
Die Fahrradmesse Eurobike, die am 24. Juni in Frankfurt öffnet, wird in diesem Jahr nicht einmal halb so groß sein wie in den vergangenen Jahren. Das ist die Folge der Auseinandersetzungen zwischen dem Veranstalter, der Fairnamic, einem Joint Venture der Messen Frankfurt und Friedrichshafen, und den Verbänden der deutschen Fahrradindustrie. Die Messe in diesem Jahr wird nur noch als Zwischenschritt betrachtet. Wie nach der Sitzung des neuen Messebeirats am Dienstag mitgeteilt wurde, sind für 2027 größere Änderungen für die Eurobike geplant.
An erster Stelle steht dabei der Termin der Messe, der von Ende Juni auf Anfang September rückt. Das geht auf Befragungen unter den Ausstellern zurück. Der Termin war in der Vergangenheit mehrfach kritisiert worden, weil er vielen Händlern zu früh erschien, um für die nächste Saison zu ordern. Insgesamt soll die Messe sich weniger an Endverbraucher richten, sondern zum Ort für Hersteller und Händler, aber auch für den Ersatzteil- und Reparaturmarkt werden.
Zudem sollen Themen wie Infrastruktur und Innovationen stärker berücksichtigt werden. Auf dem Gelände will die Messegesellschaft die Veranstaltung auf die drei Hallen rund um eine Freifläche im Ostgelände konzentrieren. Das komplette neue Konzept soll im Juni bei der Eurobike vorgestellt werden.
Ob die Messe in Frankfurt damit gerettet werden kann, bleibt abzuwarten. Nachdem die beiden Branchenverbände „Zukunft Fahrrad“ und „ZIV – Die Fahrradindustrie“ der Messe im Herbst den Rücken gekehrt hatten und im April beschlossen haben, im nächsten Jahr zu einem gemeinsamen Verband zu verschmelzen, scheinen die Fronten noch weiter verhärtet. Inzwischen gibt es auch eine gerichtliche Auseinandersetzung über die Rechte an der Marke Eurobike und die Frage, ob die Verbände ihre Unterstützung der Messe hätten zurückziehen dürfen.
„Das Tischtuch ist zerschnitten“
Angesichts dieser Auseinandersetzungen scheint der Konflikt zwischen den Veranstaltern und den Branchenvertretern kaum noch lösbar. ZIV-Chef Burkhard Stork hat kürzlich in einem Interview dem „Manager Magazin“ gesagt: „Das Tischtuch ist zerschnitten – ich kann mir eine Kehrtwende nicht mehr vorstellen.“ Er bestätigte darin auch, dass die Verbände eine eigene Messe für Herbst 2027 planen. Konkretes dazu wollte er noch nicht sagen. In Branchenkreisen gibt es aber Mutmaßungen, dass es Gespräche mit München gibt, wo schon bei der vergangenen IAA auch einige Fahrradhersteller ausgestellt hatten. Die IAA Mobility, wie sie inzwischen heißt, findet vom 7. bis 12. September 2027 in München statt und damit sehr nah an dem nun geplanten neuen Eurobike-Termin.
Der ZIV-Chef hatte gesagt, man wolle mit dem eigenen Konzept Unternehmen, die inzwischen kleine Haus- und Ordermessen veranstalten, für den gemeinsamen Auftritt zurückgewinnen. Zu diesen Unternehmen gehört unter anderem Riese&Müller. Der hessische Hersteller hat gerade im Gespräch mit der F.A.Z. angekündigt, statt auf dem Messegelände im Juni auf seinem eigenen Areal in Mühltal seine Neuheiten dem Handel und Fachpublikum zu präsentieren.
Die Fahrradverbände hatten den Messeorganisatoren zuletzt vorgeworfen, dass die Interessen der deutschen und europäischen Fahrradindustrie, aber auch derjenigen, die sich mit der Zweiradmobilität beispielsweise im Leasinggeschäft oder bei Versicherungen beschäftigen, von der Messeorganisation nicht ausreichend beachtet würden. In einer neuen Veranstaltung sehen sie offenbar die Chance, einen Treffpunkt für die Branche zu schaffen, der nicht der Maxime folgt, möglichst viel Standfläche zu verkaufen. „Es braucht eine vernünftige Plattform rund um das Produkt Fahrrad über die ganze Lieferkette“, sagte Stork.
Sollte der Streit mit den deutschen Branchenverbänden nicht beigelegt werden, könnte das für Frankfurt eine schwierige Entwicklung bedeuten. Der erst zu Beginn des Jahres eingesetzte neue Geschäftsführer der Fairnamic, Philipp Ferger, hofft aber mit Unterstützung des Beirats, dem auch Mitglieder aus dem ZIV-Vorstand angehören, noch eine zukunftstaugliche Lösung für Frankfurt finden zu können. Mit Blick auf die vergangenen Jahre und die Auseinandersetzung stellt er allerdings fest: „Es ist viel Porzellan zerschlagen worden.“
