
Was folgt aus dem Prüfbericht des Expertenrats für Klimafragen? Zunächst, dass es zwar Diskrepanzen zum Umweltbundesamt gibt, der CO₂-Ausstoß aber trotzdem verlässlich sinkt – zumindest bis 2030. Bedenklicher sind die Jahre danach. Selbst die Regierung hat schon eingestanden, dass die Klimaziele wohl nicht zu schaffen sein werden. Auch die CO₂-Neutralität 2045 nicht, auf die sich Deutschland so viel zugutehält. Der Expertenrat bestätigt diese misslichen Befunde: Die Entwicklung werde vermutlich noch schlechter verlaufen als befürchtet.
Was folgt daraus politisch? Man könnte sich zum Beispiel vom Netto-Null-Jahr 2045 verabschieden. Stattdessen ließen sich bis dahin 88 Prozent Minderung anstreben. Das entspräche dem bisherigen Ziel für 2040, das ebenfalls gefährdet ist. Es gibt gute Gründe, das „Netto-Null“ auf 2050 zu verschieben, schließlich ist dies auch das Zieljahr der EU.
Keine Lösungen aus ideologischer Verbohrtheit ablehnen
In jedem Fall ist es falsch, entsprechende Vorstöße wie die der Mittelstands- und Wirtschaftsunion unter Gitta Connemann sofort abzubügeln; immerhin ist sie parlamentarische Staatssekretärin von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (beide CDU). In der Industrie könnte man sich die Verschiebung ebenfalls vorstellen.
Die Debatte muss sich aber auch um klimaschonende Techniken drehen. Es ist nicht damit getan, immer mehr Solar- und Windkraft, Wärmepumpen oder Ladesäulen zu installieren. Längst ist klar, dass es nicht damit getan ist, alles auf Elektrifizierung zu setzen, es braucht auch (grüne) Gase, fossile steuerbare Leistung oder CO₂-Abscheidung. Diese Angebote gilt es nicht gegeneinander, sondern miteinander auszubauen, ohne einzelne Lösungen aus ideologischer Verbohrtheit heraus von vornherein abzulehnen.
Auch das haben die Fachleute am Montag deutlich gemacht: Die Projektionen sind keine harte Wissenschaft. Niemand weiß verlässlich, ob Reiches neues Heizungsgesetz nützlich oder schädlich ist und ob die Windoffensive von Umweltminister Carsten Schneider (SPD) wirklich so viel bringt wie erhofft. Der Prüfbericht ist ein guter Anlass, um die Energiewende in die richtige Richtung zu lenken: zu mehr Vernunft und Offenheit.
