Friedrich Merz hat es eilig, aber er will auch etwas loswerden: 51 Minuten saß er
gerade bei der SPD-Fraktion, jetzt geht er im Reichstag schnellen
Schrittes rüber zum Fraktionssaal seiner Union. »Wir haben wirklich offen über viele Themen miteinander gesprochen«, ruft der Bundeskanzler den Journalisten zu, »und es war eine ausgesprochen gute Atmosphäre«. Er spricht, sogar, von einer »gut laufenden Koalition«.
Gut laufende Koalition? Na ja.
Merz‘
erster Besuch bei der SPD-Fraktion seit seiner Kanzlerwahl fällt in
eine Krisenzeit des schwarz-roten Bündnisses. Die Umfragewerte für Union
und SPD sind schlecht, die Zustimmungswerte für Kanzler und Koalition
miserabel. Beim Reformprozess stockt es immer wieder sichtlich, inklusive öffentlicher, gegenseitiger Schuldzuweisungen. Und die Kommunikation des Kanzlers war zuletzt oft unglücklich. In dieser Gemengelage war ein Besuch bei der SPD wichtig, potentiell auch
gefährlich – sollte der Kanzler wieder ungeschickt kommunizieren,
sollte die Kritik vom frustrierten Koalitionspartner scharf ausfallen.
Gerade erst war er beim DGB-Kongress ausgebuht und ausgepfiffen worden.
