
So einen Glücksfall wie Corona werden die Baumarktbetreiber nicht mehr erleben. Kaum eine andere Branche dürfte so stark von der Pandemie profitiert haben. Weil viele Menschen wegen der Ansteckungsgefahr zu Hause bleiben mussten, haben sie sich auf das Naheliegende konzentriert: renoviert, gebaut, im Garten gearbeitet, ihr Heim verschönert – das getan, was eben zu diesen Zeiten möglich war. Im Pandemiejahr 2020 ist der Umsatz in den deutschen Baumärkten deshalb um 14 Prozent nach oben geschnellt, so viel wie nie in einem Jahr davor.
Seither allerdings geht es bergab. Der Ukrainekrieg hat der Branche zwar nochmals einen Umsatzanstieg beschert, allerdings nur, weil er viele Waren verteuerte – preisbereinigt ist fast nichts geblieben. 2023, 2024 und 2025 ging es dann weiter bergab.
Baden statt Baumarkt
Im vergangenen Jahr ist der Umsatz der deutschen Baumärkte um 1,6 Prozent auf 20,58 Milliarden Euro nochmals zurückgegangen. Im März machte der Branchenverband BHB die Konsumzurückhaltung wegen der „globalen politischen Spannungen“ für die Flaute verantwortlich. Die Kundschaft habe ihr Geld gespart und stärker in Urlaub, Freizeit und Gastronomie investiert, als es in die Baumärkte zu tragen.
Gemessen an grundstürzenden Veränderungen, wie sie die Autoindustrie zurzeit erlebt, ist der Rückgang allerdings moderat. Die Händler sind Unbilden gewohnt. In der Baumarktbranche nage niemand am Hungertuch, hatte Hornbach-Chef Albrecht Hornbach im Herbst dem „Handelsblatt“ gesagt. Tatsächlich konnten die größten Betreiber ihre Umsätze trotz der herausfordernden Bedingungen zumindest halten. Unter den großen dreien – Bauhaus, Obi und Hornbach – konnte Hornbach nach Zahlen des Dähne Verlages seine Umsätze in Deutschland mit 1,9 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro am stärksten steigern. Die Erlöse des Marktführers Bauhaus, der 2024 zum ersten Mal Obi überholte, stagnierten demnach bei 4,4 Milliarden Euro.
Entsprechend zufrieden zeigte sich der Patriarch Albrecht Hornbach auf seiner letzten Pressekonferenz als Vorsitzender der Hornbach Management AG, der Schaltzentrale der Familie. Sein Unternehmen habe sich besser geschlagen als die Branche, sei nicht nur über Expansion, sondern auf vergleichbarer Fläche gewachsen. Der Pfälzer Baumarktbetreiber versteht sich als Produktivitätsführer: Durchschnittlich 34,9 Millionen Euro Umsatz erwirtschafte ein Markt, deutlich mehr als die Wettbewerber.
Weniger Konkurrenz, mehr Gewinn
Dabei sucht auch Hornbach das Heil seit einiger Zeit vor allem im Ausland. Dort sind zum einen die Kosten geringer, viel wichtiger für die Händler ist aber die Marktstruktur: Die Baumarktdichte ist in den meisten Ländern viel geringer als in Deutschland. Weniger Konkurrenz bedeutet weniger Preisdruck und höhere Gewinne. Hornbach erwirtschaftete 2025 erstmals etwas mehr als die Hälfte seiner Umsätze im Ausland. Vor allem aber liefern die Auslandsmärkte drei Viertel des Betriebsergebnisses. In diesem Jahr will er deshalb in Serbien starten, seinem zehnten Auslandsmarkt. Das Land sei „deutlich weniger von internationaler Konkurrenz geprägt“, sagte Erich Harsch, der Vorsitzende des Hornbach-Baumarkt-Vorstandes.
Nach den Worten von Firmenpatriarch Albrecht Hornbach bleibt der Heimwerkermarkt in Europa höchst attraktiv, vor allem in den östlichen Ländern sei der Bedarf hoch. Hornbach hat nicht nur den Osten im Blick. Auch in den Niederlanden, einem weiteren wichtigen Markt, finde sich, anders als in Deutschland, „nicht an jeder Ecke ein großflächiger Baumarkt“. Der Vorstand verwies zudem auf die Altersstruktur der Wohngebäude, der Sanierungsbedarf sei hoch. Hornbach will seine Wachstumsstrategie fortsetzen und weiter in neue Standorte investieren, bei Gelegenheit auch in Deutschland.
Hornbach betreibt aktuell 177 Märkte, dazu 39 Baustoffhandlungen und beschäftigt 25.500 Mitarbeiter. Im Geschäftsjahr 2025/26 hat der Konzern seine Umsätze um 3,8 Prozent auf 6,4 Milliarden Euro gesteigert, das Betriebsergebnis gab um 1,8 Prozent auf 265 Millionen Euro nach. Für Albrecht Hornbach ist das angesichts der steigenden Rohstoffpreise und eines anspruchsvollen Marktumfelds dennoch ein Erfolg.
Das Onlinegeschäft macht mittlerweile 12,7 Prozent der Hornbach-Umsätze aus. Sie wachsen, aber nicht so stark, wie von manchen Experten im Corona-Boom vorhergesagt. Hornbach setzt nach eigenen Worten auf eine „interkonnektive Retail-Strategie, um ein lückenloses Einkaufserlebnis über alle Kanäle zu schaffen“. Bedeutet: Der Konzern verzahnt Online- und stationären Handel. Der Großteil der Kunden informiere sich vor dem Kauf online, ein Teil der Kunden reserviere die Produkte online und hole sie später im Markt ab, hieß es. Der Vorstand machte klar, dass es letztlich egal sei, wo die Umsätze stattfinden.
Mithilfe von KI will der Konzern die Auftragsabwicklung und das Lieferkettenmanagement verbessern. Ein KI-Assistent namens „Macher“ stehe Kunden und Mitarbeitern für die Projektplanung zur Seite.
Hornbach ist nach Albrecht Hornbachs Worten finanziell stark, die Investitionen im laufenden Jahr sollen die Vorjahressumme von 220 Millionen Euro deutlich übersteigen. Ändere dich, bevor du dich ändern musst, dieses Zitat des US-Unternehmers Jack Welch hatte der 71 Jahre alte Hornbach seinem letzten Presseauftritt als Chef der Management AG vorangestellt. Die Familie hat die Nachfolge bereits eingeleitet, um auch in der sechsten Generation in Familienhand zu bleiben.
Albrecht Hornbach, Präsident der IHK Pfalz, wird seinen Posten als Vorstandschef der Hornbach Management AG Ende Oktober aufgeben. Seine Stelle in der zentralen Lenkungsholding übernimmt Harsch – zusätzlich zu seiner Aufgabe als Chef der Baumarkt AG. Neu in die Management AG rücken Albrecht Hornbachs Neffen: die Brüder Jan Hornbach (43 Jahre alt) und Nils Hornbach (37 Jahre). Sie sind ebenfalls bereits im Vorstand der Baumarkt AG und sollen das auch bleiben.
