkeit und Flitter ruht, sondern auf edlem Style der Formen und des Herzens, welche die ihr Zugehörigen bis auf den letzten Diener schützt, treu und stolz, stolz im Sinne der Treue, und nur in diesem Sinne stolz, welche Menschengeist und Menschenwürde achtet bis zur Verleugnung jeglichen Vorurtheils und jeglichen Eigennutzes und welche endlich lieben kann und opfern, wie die andere Welt kaum noch versteht zu lieben und zu opfern.“
