
Das von der Smithsonian Institution geplante American Women’s History Museum kann auch weiterhin nicht gebaut werden. Ein schon seit etlichen Jahren schwelender Streit zwischen Demokraten und Republikanern hat nun dazu geführt, dass am anvisierten Standort an der National Mall immer noch kein Spatenstich erfolgen wird. Die Demokraten entzogen dem 2020 überparteilich beschlossenen Projekt in dieser Woche ihre Zustimmung.
Im Abgeordnetenhaus wollte man eigentlich über den Standort abstimmen, aber das Votum ging mit 204 Stimmen dafür und 216 dagegen negativ aus. Auch einige Republikaner stimmten mit Nein. Hintergrund sind unter anderem die Versuche der Republikaner, die Aufgaben des Museums auf „biologische Frauen“ zu begrenzen und so Frauen, die transgender sind, auszuschließen – das wollten sie bei der Abstimmung festlegen.
Nur erbauliche Geschichten
Die Direktiven, die Trump in den letzten Jahren zur Geschichtsschreibung erließ, fordern von der Smithsonian Institution und anderen Museen zudem, dass die amerikanische Geschichte „patriotischer“ und erbaulicher erzählt wird. Kritiker befürchten, dass auch das Museum für Frauengeschichte differenzierte Perspektiven auf die politische Rolle von Frauen zugunsten von rein positiven Erzählungen vernachlässigen könnte.
So könnte ihr Handeln als Sklavenhalterinnen und gewaltsame Kämpferinnen für Schul-Segregation ebenso unerwähnt bleiben wie die Tatsache, dass prominente weiße Aktivistinnen für das Frauenwahlrecht den Kampf Schwarzer Männer für dasselbe Recht aktiv behinderten, um ihr eigenes Ziel leichter zu erreichen. Solche Ergebnisse kritischer Geschichtsschreibung werden in anderen Museen bislang noch erzählt.
Trump sollte entscheiden
Auch über den Standort des neuen Museums für Frauengeschichte hatte es zuvor Auseinandersetzungen gegeben, weil zeitweise ein anderer Ort abseits der National Mall erwogen worden war. Das war den Unterstützern des Projekts im Vergleich zu den anderen großen Museen an der Mall wie eine Herabstufung vorgekommen. Nun wollten die Republikaner neu festlegen, dass Trump die letzte Entscheidung über den Standort fällen solle. Nach dem Scheitern der Abstimmung wird das Museum für die Geschichte der Frauen Amerikas auch weiterhin ein Budget, Angestellte und ein virtuelles Programm haben, aber kein physisches Zuhause.
