
Andrij Jermak ist vorerst wieder auf freiem Fuß. Für die Summe von 140 Millionen Griwna (gut 7,2 Millionen Euro) verließ der noch bis vor Kurzem zweitmächtigste Mann der Ukraine am Montag die Untersuchungshaft in Kiew. In der vergangenen Woche hatten Ermittler des Nationalen Antikorruptionsbüros (NABU) den 54 Jahre alten Politiker festgenommen. Das Antikorruptionsgericht hatte 60 Tage Untersuchungshaft festgelegt.
Ein Teil der Kaution kam vom früheren Fußballnationaltrainer
Dabei halfen nun auch prominente Freunde, die in den vergangenen Tagen die geforderte Summe bei Gericht einzahlten. Unter ihnen ist Berichten zufolge Serhij Rebrow, der bis Ende April Cheftrainer der ukrainischen Fußballnationalmannschaft war und zurücktrat, weil sich die Ukraine nicht für die Fußballweltmeisterschaft qualifiziert hat. „Ich kenne Andrij schon sehr lange, er ist sein sehr anständiger Mensch“, erklärte Rebrow im Interview mit einem Youtube-Kanal. Jermak habe ihn einst als Cheftrainer in die Ukraine zurückgeholt.
Die NABU-Ermittler werfen Jermak vor, im Zusammenhang mit dem Bau von vier luxuriösen Wohnhäusern südlich von Kiew rund 8,9 Millionen Euro gewaschen zu haben. Das Geld soll aus Mitteln abgezweigt worden sein, die für die Sicherung der staatlichen Atomkraftwerke bereitgestellt wurden. Beteiligte Firmen mussten dabei zehn bis 15 Prozent der Auftragssumme als Bestechung zahlen, um Aufträge zu erhalten. Insgesamt sollen dabei rund 100 Millionen Euro veruntreut worden sein.
Eines der Häuser der Luxussiedlung ist den Ermittlern zufolge für Jermak bestimmt gewesen. Er selbst bestreitet das, bezeichnete die Anklage als „unbegründet“ und kündigte an, Berufung gegen die angeordnete U-Haft einzulegen. Nach seiner Entlassung am Montag ist Jermak verpflichtet, eine elektronische Fußfessel zu tragen, um für die Behörden auffindbar zu sein. Zudem darf er Kiew nicht unerlaubt verlassen oder mit Verdächtigen kommunizieren. Auch seine Reisepässe wurden eingezogen.
