
Asmodee hat auf der vergangenen Brettspielmesse in Essen die Gelegenheit genutzt, um mit einer großen Feier zum 30. Geburtstag der Brettspielwelt zu zeigen: Wir sind einer von euch. Gegründet von drei Franzosen aus „Leidenschaft und Liebe zum Spiel“, wie es heißt. „Von Spielern für Spieler.“ Die Feier war auch an diejenigen gerichtet, denen Asmodee nur als Kunstprodukt erscheint. Aufgebaut auf viel Finanzinvestorengeld.
In der Tat ist Asmodee anders. M&A gehörte schon früh zum Geschäft, also Übernahmen und Zusammenschlüsse. Als dann im Jahr 2021 der schwedische Medien- und Videospielekonzern Embracer Asmodee für 2,8 Milliarden Euro übernahm, verstärkte sich das Bild der reichen Franzosen, die mit viel Geld die sonst so bodenständige Branche aufmischen, die üblicherweise in Gründerhand und deren Familien bleibt.
Etwas Schadenfreude kam daher auf, als Embracer zugeben musste, sich übernommen zu haben. Asmodee wurde wieder selbständig und ging in Stockholm an die Börse – mit vielen Schulden im Gepäck. Wer aber dachte, damit sei die Geschichte zu Ende, der Konzern mittellos und zu Verkäufen gezwungen, hat sich geirrt.
Hohes Wachstum und steigende Gewinnmarge
Am Donnerstag berichtete der Konzern in Paris in einer Presse- und Analystenkonferenz über sein erstes Geschäftsjahr an der Börse. Nicht nur der Aktienkurs sprang erfreut um 8 Prozent auf ein Rekordhoch. Auch die Analysten von Deutsche Bank, Kepler Cheuvreux und vielen anderen namhaften Instituten fanden kein Haar in der Suppe. 25 Prozent organisches Wachstum, Gewinnmarge auf 17 Prozent ausgedehnt, Schuldenquote reduziert, jede Menge freier Cashflow.
Schon vorher hatten alle zwölf Analysten die Aktie zum Kauf empfohlen. Solche Einstimmigkeit ist sehr selten. Es kommen zwei Dinge zusammen. Erstens: Die Branche boomt. Vor wenigen Wochen gaben die Organisatoren der weltgrößten Brettspielmesse in Essen bekannt, abermals eine weitere Halle im Oktober dazuzunehmen. Ein Rekord reiht sich an den nächsten, und die Warteliste der Verlage, die dort ausstellen wollen, ist lang.
Und zweitens: Asmodee macht einfach gute Arbeit. Das viele Geld wurde nicht verschleudert, sondern sorgsam in viele Studios investiert, wie die kleineren Verlage genannt werden, die mit viel Kreativität Jahr für Jahr neue Brettspiele entwickeln. Und Asmodee denkt weiter. Für starke Marken wie „Die Werwölfe von Düsterwald“ wurden schon Filmrechte verkauft und erfolgreich in Frankreich umgesetzt. Netflix hat nun die Filmrechte an „Zug um Zug“ und „Catan“.
Großer Erfolg auch mit Sammelkarten
Von den knapp 1,7 Milliarden Euro Umsatz von Asmodee kommt zudem mehr als eine Milliarde Euro aus dem Sammelkarten-Bereich. Hier wächst der Konzern besonders schnell. Mit Pokemon und Star Wars hat Asmodee hier ebenfalls starke Marken im Programm.
Im Brettspielbereich stellt Asmodee mit „Cozy Stickerville“ dieses Jahr den Favoriten für das „Spiel des Jahres“, die weltweit wichtigste und verkaufförderndste Auszeichnung der Brettspielwelt, die am 12. Juli in Berlin vergeben wird. Auch hier gibt es mit Unexpected Games einen starken Partner, der das Spiel entwickelt hat. Gleich fünf weitere Spiele, die von Asmodee vertrieben werden, landeten am Dienstag auf den Nominierungs- und Empfehlungslisten. Der französische Konzern belegte damit fast die Hälfte der möglichen Plätze.
Eine gewisse Bedrohung sah daher mancher in der Ankündigung von CEO Thomas Koegler auf der Geburtstagsfeier in Essen im Herbst: Wir werden weiter zukaufen. Als Dach, als „Umarmer“, will das Unternehmen sich verstehen. Mancher befürchtet, das könne erdrückend werden. Im Gespräch erläutert Koegler indes, dass man sich im an kleinen und mittelgroßen Spieleverlagen besonders reichen Deutschland keine Sorgen machen müsse. Asmodee sei global ausgerichtet. Die seither angekündigten Übernahmen betrafen zuletzt den amerikanischen Verlag Exploding Kittens (für 151 Millionen Euro), den japanischen Verlag Japon Brands mit Spielen wie Love Letter und Machi Koro sowie den französischen Verlag ATM Gaming für 180 Millionen Euro, der seinen Fokus im schnell wachsenden Markt der kreativen Partyspiele hat.
Gelungene Übernahmen in einem harten Wettbewerb
Mit Blick auf Übernahmen in Deutschland zeigt sich aber auch: Lookout Games wurde nicht erdrückt, sondern feiert mit seinen Mischwald-Spielen große Erfolge. Die kreative Freiheit soll in den kleineren Verlagen bleiben. Koegler selbst ist zudem kein CEO, der heute Spiele verkauft und morgen Waschmittel. Er ist selbst Brettspieler, in Wien geboren, in Bad Godesberg aufgewachsen und schon lange im Asmodee-Konzern tätig.
Mit mehr als 250 Mitarbeitern ist Asmodee in Deutschland vertreten, mit Hauptsitz in Essen, der Hauptstadt der Spiele, wie Asmodee immer wieder betont. Deswegen sei dies auch genau der richtige Ort für den französischen Konzern, dort den 30. Geburtstag zu feiern: „Deutschland ist die Heimat der globalen Brettspiel-Renaissance“, sagt Koegler. Und zudem hinter Frankreich und den USA der wichtigste Markt für Asmodee.
Dass derweil Material- und Transportkosten steigen, lässt die Branche nicht kalt. Dass Inflation und Kriege zu Konsumzurückhaltung führen, spürt die Branche. Gerade die teuren Spiele für 70 oder gar 100 Euro aufwärts werden zurückhaltender verlegt. Die rege Konkurrenz aus mehreren Hundert neuen Spielen im Jahr belastet die Margen.
Mehr als 20 Prozent Kurspotential
Dass die Analysten dennoch von der Asmodee-Aktie überzeugt sind und im Schnitt noch mehr als 20 Prozent Kurspotential für die nächsten zwölf Monate sehen, liegt nicht nur an der guten Arbeit von Asmodee und der Pflege vieler starker Marken. In immer digitaleren und als unsicher wahrgenommenen Zeiten ist die Hinwendung zum haptischen Spielerlebnis in echter Gesellschaft ein starker Trend. Eine Art Flucht in die heile Welt des Brettspiels. Und der Trend besteht fort. Asmodee ist die einzige Möglichkeit in Europa, über die Börse am Brettspielboom zu partizipieren.
Damit dies künftig auch von Endkonsumenten stärker mit dem Namen Asmodee verbunden wird, will der Konzern seinen Namen künftig auch auf die Spieleschachteln schreiben. Zusätzlich zum Namen der vielen übernommenen Studios und Kleinverlage. Die Marke soll bekannter werden. Den Börsengang sieht Koegler als Zeichen, „wie weit die Branche gekommen ist“. Sein Ziel: stolz neben Musik, Film und Videospielen als Produzent intelligenter Inhalte zu stehen.
Drei Milliarden Euro Wert misst die Börse derzeit Asmodee bei. Das ist bei einem operativen Gewinn von 285 Millionen Euro und einer Marge von 17 Prozent nicht viel. Knapp 200 Millionen Euro flossen netto zu im Geschäftsjahr 2025/2026, das im März endete. 17 Cent Dividende soll es für die Aktionäre geben, was immerhin rund 1,5 Prozent in Relation zum Aktienkurs sind. An dem erfreut sich auch Embracer noch. Gründer Lars Wingefors ist nach dem Börsengang Großaktionär von Asmodee geblieben und hält 38 Prozent der Stimmrechte.
