
Der Pralinen- und Schokoladenhersteller DreiMeister wird sich in Eigenverwaltung restrukturieren. Laut einer Bekanntmachung vom Donnerstag hat das Amtsgericht Arnsberg im Insolvenzeröffnungsverfahren über das Vermögen des Unternehmens den Wirtschaftsjuristen Michael Schütte von der Kanzlei Eckert zum vorläufigen Sachwalter bestellt.
Ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung ermöglicht es der Geschäftsführung des betroffenen Unternehmens, im Amt zu bleiben und die Restrukturierung selbst zu steuern, statt die Führung komplett an einen Insolvenzverwalter abzugeben. Gerichte stimmen Anträgen auf Eigenverwaltung zu, wenn sie Chancen für eine Zukunft des Betriebs sehen.
Löhne und Gehälter der 100 Mitarbeiter gesichert
Laut einer der F.A.Z. auf Anfrage geschickten Pressemitteilung führt DreiMeister den Geschäftsbetrieb am Produktionsstandort in Werl vollumfänglich fort. Das Unternehmen aus dem Kreis Soest in Nordrhein-Westfalen fertigt und liefert also weiter. Rechnungen werden nach den geltenden Vorschriften der Eigenverwaltung weiter bezahlt. Auch die Löhne und Gehälter der rund 100 betroffenen Beschäftigten seien gesichert.
Während der Sanierung wird DreiMeister von dem Restrukturierungsexperten Patrick Weber von Intercon Management & Consulting sowie dem Hamburger Rechtsanwalt Hanning Wöhren, Partner der Kanzlei LWS Rechtsanwälte, begleitet. Der Geschäftsführer Markus Luckey bleibt in der Verantwortung und konzentriert sich insbesondere auf die Stabilisierung und den Hochlauf der Produktion.
Luckey will die Restrukturierung nutzen, um die Marktposition von DreiMeister weiter auszubauen. Dazu müssten allerdings die Kapazitäten an die Abrufzahlen der Kunden angepasst werden. Deutschland sei aus Sicht der Kunden ein attraktiver Produktionsstandort.
Der Rohstoff Kakao war im vergangenen Jahr außergewöhnlich teuer
Warum ist das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung nötig? Der Pralinen- und Schokoladenhersteller leidet unter gestiegenen Kosten für Rohstoffe, Energie und Personal. Hinzu kommt die schwache Konjunktur in Deutschland. „Insbesondere die hohen Preise für die Rohware Kakao im vergangenen Jahr haben dem Unternehmen zugesetzt“, heißt es in der Pressemitteilung. Das Problem treffe die gesamte Süßwarenbranche in Deutschland.
DreiMeister stellt handwerkliche Confiserie-Produkte her, zum Beispiel Trüffel, Pralinen, Teegebäck und Schokoladentafeln. Das Unternehmen verkauft diese an Konsumenten, Händler aber auch an Firmenkunden wie Hotels, Fluglinien oder Schifffahrtsgesellschaften. Es liefert laut Webseite in mehr als 20 Länder, etwa Singapur, Skandinavien, Japan, Amerika oder Dubai. Im Rhein-Main-Gebiet sind aus dem Hause DreiMeister die Pralinen und Schokoladentafeln mit den Logos des Fußballclubs Eintracht Frankfurt bekannt.
Breit und solide aufgestellt sieht sich das im Jahr 1973 gegründete Unternehmen wegen seines Eigenmarkengeschäfts und des Private-Label-Geschäfts für Firmenkunden, etwa Sportvereine, Fachhändler und Lebensmittelketten. Laut Geschäftsführer Luckey muss das Unternehmen Kosten sparen, um wettbewerbsfähig zu bleiben und die Produktion in Deutschland zu sichern. Es sei schon gezielt in Automatisierung und Serienproduktion investiert worden.
