Der französische Großinvestor Ardian festigt seine Präsenz in Deutschland.
„Wir sind hier 80 Leute, der deutsche Markt ist für Ardian superwichtig und ist es seit 25 Jahren“, sagte Vorstandsmitglied und Deutschlandchef Jan Philipp Schmitz im Gespräch mit der F.A.Z. Auch in schwierigen Zeiten habe man am hiesigen Büro festgehalten, „nicht wie vielleicht manche Angelsachsen, die rein- und rausgehen und dann sagen: ‚Wir machen das aus London.‘“ Ardian habe sich dem deutschen Markt verpflichtet. „Wir wollen ihn weiter eher aufbauen und weiter vergrößern.“ Jüngste Beispiele: Die Infrastruktursparte investiert in Windparkprojekte in Sachsen, und der neue europäische Private-Equity-Fonds hat Deutschland als einen der Schwerpunkte im Blick.
Ardian ist aus der Private-Equity-Sparte der Versicherungsgesellschaft Axa hervorgegangen, hat historisch den Kern also in Unternehmensbeteiligungen. Doch die Gesellschaft hat früh andere Geschäftsfelder erschlossen, namentlich Infrastruktur, Immobilieninvestments, Privatkredite und Beteiligungen an bestehenden Private-Equity-Fonds. Andere internationale Finanzinvestoren sind der Strategie gefolgt, Diversifizierung liegt im Trend. Im Infrastrukturgeschäft sind beispielsweise KKR, Apollo, Blackstone und EQT wichtige Konkurrenten.
„Im Private-Credit-Bereich war der deutsche Markt einer der aktivsten für uns“
„Als Ardian-Gruppe waren wir in Deutschland in den letzten Jahren sehr aktiv“, sagte Schmitz und verwies unter anderem auf das Privatkreditgeschäft. „Im Private-Credit-Bereich war der deutsche Markt einer der aktivsten für uns.“ Im Infrastrukturzweig hat der Fonds ACEEF (Ardian Clean Energy Evergreen Fund) vergangene Woche seine erste deutsche Investition vereinbart; sie soll diese Woche bekannt werden: Der Fonds kooperiert mit 3Energy, einem sächsischen Projektentwickler für Windparks, und hat eine 100-prozentige Beteiligung an den Projekten erworben, einschließlich Grundstücken, Genehmigungen und weiteren wesentlichen Verträgen. Die Windparks werden in den Landkreisen Zwickau, Mittelsachsen und Nordsachsen errichtet. Der Baubeginn des ersten der vier Projekte ist noch für dieses Jahr vorgesehen. Am Ende sollen 132 Megawatt Gesamtkapazität installiert sein.
Ardian verspricht sich Einnahmen über 20 Jahre im Rahmen der staatlich geförderten EEG-Einspeisevergütung. ACEEF ist schon in den nordischen Ländern, in Spanien, Italien, Frankreich, Peru und Chile investiert. Mit dem Schritt in Sachsen expandiert der Fonds geographisch in Europas größten Markt für erneuerbare Energien. Im Infrastrukturzweig ist der Investor in Deutschland bisher durch seine langjährige Partnerschaft mit dem Energieunternehmen EWE bekannt. International sticht seine Beteiligung am Londoner Flughafen Heathrow ins Auge.

Zurückhaltung zuletzt im deutschen Private-Equity-Geschäft
Nur im klassischen Private-Equity-Geschäft hielt sich Ardian in Deutschland zuletzt zurück. „Wir waren vielleicht zwei, drei Jahre etwas vorsichtiger“, sagte Schmitz. Das hatte nach seinen Worten nicht so sehr landesspezifische Gründe. Vielmehr habe der laufende europäische Buyout-Fonds VII gute Gelegenheiten in anderen Ländern gefunden, namentlich in Frankreich und Italien.
In der Vergangenheit hatte sich der Investor in Deutschland beispielsweise durch den Spielfigurenhersteller Schleich und den Lautsprecherhersteller D&B einen Namen gemacht, ebenso durch Beteiligungen am Einkaufssender HSE24, dem Edelhändler Schustermann & Borenstein (heute: Best Secret) und dem Chemieunternehmen CABB. Aus dem gegenwärtigen Unternehmensbestand bereitet Ardian gerade einen Ausstieg vor: Die Investmentbanken Macquarie und Morgan Stanley sind dem Vernehmen nach mandatiert, einen Käufer für die Laborkette GBA zu finden. Nach F.A.Z.-Informationen lief die Frist für unverbindliche Gebote vergangene Woche aus, womit die erste Bieterrunde abgeschlossen ist.
Der neue europäische Fonds VII ist den Angaben zufolge inzwischen zu über 80 Prozent investiert, das verbleibende Geld dürfte eher in „Add-on“-Zukäufe fließen, also Akquisitionen für Bestandsunternehmen im Portfolio. Wenn Ardian wieder direkt ein Unternehmen erwirbt, dann wird das aus dem Folgefonds gespeist werden: „Die nächste Transaktion geht dann in den VIIIer-Fonds“, sagte Schmitz.
Die nächsten Milliarden sind einzusammeln
Für ihn sammeln die Franzosen schon Geld ein. Angepeilt ist dem Vernehmen nach ein Volumen in derselben Größenordnung wie der Vorgängerfonds VII mit seinen 6,5 Milliarden Euro. Er soll wieder einen höheren Anteil in Deutschland investieren, mehr als der VIIer-Fonds: „Das ist unser Ziel, absolut“, sagte Schmitz. „Zehn bis 20 Prozent“ seien angepeilt. Für Frankreich als Heimatmarkt ist etwa ein Drittel vorgesehen. Im Durchschnitt soll der Fonds nach Schmitz’ Worten 400 bis 500 Millionen Euro Eigenkapital je Transaktion bereitstellen, der jeweilige Unternehmenswert im Schnitt doppelt so hoch ausfallen.
Ardian sieht den Mittelstand in Deutschland und anderen europäischen Ländern als unverändert interessant an. „Da gibt es weiterhin gute Übernahmeziele: Man kann noch gute Wertschöpfung kreieren; man kann einen regionalen, vielleicht landesweiten Champion zu einem europäischen Champion weiterentwickeln.“ In diesem Segment – im Branchenjargon Midcap genannt – ist der Wettbewerb mit anderen Private-Equity-Häusern nach Ansicht von Fachleuten nicht so hoch wie im großen Segment der Multimilliardentransaktionen. Schmitz teilt die Einschätzung.
Bestätigung für den Ansatz kommt von der geldgebenden Klientel: „Unsere Kunden sagen: ‚Wir sehen Ardian als europäischen Midcap-Akteur.‘“ Oft tätigen Private-Equity-Gesellschaften schon während der Mitteleinwerbung („Fundraising“) erste Zukäufe. Der VIIIer-Fonds speist aber bisher noch nichts. „Wir hoffen, dass im Sommer vielleicht die erste Transaktion geschieht“, sagte Schmitz.
