
Die gute Nachricht ist, dass die Regierungen in der Demokratischen Republik Kongo und den Nachbarländern schnell reagierten, als Laborwerte einen neuen Ebola-Ausbruch bestätigten. Die Viruserkrankung ist in Westafrika bekannt, selbst in den entlegenen Dörfern wissen die Bewohner, wie man sich dagegen schützt.
Die schlechte Nachricht ist, dass sich dieser Erreger jetzt rasend schnell verbreitet. Am Dienstag meldete das kongolesische Gesundheitsministerium 513 Verdachtsfälle und 131 vermutete Todesfälle, nur einen Tag vorher waren es noch 336 Verdachts- und 88 Todesfälle. Dass es sich um eine seltene Variante handelt, für die es weder einen Impfstoff noch eine Therapie gibt, macht den Ausbruch noch gefährlicher.
Erinnerung an den katastrophalen Ausbruch vor zehn Jahren
Unweigerlich wecken die Nachrichten Erinnerungen an den katastrophalen Ebola-Ausbruch von 2014 bis 2016 in Liberia, Guinea und Sierra Leone, wo mehr als 11.000 Menschen an einer Infektion starben. Damals entsandten die USA Soldaten, um Pflegepersonal auszubilden und Feldlazarette aufzubauen. Deutschland half bei der Errichtung einer Luftbrücke.
Auf schnelle internationale Unterstützung kommt es auch jetzt an. Die Gesundheitssysteme auf dem Kontinent sind vielerorts zwar sehr viel besser ausgestattet als vor zwölf Jahren. Afrikanische Wissenschaftler sind bei der Erforschung von Viruserkrankungen an vorderster Stelle dabei. Und die Africa CDC, die Gesundheitsagentur der Afrikanischen Union, trat bereits während der Corona-Pandemie als kompetent und bedacht in Erscheinung. Trotzdem sind selbst reiche Staaten überfordert, sich allein gegen einen größeren Ebola-Ausbruch zu stemmen – geschweige denn, eine globale Verbreitung zu stoppen.
So berechtigt und wichtig es ist, Alarm zu schlagen, im Hintergrund lauert eine andere Gefahr: Da ist es wieder, das Bild von Afrika als Kontinent der Krankheiten, Krisen und Katastrophen, wobei nicht zwischen Regionen oder Ländern unterschieden wird. Vor zwölf Jahren brach selbst bei Safari-Anbietern in Südafrika wegen Ebola der Umsatz ein, obwohl Sierra Leone näher an Europa liegt als an Südafrika.
Sicherlich zu Recht hat die Weltgesundheitsorganisation den jetzigen Ebola-Ausbruch als internationalen Gesundheitsnotstand deklariert. Hoffentlich bringt das nicht wieder 54 afrikanische Länder in Generalverdacht, kontaminiert zu sein.
