
Der amerikanische Chiphersteller Nvidia verdient weiterhin prächtig. In den zurückliegenden drei Monaten erzielte er einen Gewinn in Höhe von beinahe 58 Milliarden Dollar. Das sind 211 Prozent mehr als vor einem Jahr und 36 Prozent mehr als im Vorquartal.
Das Unternehmen meldete einen Umsatz in Höhe von 81 Milliarden Dollar. Dies sind beinahe 85 Prozent mehr gegenüber dem entsprechenden Zeitraum des Vorjahres und 20 Prozent mehr als im Quartal zuvor.
Für das angelaufene Vierteljahr peilt die Nvidia-Führung einen Umsatz von 91 Milliarden Dollar an. Alle Kennziffern lagen über dem, was die professionellen Marktbeobachter zuvor im Schnitt erwartet hatten.
80 Milliarden Dollar zusätzlich für Aktienrückkäufe
„Der Aufbau von KI-Fabriken – der größte Ausbau der Infrastruktur in der Geschichte der Menschheit – schreitet mit außerordentlicher Geschwindigkeit voran“, sagte der Unternehmensgründer und langjährige Vorstandsvorsitzende Jensen Huang laut einer Mitteilung. Und er ergänzte: „Agentische KI ist da, leistet produktive Arbeit, schafft echten Mehrwert und verbreitet sich rasch in Unternehmen und Branchen.“
Nvidia nehme eine „einzigartige Position im Zentrum dieser Transformation ein“, da es die einzige Plattform sei, die in jeder Cloud laufe, jedes Modell unterstütze und überall dort skaliere, wo KI erzeugt werde. Huang kündigte zusätzliche Aktienrückkäufe im Volumen von 80 Milliarden Dollar an. Zudem solle die Quartalsdividende auf 0,25 von 0,01 Dollar je Aktie angehoben werden.
Grafikkarten-Technologie
Nvidia produziert die gegenwärtig fortschrittlichsten Computerchips für genau die Berechnungen, die in der Künstlichen Intelligenz nötig sind. Jensen Huang hatte schon sehr früh – früher als andere – erkannt, dass sich hierfür die Grafikkarten-Technologie eignet, mit der das Unternehmen einst groß geworden war in den neunziger Jahren.
Er stellte den Konzern infolgedessen ganz auf die Künstliche Intelligenz um und beliefert alle großen Internetunternehmen, Universitäten und andere Rechenzentrenbetreiber rund um die Welt. Zusätzlich etablierte Huang auch eine dafür nützliche Software-Reihe und eigene KI-Modelle. Sie sollen beispielsweise in der Robotik und im automatisierten Fahren mehr Geschäft ermöglichen.
Hohe Bewertungen im Tech-Sektor
Schon bevor Nvidia die neuen Geschäftszahlen bekannt machte, stieg der Aktienkurs an der Börse. Der Wert der Anteile am wertvollsten an der Börse notierten Unternehmen der Welt, das als zentraler Profiteur des Booms der Künstlicher Intelligenz (KI) gilt, legten im Mittwochshandel um knapp zwei Prozent zu. Im Sog von Nvidia stiegen auch andere Branchenwerte wie Marvell Technology, Intel und Micron Technology.
Die Zahlen von Nvidia gelten als wichtiger Indikator dafür, ob die Nachfrage nach KI-Infrastruktur stark genug ist, um die hohen Bewertungen im gesamten Technologiesektor zu stützen. „Die Quartalszahlen von Nvidia kommen genau zum richtigen Zeitpunkt“, sagte James Demmert, Chefanleger bei Main Street Research. „Der Markt braucht die Zusicherung, dass das Potential der Künstlichen Intelligenz den Gegenwind durch steigende Anleiherenditen überwinden kann.“
Geht OpenAI im September an die Börse?
Unterdessen steht das auf KI spezialisierte Softwarehaus Open AI offenbar in den Startlöchern für einen Börsengang. Der Entwickler des Chatbots ChatGPT plane, in den kommenden Wochen einen vertraulichen Antrag auf eine Börsenzulassung in den USA zu stellen, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters.
Das in San Francisco ansässige Unternehmen, das zuletzt mit 852 Milliarden Dollar bewertet wurde, strebe den Schritt aufs Parkett im September an. Die Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley arbeiteten schon an einem Börsenprospekt. Open AI reagierte zunächst nicht auf eine Bitte um Stellungnahme. Zuerst hatte das „Wall Street Journal“ über die Pläne berichtet.
Zuletzt waren die amerikanischen Börsen unter Druck geraten. Grund waren merkliche Kursverluste an den globalen Anleihemärkten, wodurch die Renditen deutlich stiegen. Auslöser dafür sind Sorgen über eine hartnäckige Inflation in den Vereinigten Staaten, welche die amerikanische Notenbank Federal Reserve zu weiteren Zinserhöhungen veranlassen könnte. Am Mittwoch gab die Rendite der richtungweisenden zehnjährigen amerikanischen Staatsanleihe zwar nach – mit 4,584 Prozent lag sie jedoch weiterhin nahe an ihrem 16-Monats-Hoch.
Der Dow-Jones-Index der Standardwerte und der breiter gefasste S&P 500 notierten am Mittwoch jeweils rund ein Prozent höher bei 49.847 und 7408 Punkten. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann etwa genauso viel hinzu auf 26.156 Zähler.
