
Formal lässt sich die Übernahme der Commerzbank durch die italienische Großbank Unicredit kaum mehr verhindern. So ehrlich muss man sein. Die Mailänder haben sich schon 30 Prozent der Anteile gesichert, können über Derivate auf weitere zugreifen und haben derzeit viele Trümpfe in der Hand, um den Traum ihres Chefs Andrea Orcel, bald mithilfe der Commerzbank noch größer zu werden, zu verwirklichen.
Trotzdem war die Hauptversammlung des 156 Jahre alten Frankfurter Konzerns am Mittwoch ein weiteres deutliches Signal in Richtung Mailand, dass das Vorhaben innerhalb des Unternehmens nicht gewünscht ist. Vor allem das Auftreten zahlreicher Mitarbeiter und ihr deutlich zum Ausdruck gebrachter Protest gegen die Unicredit-Pläne haben Wirkung gezeigt. Die klare Haltung von Aufsichtsrat, Vorstand, Mitarbeitern und zahlreichen Aktionärsvertretern, die sich gegen das Vorhaben aussprachen, sollte Unicredit-Chef Orcel zu denken geben. Denn Zusammenschlüsse stellen auch für den übernehmenden Konzern ein großes Risiko dar. Ein Zusammengehen würde die Unicredit viel Geld kosten, und das ohne eine Garantie, dass die erhofften Vorteile auch tatsächlich Realität werden.
Zum Beispiel besteht die Gefahr, dass die Fusion an den Mitarbeitern scheitert. Grenzüberschreitende Fusionen gelten kulturell als besonders kritisch, und Unicredit-Boss Orcel hat durch sein aggressives Auftreten in der jüngeren Vergangenheit nicht dafür gesorgt, die Belegschaft der Commerzbank auf seine Seite zu ziehen, im Gegenteil. Dass die Mitarbeiter am Mittwoch beim Aktionärstreffen der Commerzbank Flagge gezeigt haben, war allerdings nicht nur ein Signal, dass sie auf eine Übernahme keine Lust haben. Es war zugleich ein Hilferuf. Denn viele von ihnen befürchten, dass sie ihren Arbeitsplatz mittelfristig verlieren.
Für Frankfurt wäre eine Übernahme der zweitgrößten deutschen Privatbank ein herber Schlag, denn die angekündigten Milliarden-Synergien der Unicredit fallen nicht vom Himmel. Stattdessen greifen die üblichen Mechanismen: Doppelstrukturen werden abgebaut, Abteilungen zusammengelegt, Entscheidungen verlagert. Gerade in Frankfurt, wo die Bank rund 10.000 Männer und Frauen beschäftigt, wächst deshalb die Angst, dass eine Übernahme vor allem die Zentrale treffen würde. Dass sich die Commerzbank in Gänze gegen die Übernahmepläne stellt, dient somit nicht nur einem Selbstzweck, es ist auch ein Dienst am Finanzplatz Frankfurt und seiner Bedeutung.
