Es ist der 6. April 1926. Auf dem Flugfeld Tempelhof in Berlin steigen vor dem geplanten Start um 7.25 Uhr fünf Passagiere ein, darunter ein frisch getrautes Ehepaar auf dem Weg in die Flitterwochen. Jeder hat 140 Reichsmark für den Flug in die Schweiz bezahlt. Die Fokker Grulich FII, ein Hochdecker mit offenem Cockpit für den Piloten, bietet den Passagieren eine geschlossene, beheizte Kabine mit Waschmöglichkeit und Toilette. Bereits um 8.40 Uhr landet das Flugzeug zur ersten Zwischenetappe in Halle, weitere Stopps folgen in Erfurt und Stuttgart-Böblingen. Schließlich erreicht die Fokker um 14.30 Uhr das schweizerische Dübendorf, damals noch der internationale Flughafen von Zürich, Kloten entsteht erst später. Damit ist der erste Flug der neugegründeten Luft Hansa erfolgreich abgeschlossen.
Die erste bis 1945 existierende Luft Hansa entsteht nicht aus Liebe, sondern aus Zwang. Die Junkers Flugzeugwerk AG steht kurz vor der Pleite und muss ihre Fluggesellschaft, die Junkers Luftverkehr AG, abgeben. Auch die konkurrierende Deutsche Aero Lloyd AG ist hoch verschuldet, beide liefern sich einen ruinösen Preiskampf. Der Staat, der beide mit Subventionen am Leben hält, greift in letzter Konsequenz ein. In der Folge müssen die verschuldeten Unternehmen am 6. Januar 1926 zur Deutschen Luft Hansa AG fusionieren.

Junkers Ju52 verkörpert die erste Luft Hansa
Die Flotte umfasst nun 162 Flugzeuge, Junkers bringt 13 kleinere Typen und 21 Exemplare der F13 ein, das erste sechssitzige Ganzmetall-Verkehrsflugzeug. Aero Lloyd verfügt über ein buntes Sammelsurium, darunter verschiedene Fokker-Typen, neun Dornier Komet III und vier Wal-Flugboote. Später folgten Maschinen von Focke-Wulf und Rohrbach.
Schon kurz nach der Gründung der Kranich-Linie fallen einige Flugzeuge durch technischen Fortschritt auf. Hugo Junkers präsentiert Ende der 1920er-Jahre die ungewöhnliche G38, das erste viermotorige Flugzeug des Unternehmens aus Dessau. Sechs der bis zu 34 Passagiere sitzen vorne im dicken, teilverglasten Tragflügel mit bester Sicht in Flugrichtung, die übrigen im Rumpf der 24 Tonnen schweren Maschine. Ab 1931 gehören beide gebauten Exemplare der G38 zur Luft Hansa, genutzt für Sonderflüge und Linienverbindungen in Europa.
Anfang der 1930er-Jahre entsteht die Junkers Ju52, die wohl mehr als jedes andere Flugzeug die erste Luft Hansa verkörpert. Aus der ursprünglich einmotorigen Ju52/1m entwickelt, erhält die vielseitige „Tante Ju“ zwei weitere Sternmotoren an der Wellblechtragfläche. So können entweder 15 Passagiere oder Fracht transportiert werden. Ihre außergewöhnliche Robustheit macht sie ab 1932 zur ersten Wahl, die Hälfte der Flotte besteht aus Ju52. Ab 1933 werden die Maschinen zunehmend für militärische Zwecke eingesetzt.

Gut 34 Jahre vor der viermotorigen Boeing 747 gibt es bereits eine Königin der Lüfte. Die Focke-Wulf Fw-200 Condor gilt ab 1936 als elegantestes Passagierflugzeug der Welt und wird Flaggschiff der Luft Hansa. Ihr hochmodernes Einziehfahrwerk und die ausgeprägte aerodynamische Form lassen andere Verkehrsflugzeuge, einschließlich der Ju52, alt aussehen. Mit der Fw-200 werden Langstrecken für bis zu 30 solvente Reisende bei knapp 300 km/h bedient.
Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg
1945, nach dem Krieg, endet die erste Luft Hansa, die Teil des NS-Regimes war. Das Potsdamer Abkommen verbietet alle Luftfahrtaktivitäten, die deutsche Flugzeugbauindustrie liegt brach. 1953 wird die Lufthansa AG neu gegründet, ohne Rechtsnachfolge zur Luft Hansa. Da jedoch ehemalige Führungskräfte übernommen werden, ist der Neubeginn nicht unbelastet. Geflogen wird ab Frühjahr 1955, als die Bundesrepublik wieder Lufthoheit erhält. Weitgehend unbekannt ist, dass ab 1955 auch in der DDR eine Deutsche Lufthansa GmbH existiert, ohne Verbindung zur westdeutschen Lufthansa AG. 1963 wird sie in Interflug umbenannt, da der Name Lufthansa international ab 1953 geschützt gewesen ist.
Mangels deutscher Verkehrsflugzeuge setzt die neue Lufthansa auf US-Maschinen. Zunächst kommen sieben Convair 340/440 mit zwei Sternmotoren für Kurz- und Mittelstrecken zum Einsatz, jeweils für bis zu 44 Passagiere. Längst in einer anderen Liga fliegt die Lockheed L-1649A Starliner, bei Lufthansa Super Star genannt. Sie ist in den 1950er-Jahren das größte Modell der Super-Constellation-Baureihe. Ihre Druckkabine für bis zu 100 Passagiere ist fortschrittlich, doch die vier anfälligen Sternmotoren können gegen die Leistung der aufkommenden Jets nicht mithalten.

Als Bindeglied zwischen den alten Propellerflugzeugen wie der Convair und der Jet-Ära kommen zeitweise Maschinen mit Propellerturbinen zum Einsatz. In den 1960er-Jahren erhält Lufthansa elf britische Vickers Viscount 814, angetrieben von vier Turbinen für etwa 70 Passagiere.
Zur gleichen Zeit beginnt für die Kranich-Airline das Jet-Zeitalter, zunächst wird Boeing zum Hauptlieferanten. Die vierstrahlige 707 transportiert Anfang der 1960er-Jahre rund 150 Passagiere auf der Langstrecke. Ab 1964 kommt die dreistrahlige 727 für Kurz- und Mittelstrecken in 53 Exemplaren zum Einsatz, als reine Passagiermaschine oder Kombi-Jet für Fracht.
Mitte der 1960er-Jahre drängt Lufthansa Boeing zur Entwicklung eines sparsamen Kurzstreckenjets. Trotz anfänglicher Skepsis bringt Boeing 1967 die erste 737-100 auf den Markt. Lufthansa wird Erstbesteller und bleibt diesem Modell, das später in zahlreichen Varianten genutzt wird, 48 Jahre lang treu. Weltweit kommt der amerikanische Flugzeughersteller bis zum Jahr 2016 auf mehr als 12.000 ausgelieferte Maschinen diesen Typs.
Boeing 747 revolutioniert die Passagierluftfahrt
1970 ergänzt die Boeing 747-100 die Flotte, sie ist größer, schwerer und voluminöser als alle bisherigen Lufthansa-Maschinen. Sie startet am 26. April zum ersten Linienflug nach New York. Zwar ist die US-Airline PanAm Erstbesteller des Jumbo, aber die deutsche Fluggesellschaft rangiert bereits als Nummer zwei auf der Kundenliste. Für Passagiere in Frankfurt eröffnet die 747 ein neues Raumerlebnis mit doppelstöckiger Kabine samt Wendeltreppe ins Oberdeck, wo sich hinter dem Cockpit ein Erste-Klasse-Abteil befindet. Das Flugzeug bietet für 365 Passagiere oder jede Menge Fracht Platz, weshalb sie auch Lufthansa Cargo einsetzt.

Zweifelsfrei revolutioniert die auch als Königin der Lüfte bezeichnete 747 die Passagierluftfahrt. War Fliegen bis Ende der 1960er-Jahre noch ein Luxus der Wohlhabenden, ermöglichen die Großraumjumbos nun günstigere Tickets für mehr Bevölkerungsschichten. Heute setzt Lufthansa auf der Langstrecke neben der 747 auch die moderne zweistrahlige 787 ein.
Seit der Gründung des europäischen Flugzeugherstellers Airbus 1970 ist Lufthansa Großkunde, zunächst mit der A300 und später der A310. Von der kleinen Ein-Gang-Baureihe A319, 320 und 321 über die zwei- und vierstrahligen Großraumjets A330 sowie 340 bis zum Doppelstock-Riesenflieger A380 und dem modernen Langstreckenmodell A350 ist meist jede Baureihe über Jahrzehnte im Einsatz.
Früher belieferten mehr Hersteller die Lufthansa
Auf Kurz- und Mittelstrecken fliegen heute die Bestseller A319, 320 und 321 auch in der Neo-Variante, was für „New Engine Option“ und besonders sparsame Triebwerke steht. Sogar der ursprünglich von Bombardier entwickelte kleinste Airbus A220 wird von Tochtergesellschaften der Lufthansa betrieben.

Während heute in der westlichen Verkehrsfliegerei ein Duopol aus Airbus und Boeing herrscht, waren früher deutlich mehr Hersteller aktiv. Der US-Flugzeugbauer Douglas ist ab Mitte der 1970er-Jahre drei Jahrzehnte lang wichtiger Lieferant der Lufthansa. Zunächst mit mehr als einem Dutzend dreistrahliger Großraum-Passagiermaschinen DC 10, später unter dem fusionierten Namen McDonnell Douglas mit der ebenfalls dreistrahligen Frachtversion MD 11F. Selbst die vierstrahlige DC 8 war einst mit fünf Exemplaren in der Cargo-Flotte vertreten. Heute nutzt Lufthansa Cargo die Airbus A321F für mittlere Distanzen und die größere Boeing 777F für Langstrecken.
Exoten bekommen ebenfalls immer wieder eine Chance. In den 1960er-Jahren mietet Lufthansa eine einzelne DC 8 als Passagiermaschine, um Lieferverzögerungen der bestellten Boeing 707 auszugleichen. Ende der 1960er-Jahre zeigt Lufthansa zudem Interesse an der französisch-britischen Überschallmaschine Concorde sowie am nie realisierten US-Projekt Super Sonic Transport SST. Für beide zeichnen die Kranich-Einkäufer Optionen, doch die Ölkrise stoppt das Vorhaben. Auch der deutsch-amerikanische Hersteller Fairchild-Dornier macht sich zeitweise Hoffnungen. Lufthansa zeichnet 60 Optionen für die geplante 70-sitzige Do728. Aber noch vor dem Erstflug des Prototypen geht das Unternehmen 2002 in Oberpfaffenhofen in die Insolvenz.
Zum hundertjährigen Bestehen können zwei markante Vertreter aus alter und neuer Zeit im neuen Besucherzentrum Hangar One am Flughafen Frankfurt besichtigt werden, die bis 2018 gelegentlich fliegende Ju52 D-AQUI der Lufthansa Berlin Stiftung und eine teilrestaurierte Lockheed Super Star. Außerdem hat sich die Fluggesellschaft etwas Besonderes überlegt und Felder mit riesigen 100-Jahre-Logos gestalten lassen, die im Anflug an die Flughäfen Berlin-Brandenburg, Frankfurt und München aus der Luft beobachtet werden können.
